Kunstpreis der Landeskirche: Gleich zwei Sieger

Eine Berlinerin und ein Stuttgarter teilen sich den Hauptpreis – Übergabe in Göppingen

Stuttgart/Göppingen. Zwei Künstler teilen sich beim dritten Kunstpreis der Evangelischen Landeskirche Württemberg den mit 10.000 Euro dotierten Hauptpreis. Anne Brannys aus Berlin überzeugte die Jury mit ihrem installativen Buchprojekt „Eine Enzyklopädie des Zarten“ ebenso wie Joachim Fleischer aus Stuttgart mit seiner Installation „Lichtscheibe“. Gewinnerin des Förderpreises (3.000 Euro) ist Marion Jäger aus Stuttgart mit ihrer Fotoarbeit „Tafelbild“. Thema des Wettbewerbs war in diesem Jahr „Unscharf“.

Landesbischof Dr. h.c. Frank Otfried July überreicht die Preise am

Samstag, 28. September 2019, ab 17 Uhr

in der Kunsthalle Göppingen

und wird gemeinsam mit Kunsthallen-Direktorin Dr. Melanie Ardjah die Ausstellung mit den Werken der Preisträger sowie weiterer 17 Künstler eröffnen, die für ihre Wettbewerbsbeiträge eine Hervorhebung erhielten. Insgesamt beteiligten sich mehr als 600 Künstlerinnen und Künstler.

„Es ist für mich faszinierend, der Unschärfe so bewusst neu zu begegnen – ja, Unschärfe sogar zu suchen, und zwar als Hilfe zum Sehen“, sagte July im Vorfeld der Feier. Damit nimmt der Landesbischof Bezug zur Ausschreibung des Dritten Kunstpreises, in der es hieß: „Wir suchen nicht einfach nach verschwommenen Fotos, verwischten Bildern und unkonturierten Formen. Bei deutlicher Abgrenzung zur Beliebigkeit geht es uns vielmehr um den möglichen Mehrwert solcher Unschärfe.“

Die Jury begründet ihre Entscheidung für den Beitrag der 1983 geborenen Berliner Künstlerin Anne Brannys mit ihrer „einzigartigen, betörenden Auseinandersetzung mit der Zartheit und dem enzyklopädischen Denken“. Mit ihrer Sieger-Arbeit hatte sie an der Bauhaus-Universität Weimar mit dem Ergebnis „summa cum laude“ promoviert.

Der 1960 geborene Stuttgarter Joachim Fleischer versteht seine „Lichtscheibe“ als das „Sichtbarmachen von etwas nicht Vorhandenem“: „Das Erahnen von Raum und Besucher erzeugt eine Frage an unsere Existenz und unsere Wahrnehmung“.

Bei der Vergabe des Förderpreises für Künstler bis zum vollendeten 35. Lebensjahr entschied sich die Jury für das „Tafelbild“ der 1988 geborenen Stuttgarterin Marion Jäger, weil sie ihr Motiv zwar „detailgetreu, geradezu illusionistisch“ zeige und trotzdem „durch die Wahl des Ausschnitts, der Präsenation und des Titels eine Verfremdung erzeugt, die der Imagination freien Lauf lässt“.

Landesbischof July drückt es so aus: „Im Unscharfen unseres Lebens verbirgt und offenbart sich auch jetzt schon die Ahnung eines Erkanntwerdens und Erkennens.“ Und er zitiert aus dem 1. Korintherbrief 13,12 des Apostels Paulus: „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.“

Zum Abschluss des offiziellen Teils der Preisverleihung wird Professor Dr. Thomas Erne in einem Statement die Frage stellen: „Kirche und Kunst. Wo stehen wir?“ Erne ist Direktor des Instituts für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart an der Philipps-Universität Marburg.

 

Oliver Hoesch

Sprecher der Landeskirche

 

Hinweis für die Redaktionen: Sie sind zur Teilnahme und zur Berichterstattung herzlich eingeladen. Die Kunsthalle Göppingen befindet sich in der Marstallstraße 55, 73033 Göppingen

Einen Beitrag über den Preisträger Joachim Fleischer und seine Arbeit finden Sie ab Freitag, 27. September, 18 Uhr auf der Homepage der Evangelischen Landeskirche in Württemberg