04.05.2026

European Gospel Festival setzt starke Impulse

„Für einige Tage ist Stuttgart bunter geworden.“

Stuttgart. Mit einem eindrucksvollen Zeichen für Gemeinschaft und Glaubensfreude ist am Sonntag das European Gospel Festival in Stuttgart zu Ende gegangen. Unter dem Motto „Colour the World – gib der Welt Deine Farbe“ feierten über 5.000 Sängerinnen und Sänger sowie zehntausende Gäste drei Tage lang ein farbenfrohes Fest der Musik.

Im Abschlussgottesdienst in der Porsche-Arena erinnerte der württembergische Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl an die verbindende Kraft des Gospels. „Durch das gemeinsame Singen auch mit Gästen aus aller Welt habt ihr gezeigt: Herkunft, Sprache, Geschlecht, Alter – all das und noch mehr, spielen vor Gott keine Rolle. Jeder Mensch ist sein geliebtes Geschöpf und Ebenbild. Damit habt Ihr mit Eurem Singen einen anderen Klang in unsere Welt eingetragen.“

Die Stuttgarter Innenstadt wurde am Samstag zum Zentrum internationaler Begegnung. Chöre aus 23 Nationen sangen an 36 Orten. Zu den Highlights zählten die „Nacht der Chöre“ in 20 Kirchen und das große „Treppenkonzert“ des Stuttgarter Chores „Gospel im Osten“ mit über 600 Sängerinnen und Sängern auf dem Schlossplatz.

Bei den Chorkonzerten in den Kirchen wurde zugunsten eines Naturschutzprojekts von Brot für die Welt in El Salvador gesammelt. Die Spendensumme erreichte 36.149,68 Euro.

Das European Gospel Festival findet seit 2002 alle zwei Jahre statt. 2028 wird es vom 15. bis 17. September erneut gefeiert; der Austragungsort wird noch bekanntgegeben.

Die Predigt von Ernst-Wilhelm Gohl, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, über 1. Mose 9,8-13, die er am 3. Mai 2026 beim Abschlussgottesdienst des Gospelkirchentags in der Porsche-Arena in Stuttgart gehalten hat, folgt im Volltext:

Liebe Schwestern und Brüder!

„Colour the world – gib der Welt Deine Farbe!“

Dieses Motto hat uns in den letzten Tagen bei allen Veranstaltungen des European Gospelfestivals hier in Stuttgart begleitet.

„Gib der Welt deine Farbe“ – das habt ihr, hier in Stuttgart auf eindrucksvolle Weise getan. Durch Euch hat sich unsere Stadt verwandelt. Für einige Tage ist sie bunter geworden.

„Gib der Welt deine Farbe“ – das habt ihr natürlich auch durch Euer Singen an vielen Orten deutlich gemacht. Wir alle haben wieder einmal erlebt, wie verbindend gerade die Gospelmusik ist. Gospel heißt ja Evangelium, die Gute Nachricht von Gott, der seine Welt liebt.

Deshalb hat Gospel immer auch eine politische Dimension. Durch das gemeinsame Singen auch mit Gästen aus aller Welt habt ihr gezeigt: Herkunft, Sprache, Geschlecht, Alter – all das und noch mehr, spielen vor Gott keine Rolle.

Jeder Mensch ist sein geliebtes Geschöpf und Ebenbild. Damit habt Ihr mit Eurem Singen einen anderen Klang in unsere Welt eingetragen. Und dieser andere Klang ist wichtig, in einer Welt, in der die Stimmen immer lauter werden, die die Unterschiede zwischen den Menschen betonen und so Neid und Wut zum Grundton machen. Der Gospel, das Evangelium verbindet. Diese Grundüberzeugung müssen wir hochhalten! Denn wir erleben leider auch, wie das Evangelium in diesen Tagen missbraucht wird, um Gewalt und Unrecht zu rechtfertigen, wie etwa der US-Kriegsminister, der sein brutales Handeln mit dem alten Kreuzfahrerruf „Deus vult“ (auf dem Körper tätowiert) begründet. Das sind keine „Evangelikale“, auch wenn sie sich selbst so sehen und in den Medien so bezeichnet werden.

Deshalb hat Gospel immer auch eine politische Dimension. 

Schön, dass ihr mit dem gemeinsamen Singen diesen anderen Ton, fröhlich und ansteckend auf die Straßen gebracht habt.

Colour the world! Das zentrale Symbol für diese Farbenvielfalt ist der Regenbogen. Er steht für Dankbarkeit und Verantwortung. Colour the world!

Ganz am Anfang der Bibel erzählt die Schöpfungsgeschichte, wie Gott Himmel und Erde, die Sterne, die Meere, die Tiere und Pflanzen und schließlich auch den Menschen geschaffen hat. Wie es im Gospelsong „Colour the world” heißt: „God is the artist, creator of all. He painted a picture of spring and of fall.”

Klar stellen wir uns die Pflanzenwelt so bunt vor, wie wir sie kennen. Doch die Schöpfungsgeschichte erwähnt mit keiner Silbe Farben. Farbig wird es erst mit der Sintflutgeschichte.

Wir erinnern uns: Gott hat die ersten Menschen mit einem freien Willen geschaffen. Gott will keine Sklaven. Aber wer frei ist, Gutes zu tun, der ist auch frei, Böses zu tun.

Dass sich die ersten Menschen Freiheit für das Böse entscheiden, bekümmert Gott.

Wenig später lesen wir, dass Gott einen Mann namens Noah auffordert ein großes Schiff zu bauen, um sich, seine Familie und wenigstens auch einige Tiere zu retten. Das tut Noah. Er baut die Arche und wenig später zieht er, seine Familie und viele Tiere mit ein. Dann beginnt die Sintflut. Alles Leben außerhalb der Arche stirbt. Als der Regen endlich vorbei ist und das Hochwasser abgelaufen, können die Tiere wieder zurück ans Land. Gott schließt daraufhin einen Vertrag mit den Menschen. Und als sichtbares Zeichen für diesen Bund, wählt er den farbigen Regenbogen, der Himmel und Erde verbindet. Ich lese aus 1. Mose 9,8-13 nach der BasisBibel:

„Dann sagte Gott zu Noah und zu seinen Söhnen, die bei ihm waren: ‚Ich aber, ich schließe meinen Bund mit euch und euren Nachkommen und allen Lebewesen bei euch: den Vögeln, dem Vieh und den wilden Tieren. Ich schließe ihn mit allen, die aus der Arche kamen, mit allen Lebewesen der Erde. Ich werde meinen Bund mit euch schließen: Nie wieder soll eine Sintflut alles Leben ausrotten! Nie wieder soll eine Sintflut die Erde vernichten!‘ Weiter sagte Gott: ‚Ich schließe diesen Bund mit euch und mit allen Lebewesen bei euch. Er gilt für alle künftigen Generationen. Und dies ist das Zeichen, das an den Bund erinnern soll: Ich setze meinen Bogen in die Wolken. Er soll das Zeichen sein für den Bund zwischen mir und der Erde‘.“

Welch großartige Zusage an uns Menschen, an seine Geschöpfe. In dieser Zusage steckt auch die Erinnerung: Auch Ihre Menschen seid Teil der Schöpfung. Ihr könnt nicht gegen die Schöpfung leben sondern nur mit ihr. Wenn wir als Christinnen und Christen uns für die Bewahrung der Schöpfung einsetzen, ist das Ausdruck unseres Glaubens.

Liebe Gospelfreundinnen und -freunde,

Mit seinem Bund verspricht Gott: Was auch kommen mag, ich lasse euch nicht im Stich. Gospel hat auch eine seelsorgerliche Dimension. Denn Gott verspricht uns ja nicht: Wenn Du nur fest genug an mich glaubst, wird Dein Leben nach menschlichen Maßstäben erfolgreich und glücklich sein. Gott verspricht mit seinem Bund nicht, dass er uns Leid und Unglück ersparen wird.

Unsere Welt ist nicht mehr das Paradies. Wir leben jenseits von Eden. Davon haben wir in Statements gehört: Vom Sterben eines Freundes.

Von dem Gefühl, Gott einfach nicht mehr vertrauen zu können. Mirjam hat erzählt, wie sie nach einer langen Phase des Zweifelns eher zufällig auf ein altes Gebet der Bibel gestoßen ist: Psalm 23 und dem Bild von Gott als einem guten Hirten. Und dann hast Du gesagt:

„Ich spürte Erleichterung, weil ich zumindest einen kleinen Teil des alten Vertrauens spürte.  Das Vertrauen, dass meine Familie gehalten ist auch im Tod und in der Trauer. Denn Gott sagt da: „Egal wo du bist, Miri, und egal, wo dein geliebter Mensch ist – ich bin da und kümmere mich.“ Wir beteten den Psalm bei der Beerdigung und mittlerweile singen wir Psalm 23 zufällig auch in unserem Gospelchor. Und auch wenn ganz sicher nicht alles kunterbunt ist, spüre ich wieder und immer mehr einen kleinen Funken Licht, der hoffentlich bald wieder Farben zulässt: Colour my World, God!”

Dafür steht der leuchtende Regenbogen mit seinen vielen Farben – diese wunderbare Verbindung zwischen Himmel und Erde.

Es sind ja besondere Umstände, unter denen ein Regenbogen am Himmel entsteht. Der Regebogen erscheint ja nicht an einem strahlenden Sonnentag. Der Regenbogen entsteht ja nur wenn, sich die Sonnenstrahlen in den Regentropfen brechen.

Das heißt für mich: Gottes Treue zeigt sich gerade dort – im Regen – wo das Leben nicht einfach strahlend und klar ist. Wo Gottes Zuwendung sich brechen lässt an unseren Nöten.

In solchen Situationen machen viel unter uns die Erfahrung: Singen hilft!

Vieles zwischen Himmel und Erde kann unser Verstand nicht begreifen.

Aber wenn wir gemeinsam singen, aufeinander hören, dann entsteht Resonanz. Resonanz zwischen den Sängerinnen und Sängern, Resonanz zwischen Gott und uns Menschen.

Diese ermutigende Erfahrung macht ja besonders die Gospelmusik aus – weil die Lieder von der Hoffnung handeln. Sie klammern das harte, ungerechte und trostlose Leben nicht aus – die Wurzeln des Gospelsongs sind ja die Spirituals der schwarzen Sklaven – Gospels klammern diese Erfahrungen nicht aus, sondern machen sie zum Ausgangspunkt unseres Glaubens. So verändert Gospelmusik die Welt. Sie singt von unserer Hoffnung, die stärker ist als alles, was uns in Angst und Schrecken versetzen will.

Ein Festival wie der Gospelkirchentag macht diese Hoffnungsgeschichte sichtbarer als sonst – in der Stadt, bei den vielen Begegnungen von Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern. Wir singen einander Mut zu und hören auf die Hoffnungsstrophen unserer Nebensinger. Wenn wir dabei anderen von unserem Glauben erzählen, stärken wir uns gegenseitig und geben die Hoffnung in einer zutiefst zerrissenen Welt weiter.

Unsere Hoffnung bewahrt uns davor, dass wir uns lähmen lassen von der Angst.

Unsere Hoffnung bewahrt uns davor, uns hinter menschengemachten Mauern zu verschanzen. Unsere Hoffnung auf Gott und seine gute Zukunft hat eine andere Vision für das Leben hier und jetzt: „Colour the world“

Jan hat das in seinem Statement so gesagt: „Colour the world“ heißt für mich genau das: Gottes Zusage färbt mein Leben. Aus der Angst wird Vertrauen, aus Druck wird Freiheit, aus Vergleich wird Wertschätzung. Und von dieser Farbe möchte ich selbst etwas weitergeben – in der Musik, in unseren Chören, damit Menschen spüren: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“

Danke, Jan, danke euch allen, die ihr diesen fröhlichen ansteckenden Ton der Hoffnung, die Gott uns schenkt, in unserer Stadt zum Klingen gebracht habt.

Und wenn ich das nächste Mal einen Regenbogen am Himmel sehe, klingt bei mir das Motto des European Gospelfestivals nach – als Zuspruch und Auftrag: 

„Colour the world – gib der Welt Deine Farbe!“

Amen
 

Dan Peter
Sprecher der Landeskirche

HINWEIS: Bilder vom Gospelkirchentag 2026 finden Sie auf gospel.de

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