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75 Jahre Akademie Bad Boll – Fest mit prominenten Gästen

Miteinander sprechen statt übereinander

Am 27. September jährt sich die Gründung der Evangelischen Akademie Bad Boll zum 75. Mal. Neben Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July kommen auch Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble sowie der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann, um beim Festakt zu gratulieren. Alle Interessierten können per Livestream teilnehmen.

Die Evangelische Akademie Bad Boll.Roland Halbe

Um 15 Uhr beginnt am 27. September der Festakt – vor Ort in Bad Boll unter Corona-konformen Bedingungen und live im Youtube-Channel der Akademie. Auch die Festschrift zum Jubiläum erscheint nicht als Buch, sondern in Form einer multimedialen Dokumentation auf der Webseite der Akademie.

Ob das Jubiläum auf diese Art gefeiert werden könnte, war lange Zeit fraglich. „Es war ein Abwägen von Für und Wider. Letztlich haben wir uns aber dazu entschlossen, an der Geburtstagsfeier trotz der Corona-bedingten Einschränkungen festzuhalten, um so das Jubiläumsjahr wie geplant mit dem Festakt zum Höhepunkt zu führen“, erklärt der Akademie-Direktor Prof. Dr. Jörg Hübner.

Prof. Dr. Jörg Hübner ist seit 2013 Direktor der evangelischen Akademie Bad Boll.Giancinto Carlucci

Wolfgang Schäuble diskutiert mit jungen Leuten

Um möglichst viele Gäste vor Ort empfangen zu können, werde es neben dem Livestream auch vor Ort eine Übertragung vom großen Festsaal in zwei weitere große Räume in der Akademie geben, erklärt Hübner weiter. 

Die Akademie wird am 27. September aber nicht nur zurückschauen, sondern auch nach vorne blicken. Bei einer Podiumsdiskussion wird Wolfgang Schäuble mit drei jungen Menschen über die Themen sprechen, die speziell Jugendliche und junge Erwachsene bewegen – getreu dem Ziel der Akademie: Miteinander sprechen statt übereinander.

Bundespräsident Theodor Heuss und Landesbischof Martin Haug bei der Einweihung des Hauses der Akademie.Landeskirchliches Archiv

Ungebrochene Vitalität

Nicht nur mit ihrer Gründung wenige Monate nach Ende des Zweiten Weltkriegs war die Evangelische Akademie Bad Boll eine echte Vorreiterin. Auch inhaltlich ist sie seit jeher neben den drängenden Problemen der Gegenwart gerade den theologischen, gesellschaftlichen, ökologischen und politischen Zukunftsthemen verpflichtet. Sie sieht es als ihre Aufgabe an, immer wieder den direkten, respektvollen Dialog gerade zwischen Menschen verschiedener politischer oder religiöser Prägung zu ermöglichen. Auch nach einer bewegten Geschichte ist die Vitalität dieses Forums für den gesellschaftlichen Dialog ungebrochen.

Das traditionsreiche Haupthaus der Akademie Bad Boll.Martina Waiblinger

Gründung im Handstreich

Die Gründung war ein Handstreich des württembergischen Pfarrers Eberhard Müller (1906 - 1989). Im September 1947 brachte Müller 160 „Männer des Rechts und der Wirtschaft“ zu einer Tagung im Bad Boller Kurhaus zusammen. Die Versammlung währte 14 Tage und wurde von Müller zur großen Überraschung von Landesbischof Theophil Wurm als „Gründungsakt“ proklamiert: Die Evangelische Akademie war geboren.

Müller gehörte eher dem national-konservativen Spektrum an. Er setzte sich für die Wiederbewaffnung Westdeutschlands ein, was ihn in schwere Konflikte mit Größen wie Martin Niemöller, Helmut Gollwitzer und Gustav Heinemann stürzte. Er war ein unabhängiger Geist und wollte nach eigenen Worten „die Kirche zu einer neuen Begegnung mit den ihr fern stehenden Menschen, ihrer Welt, ihren Nöten und ihren Fragen bringen“.

Nach Müllers Zeit verschoben sich in den siebziger Jahren die politischen Schwerpunkte in Bad Boll zeitweise weit nach links. Die Akademie kam gar in den Ruf, eine „rote Kaderschmiede“ zu sein, sagt der heutige Direktor Jörg Hübner.

Evangelische Akademie Bad Boll

Ernst Bloch und Rudi Dutschke im Gespräch

Die Akademie hat immer wieder Aufsehen erregt. So trafen dort 1968 der Philosoph Ernst Bloch und der Studentenführer Rudi Dutschke aufeinander. Später fanden in dem Haus die ersten Tagungen für lesbische Frauen in kirchlichem Rahmen statt. Jüngst sorgten Veranstaltungen zum Nahostkonflikt für Ärger, nachdem dort Referenten eingeladen waren, die von Kritikern als judenfeindlich eingestuft wurden. Aus Akademie-Sicht geht es dabei aber immer ums Brückenbauen.

Akademiedirektor Hübner sieht als Markenzeichen seines Hauses die persönliche Begegnung. Menschen mit unterschiedlichen Standpunkten sollten nicht nur übereinander reden, sondern miteinander, sagt er. Hübner betrachtet diese Arbeit als „Gesellschaftsdiakonie“.

(Mit Material von epd)


Der Festakt im Video

Im folgenden Video finden Sie die Aufzeichnung des Festaktes. Tipp: Aus technischen Gründen beginnt das Video mit einem langen Standbild. Wenn Sie 9:30 Minuten vorspulen, gelangen Sie an den echten Anfang des Festaktes. 


Kurzvideo über die Jubiläumsfeier

www.kirchenfernsehen.de hat am Jubiläumstag mit Wolfgang Schäuble, Winfried Kretschmann und Jörg Hübner über die Akademie gesprochen - hier finden Sie den TV-Beitrag: