29.01.2026

Preisträgerinnen des Schülerwettbewerbs „Christentum und Kultur“ in Freiburg ausgezeichnet

Weihbischof Christian Würtz würdigt die religiöse Spurensuche 

In welchem Verhältnis stehen Christentum und Kultur? Diese Frage steht im Zentrum des gleichnamigen landesweiten Schülerwettbewerbs, dessen 23. Preisverleihung am Mittwoch, 28. Januar, im St.-Ursula-Gymnasium in Freiburg stattgefunden hat. Die vier großen christlichen Kirchen in Baden-Württemberg schreiben den Wettbewerb für Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe jährlich aus – alle elf Preise holten sich Schülerinnen.

Einige der Preisträgerinnen. Ganz links: Weihbischof Christian Würtz
Einige der Preisträgerinnen. Ganz links: Weihbischof Christian Würtz

Weihbischof Christian Würtz aus der Erzdiözese Freiburg würdigte die religiöse Spurensuche, auf die sich die teilnehmenden Schüler und Schülerinnen an der Schnittstelle von kirchlich vermittelter Religion und kulturell-gesellschaftlichen Ausprägungen gemacht hatten. Der christliche Glaube sei „tief in unsere Kultur eingeschrieben“, sagte Würtz vor rund 70 Schülerinnen, Eltern, Lehrern und Gästen. Christentum und Kultur hätten sich gegenseitig geprägt, sie seien zwei Seiten derselben Münze: „unterscheidbar, aber nicht voneinander zu trennen“.

Weihbischof Christian Würtz
Weihbischof Christian Würtz

Eine verantwortliche Spurensuche in religiösen Dingen heiße: genau hinzusehen, bewusst zu unterscheiden und eigenständig zu bewerten – Eigenschaften, die einen mündigen, reifen Menschen auszeichnen. Es gelte zu erkennen, wenn religiöse Sprache und christliche Symbole kulturell und politisch vereinnahmt würden. Es gelte zu reflektieren, wenn Religion nicht befreiend, sondern einengend wirke, wenn sie keine Orientierung zum Guten sei, sondern Legitimation für Machtmissbrauch, Ausgrenzung und Gewalt – „Spuren von Unkultur, die nicht verdrängt werden dürfen“.

Diese Fähigkeit zur Unterscheidung zeichnet die teilnehmenden Schülerinnen aus. Der Weihbischof hob hervor: Aimee Weiß vom Helene-Lange-Gymnasium in Markgröningen habe die Chancen und Grenzen der Filmreihe The Chosen herausgearbeitet, eine popkulturelle Streaming-Serie des evangelikalen Filmemachers David Jenkins über das Leben Jesu. Marie Kolitsch vom Gymnasium Rutesheim widmete sich der Sängerin Taylor Swift unter der Fragestellung, ob der Weltstar eine „deutungsoffene Popikone für alle“ und/oder eine „politisch handelnde Christin“ sei. Hannah Broß vom Gymnasium in Achern ging der Frage nach: „Heißt ‚zum Glauben finden‘ ‚zur Vernunft kommen‘?“ und untersuchte „kirchliche Jugendarbeit zwischen Denkanstößen und starken Gefühlen“. Und Melanie-Tianyi Bu vom Landesgymnasium für Hochbegabte in Schwäbisch Gmünd zeigte am Beispiel chinesisch-stämmiger Mitbürger in Deutschland, „wie Kirchen in interkulturell verantwortlicher und sinnvoller Weise auf religiös noch schwach gebundene migrantische Gruppen zugehen und Bindungen schaffen können“, wie es Pfarrerin Prof. Dr. Inge Kirsner, Seelsorgerin am Robert Bosch Krankenhaus in Stuttgart und Professorin für Praktische Theologie an der Universität Paderborn, formulierte, die die Arbeiten im Namen der Jury würdigte.

Insgesamt waren 34 Arbeiten von insgesamt 41 Teilnehmerinnen und Teilnehmern eingereicht worden. Das entspricht etwa der Zahl der erstellten Arbeiten im vergangenen Jahr. Der Wettbewerb stößt damit auf eine anhaltend gute Resonanz in den Schulen.

Ein erster Platz wird mit 500 Euro belohnt, einer zweiter mit 300 Euro und ein dritter mit 200 Euro sowie ein Sonderpreis mit 150 Euro.

Die Schirmherrin des Wettbewerbs Theresa Schopper, baden-württembergische Ministerin für Kultus, Jugend und Sport, nahm digital an der Preisverleihung teil.
Die Schirmherrin des Wettbewerbs Theresa Schopper, baden-württembergische Ministerin für Kultus, Jugend und Sport, nahm digital an der Preisverleihung teil.

Die Preisträgerinnen und ihre Arbeiten im Überblick

1. Preis: Aimee Weiß (Helene-Lange-Gymnasium Markgröningen) - Thema der Seminararbeit: „Vom Bildschirm ins Glaubensleben - Chancen und Grenzen christlicher Serien
für Jugendliche am Beispiel The Chosen“

2. Preis: Hannah Broß (Gymnasium Achern) - Thema der Seminararbeit: „Heißt ‚zum Glauben finden‘ ‚zur Vernunft kommen‘? Kirchliche Jugendarbeit zwischen Denkanstößen und starken Gefühlen“

3. Preis: Marie Kolitsch (Gymnasium Rutesheim) - Thema der Seminararbeit: „Das Phänomen Taylor Swift - Deutungsoffene Popikone für alle oder politisch handelnde Christin?“

4. Preis: Melanie-Tianyi Bu (Landesgymnasium für Hochbegabte Schwäbisch Gmünd) - Thema der Seminararbeit: „Katholische Kirche im Spiegel chinesischer Migranten“

Sonderpreis Kunst: Adanna Cecilia Ndu und Veroniki Siarkou (beide: Staufer-Gymnasium Waiblingen) - Thema des künstlerischen Werks: „Können Liebe und Glaube koexistieren, wenn zwei Religionen aufeinandertreffen?“

Sonderpreis Medien: Elena Robitzsch (Staufer-Gymnasium Waiblingen) - Thema des Films: „Wie verbinden die Rituale des griechisch-orthodoxen Osterfests Glaube, Tradition und Gemeinschaft in der Gemeinde Waiblingen?“

Vier Buchpreise

  • Johanna Kerst (Dillmann-Gymnasium Stuttgart), Thema der Seminararbeit: „Der Traum vom Frieden: wie können theologische Friedensperspektiven im Nahostkonflikt zu Frieden beitragen?“
  • Kathrin Amos (Freihof Gymnasium Göppingen), Thema der Seminararbeit: „Sind Christen aufgrund ihres Glaubens an Gott dazu verpflichtet, sich zu engagieren?“
  • Valerie Alles (Gymnasium Rutesheim), Thema der Seminararbeit: „Welche Rolle spielt Gott im Grundgesetz für uns heute?“
  • Sophia Kolb (Schiller-Gymnasium Heidenheim an der Brenz), Thema der Seminararbeit: „Zwischen Tradition und Moderne: Ist wallfahren heute noch zeitgemäß?“

Musikalische Gestaltung: Die Preisverleihung im St.-Ursula-Gymnasium in Freiburg wurde musikalisch bereichert von der Swing Sisters Big Band.

Der Wettbewerb

Die vier großen Kirchen in Baden-Württemberg schreiben diesen landesweiten Wettbewerb seit dem Schuljahr 2003/04 jährlich für Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe aus. Er soll sie dazu anregen, sich mit dem Zusammenhang von Religion und Kultur in der Gesellschaft zu beschäftigen. Auch soll der Wettbewerb das Interesse an religiösen und interreligiösen Fragestellungen wecken und die ökumenische Zusammenarbeit stärken.
Die Schirmherrschaft für den Wettbewerb hatten in diesem Jahr Kultusministerin Theresa Schopper, die badische Landesbischöfin Prof. Dr. Heike Springhart und Bischof Dr. Klaus Krämer (Diözese Rottenburg-Stuttgart).

Die Anmeldungsfrist zur Teilnahme am Wettbewerb 2025/26 ist seit Mitte November 2025 abgelaufen. Themen der Arbeiten, die im Frühjahr 2027 ausgezeichnet werden, sind unter anderem:

Themen im laufenden Wettbewerb:

  • Sorgenvolle Zukunft? Perspektiven jüdischen Lebens in Deutschland
  • Gewagte Hoffnung – Geschichten der Zuversicht
  • „Worauf du dich verlassen kannst!“ – die Wahrheitsfrage im Zeitalter der Desinformation
  • Allmächtig, allwissend, allgegenwärtig (und allliebend): Kann KI Gott ersetzen?

Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen können sich auch selbst ein Thema stellen aus den Feldern:

  • Christliche Motive in Kunst, Musik, Literatur, Medien und Jugendkultur
  • Christliches Handeln in Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, sozialem Leben
  • Kirchliches Leben und Handeln als kulturprägender Faktor in Vergangenheit und Gegenwart in der Region
  • Die künftige Rolle des Christentums in einer religiös pluralen Kultur
  • Der Zusammenhang von Religion und Kultur
     

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