| Kirchenjahr

Fröhliche Weihnachten?

Dekan Frithjof Schwesig erinnert an jene, die sich mit dem Fest schwer tun

Weihnachten kann mit die schwerste Zeit im Jahr werden - Einsamkeit oder Trauer machen gerade zum Fest vielen Menschen zu schaffen (Symbolbild).Cocoparisienne/Pixabay

Adventszeit und Weihnachten: Das ist beileibe nicht nur Lichterglanz und Vorfreude. In seiner Andacht zum vierten Advent erinnert der Blaubeurer Dekan Frithjof Schwesig daran, dass genau diese Zeit für viele Menschen die schwerste im ganzen Jahr ist.

„Weihnachten ist für mich kaum auszuhalten“, hat eine junge Frau gesagt. „Überall in der Werbung sehe ich glückliche Familien. Lachende Kindergesichter und fröhliche Eltern. Bei mir ist das anders. Ich bin mit meinen beiden Kindern allein. Mein Mann hat mich wegen einer anderen verlassen. Weihnachten ist für mich die schwerste Zeit im Jahr. Da kommt der ganze Schmerz wieder hoch.“

Frithjof Schwesig, Dekan in Blaubeuren.privat/EMH

Angst vor den Weihnachtstagen

Nicht nur dieser jungen Frau geht es mit Weihnachten so. Ich weiß von Menschen, die einen nahen Angehörigen verloren haben, dass sie Angst haben vor den Weihnachtstagen. Vor der Einsamkeit. Und vor den Erinnerungen an glückliche Weihnachtsfeste mit der Familie.

Angebote in Kirchengemeinden

Nun gibt es an Heiligabend eine ganze Reihe von Angeboten für Menschen, die allein sind. Es gibt Kirchengemeinden, die in ihrem Gemeindehaus ein festliches Weihnachtsessen anbieten mit buntem Programm für alle, die Weihnachten nicht allein sein wollen. Ich finde das gut.

Ich kann aber auch verstehen, wenn Menschen solche Angebote nicht annehmen wollen. Ihnen ist der Gedanke fremd, mit lauter traurigen Menschen Weihnachten zu feiern. Dabei sind diese gemeinsamen Weihnachtsfeiern oft ganz überraschend fröhlich!   

Eine sogenannte lebendige Krippe stellt die Geburt Jesus' vor 2.000 Jahren in einem Stall nach.Michelle Scott/Pixabay

Was Weihnachten wirklich ausmacht

Wenn ich daran denke, wie vor 2.000 Jahren Jesus geboren wurde: Fröhlich ging es im Stall von Bethlehem nicht zu. Dazu war es zu kalt. Und zu ungemütlich. Und einsam. Denn Maria und Josef kannten ja niemanden in Bethlehem. Keiner hatte sie aufnehmen wollen. Richtig warm ums Herz wurde es ihnen erst, als sie begriffen: Mit diesem Kind kommt Gott selber in unsere Einsamkeit. Und will für immer bei uns sein.

Mich tröstet das. Nicht die Familie und nicht der Weihnachtsbaum machen Weihnachten zu einem besonderen Fest, sondern dieses Kind, das geboren wurde. Damals wie heute zeigt es: Du bist nicht allein. Es gibt einen, der dich kennt. Und immer bei dir ist.

Ob diese Botschaft eine Hilfe sein kann für die junge Frau mit den beiden Kindern? Und auch für die, die ohne den geliebten Menschen Weihnachten feiern müssen? Ich wünsche es ihnen und allen, die sich mit Weihnachten schwer tun. 


Der Beitrag wurde in der SWR4-Sendung „Abendgedanken“ ausgestrahlt.