Stuttgart. Zum Klimaaktionstag am Freitag, 27. Februar, rufen der Heilbronner Prälat Ralf Albrecht und das Umweltreferat der württembergischen Landeskirche zu verstärkten Anstrengungen rund um den Klimaschutz auf. Ralf Albrecht, Vorsitzender des Runden Tisches für Ländliche Räume, Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherbildung und Mitglied des Aktionsteams Klimafasten der Ev. Kirche, weist in Kooperation mit der Umweltbeauftragten der württembergischen Landeskirche, Siglinde Hinderer, auf notwendige Schritte hin.
Im Folgenden finden Sie den Volltext des Aufrufs von Ralf Albrecht und Siglinde Hinderer
Bewahrung der Schöpfung als christlicher Auftrag
Seit beinahe 2000 Jahren bekennen wir uns als Kirche dazu, dass wir als Christen zur Bewahrung der Schöpfung beitragen wollen. Das Glaubensbekenntnis lobt den Schöpfer des Himmels und der Erde, das letzte Buch der Bibel malt den neuen Himmel und die neue Erde vor Augen. Gottes Versprechen „Siehe, Ich mache alles neu“ motiviert, sich für diese Erde voll einzusetzen. Aus Dankbarkeit gegenüber Gott, dem Schöpfer dieser Erde, setzen wir uns für den Klimaschutz ein und verstehen dies zugleich als Beitrag zu Klimagerechtigkeit und als Ausdruck gelebter Nächstenliebe. Das benennt die Barmer Erklärung von 1934 in ihrer zweiten These bereits so: „Durch Jesus Christus widerfährt uns frohe Befreiung aus den gottlosen Bindungen dieser Welt zu freiem, dankbarem Dienst an seinen Geschöpfen.“ Das legt folgende Schritte nahe:
Gemeinsam für eine lebenswerte Zukunft
Der Klimaaktionstag erinnert uns daran, dass Klimaschutz ein Menschenrecht ist - und keine unsinnige Forderung. Unsere natürlichen Lebensgrundlagen gehören generationenübergreifend geschützt. Dem "nach mir die Sintflut" stellen wir entgegen: "Ich übernehme Verantwortung". Wir laden dazu ein, diesen Tag und alle Menschen, die sich in Politik, Kirchen, Initiativen und Gesellschaft für den Klimaschutz einsetzen, im Gebet zu begleiten. (www.umwelt.elk-wue.de/24-klimaaktionstag)
Als Kirche rufen wir zur Fürbitte, dass Verantwortliche mutige und weitsichtige Entscheidungen treffen, dass gesellschaftliche Debatten friedlich, respektvoll und konstruktiv geführt werden, und wir bieten selbst Quellen der Kraft, Hoffnung und Orientierung an, beispielsweise durch die ökumenische Aktion Klimafasten: (https://klimafasten.de/)
Für junge Menschen und kommende Generationen - Verantwortung zeigen und aktiv handeln
Die Evangelische Landeskirche in Württemberg nimmt den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen ernst und hat daher ein eigenes Klimaschutzgesetz verabschiedet. In ihm sind klare Ziele und Maßnahmen beschrieben, etwa der Umstieg auf erneuerbare Energien und Klimaneutralität bis 2040, ein konsequentes Energiemanagement, klimafreundliche Mobilität und nachhaltige Beschaffung. Gleichzeitig ist klar, dass die Kirchen ihre Klimaziele nur erreichen können, wenn hierfür auch die staatlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, wie durch den Ausbau der kommunalen Netze mit klimaneutraler Wärmeversorgung und den Ausstieg aus der fossilen Stromerzeugung. Auf diesen Zusammenhang hat im November 2025 der gemeinsame Klimaschutzappell von 62 kirchlichen Akteuren eindringlich hingewiesen. (https://www.klima-allianz.de/fileadmin/user_upload/Dateien/Daten/Publikationen/Positionen/2025_11_27_Appell_KSP_kirchliche_Akteure.pdf)
In der Landeskirche ist klar, Klimaschutz ist eine gemeinsame Aufgabe auf allen Ebenen. Wichtig für die Umsetzung ist das Engagement in den Kirchengemeinden, dass sich Haupt- und Ehrenamtliche über die Möglichkeiten informieren und diese vor Ort umsetzen. Das Umweltreferat der Landeskirche unterstützt die Gemeinden dabei mit praxisnahen Materialien, Fortbildungen, Beratung und Hilfestellungen (https://www.umwelt.elk-wue.de/).
Appell an die Politik
Das Bundesverwaltungsgericht hat am 29. Januar 2026 erneut bestätigt, dass das Klimaschutzprogramm 2023 nicht ausreicht, um die gesetzlich verbindlichen Ziele bis 2030 zu erreichen. Die vorgesehenen Maßnahmen verfehlen sowohl die erforderlichen sektorübergreifenden Reduktionspfade als auch die notwendige Minderung der Treibhausgasemissionen um 65 Prozent gegenüber 1990.
Die Energiewende ist der stärkste Hebel im Klimaschutz und zugleich zentral für eine stabile und zukunftsfähige Wirtschaft. Klimaschutz darf daher nicht gegen wirtschaftliche Interessen ausgespielt werden. Für Fortschritte im Gebäudebereich, in der Mobilität und beim Ausbau erneuerbarer Energien braucht es Kontinuität, klare gesetzliche Rahmenbedingungen und eine verlässliche Förderkulisse. Wechselnde Regelungen und widersprüchliche Eingriffe zerstören dagegen die notwendige Planungssicherheit. Ein Festhalten an fossilen Technologien und ein Aufschieben oder Zurücknehmen wirksamer Lenkungsmechanismen beim Klimaschutz gefährden Deutschlands Wirtschaft im weltweiten Wettbewerb und damit auch die Arbeitsplätze der Zukunft.
Eine stärkere heimische Produktion erneuerbarer Energien kombiniert mit einer kontinuierlichen Senkung des Energieverbrauchs reduziert die Abhängigkeit von fossilen Importen aus politisch instabilen Regionen und mindert gleichzeitig das Risiko, Konflikte und Kriege indirekt finanziell zu unterstützen. Dafür braucht es einen verlässlichen Netzzugang, Speicherausbau und ein sicheres Vergütungssystem.
Soziale Perspektive - Klimaschutz darf niemanden zurücklassen
Klima und Sozialpolitik müssen gemeinsam gedacht werden, damit die notwendigen Veränderungen sozial verträglich gelingen und nicht zulasten der Schwächsten gehen.
Menschen mit geringem Einkommen sind durch eine sozial-gerechte Rückerstattung der CO₂-Bepreisung zu entlasten, während klimaschädliche Steuervergünstigungen, wie sie heute z.B. für fossile Verbrenner oder den Flugverkehr gewährt werden, abzubauen sind. Klimaschutz ist kein Luxus für ein paar Privilegierte, die es sich leisten können.
Entwicklungsländer benötigen Unterstützung, damit sie an der globalen Transformation teilnehmen können. Ebenso müssen ausreichend Mittel bereitstehen, damit Länder sich an die Folgen des Klimawandels anpassen können und Unterstützung bei Klimaschäden erhalten. Soziale Sicherungssysteme müssen zudem verhindern, dass Klimafolgen wie steigende Lebensmittelpreise Menschen in Existenznot bringen. Gleichzeitig ist anzustreben, dass in diesen Ländern ebenso ökologische und soziale Standards eingehalten werden.
Wider alle Verschwörungstheorien und alle Verachtung der Politik
Klimaschutz ist kein Märchen; Politik, die sich darum kümmert, kein dreckiges Geschäft. Gerade in diesen Zeiten vorgefertigter Stereotypen brauchen wir Verständigungsorte. Wir rufen dazu auf, mit Politik, gesellschaftlichen Gruppen und Verbänden im Gespräch zu bleiben. Auch wenn Meinungen auseinandergehen, ist der respektvolle Austausch grundlegend für ein gutes Miteinander. Gerade in Krisenzeiten braucht es Menschen, die zuhören, Brücken bauen und gemeinsam nach umweltverträglichen Lösungen suchen.
Du hast immer die Wahl
Demokratie lebt davon, dass wir uns einbringen. Darum ermutigen wir dazu, sich umfassend zu informieren und bei Wahlen die eigene Stimme zu nutzen. So stärken wir gemeinsam eine Gesellschaft, die im Dialog bleibt und unsere Zukunft in Rechtsstaatlichkeit unter Achtung der Menschenwürde und der natürlichen Lebensgrundlagen verantwortlich gestaltet.
Vor allem eins - Zuversicht!
Wir sind nicht die allerletzte lebende Generation. Diese Welt gleitet nicht ab ins Chaos. Wir haben immer neu Handlungsoptionen, dem Guten, dem Hilfreichen, dem Wesentlichen beim Klimaschutz nachzudenken und Schritte zu gehen. Eindrücklich benannt in dem Martin Luther zugeschriebenen Hoffnungswort: „Und sollte morgen die Welt untergehen, pflanzte ich heute ein Apfelbäumchen“. So handeln wir energisch; ohne die Utopie, die Welt retten zu müssen - und ohne Scheu, den Klimaschutz in die Mitte zu stellen. Denn: „die Erde ist des HERRN - und was darinnen ist“ (Psalm 24,1).
Dan Peter
Sprecher der Landeskirche
HINWEIS: Bilder von Prälat Ralf Albrecht finden Sie im Pressebereich unserer Website.