Wie geht Digitalisierung im Gemeindebüro, im Kirchenbezirk und in den vielfältigen Gruppen und Kreisen in den Kirchengemeinden? Dabei können Menschen helfen, die sich in einem gemeinsamen Projekt der württembergischen, der badischen und der bayerischen Landeskirche zum Digitalisierungs-Coach in kirchlichen Kontexten schulen lassen. Im Folgenden Interview blickt Benedict Stein (34) auf die Fortbildung sowie auf erste Erfahrungen in der Umsetzung zurück. Die nächste Fortbildung zum Digitalisierungs-Coach beginnt im Januar 2027 – hier gibt’s dazu alle Infos.

Benedict Stein arbeitet im Hauptberuf als Data Engineer und ist in seiner Heimatgemeinde Baiersbronn ehrenamtlich als Kirchengemeinderat und im Technikteam tätig.
Welches Fazit ziehen Sie nach der Fortbildung?
Benedict Stein: Der Kurs war eine super Motivation und Gelegenheit zur Vernetzung. Landeskirche kann strukturiert digital. Es sind nicht nur Inseln mit Leuchttürmen, sondern es gibt Erfahrung, Methodik und Austauschmöglichkeiten, von denen wir alle profitieren können.
Was hat es Ihnen gebracht?
Benedict Stein: Für mich persönlich als IT-ler war es primär eine Auffrischung von methodischem Wissen rund um Change Management (also dem Umgang mit Veränderungen) aus dem Studium bzw. die Übertragung dieses Wissens in den kirchlichen Kontext. Ursprünglich hatte ich es sogar als Bildungsurlaub geplant. Für viele andere bedeutete der Kurs aber natürlich auch die Einführung in neue Tools und technische Möglichkeiten.
Besonders wertvoll fand ich jedoch die Vernetzung und den Austausch mit Gleichgesinnten mit völlig unterschiedlichen Hintergründen von Hauptamtlichen, Pfarrern, Sekretariatskräften und sogar Personen mit EKD-Funktionen bis hin zu engagierten Ehrenamtlichen.
Außerdem öffnete das Coaching den Kontakt zu Inhalten und zum Verständnis der landeskirchlichen IT-Strategie, die sonst nur über offizielle Dienstwege verteilt werden oder ggf. auch gar nicht ankommen.
Wo konnten Sie Ihre neuen Kenntnisse schon einbringen und umsetzen?
Benedict Stein: Ich durfte bei uns vor Ort mit einem Team "Gemeindeleben Digital Entdecken" starten. Wir haben vorhandene Tools wie unsere Website und ChurchTools kombiniert, um niederschwellig (ohne vollwertige Social Media Arbeit) zeitnah in Form von Bildern mit knappen Texten von den vielfältigen Angeboten unserer Gruppen zu berichten, die zum Teil kaum oder gar nicht bekannt waren, da jeder nur in seinen Kreisen aktiv ist.
Wie ist die Resonanz, die Sie erfahren?
Benedict Stein: Wie üblich gibt es immer einen Teil der Leute die meinen: Wofür denn sowas und braucht es den ganzen digitalen Kram überhaupt? Aber wir haben von Anfang an auch einen weniger digitalen Teil der Gemeinde mitgedacht und publizieren zum Beispiel ein Mosaik der Bilder auch im gedruckten Gemeindebrief.
Ein besonderes Highlight war für mich, dass wir gleichzeitig in eine herausfordernde Vakatur gelaufen sind und so nicht nur unseren Kirchenmitgliedern von vielfältigen Aktionen und Angeboten berichten konnten, sondern die Inhalte eben auch potenziellen Bewerbern zur Verfügung standen. - Spoileralarm - Und jetzt bekommen wir im September einen hoch motivierten Nachfolger. Dieser hat eben auch genau diese Inhalte gesehen – zugegeben, das war sicher nicht der Grund für die Bewerbung / Besetzung, aber es hat ihm geholfen, sich ein Bild zu machen.
An welchen Stellen der kirchlichen Arbeit bringen Sie sich als Digicoach ein?
Benedict Stein: In meiner Heimatgemeinde bringe ich das Wissen und Ideen gerne als Inspiration ein. Ziel ist es nicht, selbst alles zu verändern oder umzusetzen, sondern den Zuständigen Mittel und Wege an die Hand zu geben, die genutzt werden können (aber nicht zwingend gesetzt sind) und diese mitzugestalten.
Überregional erfolgt ein Austausch auch mit Nachbargemeinden z.B. im Bezirk. Gemeinsam werden Erfahrungen und Ideen ausgetauscht, die uns das Leben einfacher machen. Das erlaubt wieder mehr Fokus auf Kernthemen der Gemeindearbeit statt Aufwand auf Organisatorisches zu verwenden.
Außerdem gibt es landeskirchenweit eine Möglichkeit, Anfragen an die Coaches zu stellen - das ist nicht nur spannend, sondern hilft auch, die richtigen Erfahrungen und Orte zu kombinieren. Mehr Infos dazu unter https://www.elk-wue.de/gesellschaft/digitalisierung-in-der-landeskirche/die-digitale-mustergemeinde oder Anfragen direkt über https://forms.office.com/e/nhZGjASGsJ
Wem würden Sie nach Ihren Erfahrung die Fortbildung empfehlen?
Benedict Stein: Alle, die aktiv die Digitalisierung in ihrer Kirchengemeinde mitgestalten wollen, egal ob mit oder ohne IT Erfahrung. Wichtig ist, offen für Neues zu sein. Einblick in Prozesse und Abläufe zu bekommen und diese mitgestalten zu können, ist natürlich ein absolutes Plus.
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