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Der Nahe Osten braucht die Christen!

Bischof Munib Younan, Präsident des Lutherischen Weltbundes und Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land, zu Besuch bei Landesbischof July. Wichtigstes Thema dabei: die Situation der Flüchtlinge im Nahen Osten - was politisch geschehen muss und welchen Beitrag die Kirchen leisten können.

Landesbischof Frank Otfried July zusammen mit dem palästinensischen Bischof Munib Younan.

Stuttgart/Jerusalem. Der palästinensische Bischof Munib Younan warnt vor einer möglichen Teilung Syriens oder des Irak. "Eine solche Teilung wäre gefährlich und würde dem Nahen Osten weder Sicherheit noch Demokratie bringen", sagte Younan, der auch Präsident des Lutherischen Weltbundes ist, am Montag in Stuttgart. Es brauche pluralistische, demokratische Staaten. Die Teilung wäre ein Rückschritt ins Mittelalter.

Kirchen und Regierungen in Europa und den USA müssten einen gemeinsamen Ansatz mit den krisengebeutelten Ländern suchen. Der Weg führe über den schwierigen Dialog und nicht über den Einsatz von Waffen. "Militärische Interventionen haben uns nie Lösungen, nur Probleme gebracht", betonte Younan. Wichtig sei, dass die Syrer selbst mitbestimmen und sagen könnten, was sie wollten.

Der Bischof erinnerte daran, dass viele arabische Christen inzwischen vor Krieg und Terror geflohen seien und ihre Heimat verlassen hätten. Sie seien aber wichtig für das Gleichgewicht in der Region. "Die Muslime brauchen die arabischen Christen." Eine Rückkehr in die Heimat sei nach fünf Jahren noch leicht, nach 15 und mehr Jahren jedoch sehr schwer. 

Die ablehnende Haltung der ungarischen Regierung in der Flüchtlingsfrage bezeichnete der 65-Jährige als "inakzeptabel". Der Lutherische Weltbund sei sehr dankbar für die Bereitschaft Deutschlands und Schwedens, Asylsuchende aufzunehmen. In Jordanien lebten sechs bis sieben Millionen Menschen. 1,5 Millionen Flüchtlinge aus Syrien seien dort aufgenommen worden, davor bereits Menschen aus Irak und Palästina. "Die Gesellschaft verändert sich, aber sie ist sehr stabil." Die Menschen dort sähen es als ihre Verantwortung, sich um Notleidende zu kümmern, und jammerten in dieser Situation nicht. 

Wichtig sei neben der psychologischen Betreuung der Flüchtlinge auch ihre Bildung. "Ich selbst bin ein palästinensischer Flüchtling. Wenn mich die Kirche nicht mit offenen Armen aufgenommen und ausgebildet hätte, weiß ich nicht, ob ich ein Pastor geworden wäre", sagte Younan. Eine weitere Aufgabe der deutschen Regierung sei es, die Gesellschaft dort hin zu führen, dass sie Muslime akzeptiert und Islamfeindlichkeit überwindet. 

Munib Younan wurde 1950 als Sohn palästinensischer Flüchtlinge in Ostjerusalem geboren. Seit 1990 wirkt er in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land, seit 1998 als dritter Bischof. 2003 wurde er zunächst Vizepräsident des Lutherischen Weltbundes, 2010 dann Präsident. In Stuttgart besuchte Younan am Montag einen seiner Vizepräsidenten, den Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July.  

Viele christliche Kirchen sind im Heiligen Land vertreten, etwa Orthodoxe, Katholiken, Anglikaner und Lutheraner. Die Evangelisch-Lutherische Kirche mit ihren rund 3.000 Mitgliedern zählt zu den kleinsten dort. Der Lutherische Weltbund umfasst 145 Kirchen mit zusammen mehr als 72 Millionen Christen. 

Quelle: Evangelischer Pressedienst (EPD)


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