Dr. Albrecht Haizmann, der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Baden-Württemberg (ACK-BW), geht zum 1. August in den Ruhestand. Fast zwei Jahrzehnte lang hat er die ACK-Geschäftsstelle in Stuttgart geleitet, alle Tätigkeiten der ACK-BW koordiniert und im ganzen Bundesland ökumenische Zusammenarbeit auf den Weg gebracht. Die Klärung der Nachfolge ist noch nicht abgeschlossen.
Der 66jährige Haizmann ist promovierter Theologe und Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg sowie Privatdozent an der Evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen.
Acht der heute sechsundzwanzig Mitgliedskirchen der ACK-BW kamen in seiner Zeit dazu. Etwa dreißig der gegenwärtig hundert Orts-ACKs in Baden-Württemberg wurden in diesem Zeitraum gegründet – nach den Grundregeln der ACK: „Wenn wir unsere Augen weit genug öffnen, sehen wir, dass wir mehr als zwei Kirchen sind. Und wenn wir mehr als zwei Gemeinden sind, können wir eine lokale ACK gründen“.
Eine breite ökumenische Zusammenarbeit sei nur auf einer klar umrissenen und zugespitzten Grundlage möglich, so Haizmann. Die Basis-Formel des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) besage schlicht, „dass wir an Jesus Christus als Heiland der Welt und Herr der Kirche glauben – und seiner Berufung zu folgen trachten, zur Ehre Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wenn wir uns dazu bekennen, wird unsere Beziehung zu den anderen Glaubenden bestimmt durch die Beziehung zu Christus.“ Geistliche und theologische Grundlegung seien die Basis ökumenischer Zusammenarbeit: „Gemeinsames Hören auf Gottes Wort und gemeinsames Beten sind ihr Zentrum – und der Quellort, zu dem sie immer wieder zurückkehrt.“
Besonders froh sei er, so Haizmann, „dass die ACK-BW wesentlich an der Einführung und Etablierung des Ökumenischen Tags der Schöpfung in Deutschland mitgewirkt hat“. Schon um die Jahrtausendwende habe es in Baden-Württemberg Schöpfungstage gegeben, seit 2011 habe die ACK-BW regelmäßig auf allen (Landes-)Gartenschauen Ökumenische Schöpfungstage veranstaltet: „Und das hat im ganzen Bundesland Nachahmung gefunden.“
Stolz sei er auch darauf, dass er in Zusammenarbeit mit der ACK Deutschland wesentlich an der Einführung eines einheitlichen bundesweiten Erscheinungsbildes (Corporate Identity) und gemeinsamen Logos mitgewirkt habe.
Haizmann betont, er sei glücklich darüber, dass er am Prozess der Annäherung der Neuapostolischen Kirche an die Ökumene aktiv beteiligt gewesen sei, die Schritt für Schritt zur Aufnahme in die ACK auf allen Ebenen und in sämtlichen Regionen geführt hat – und seither den Beteiligten beglückende ökumenische Erfahrungen beschert habe: „Der Weg der Neuapostolischen Kirche zur Ökumene hin und der Prozess ihrer Aufnahme in die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, bei dem die ACK in Baden-Württemberg eine wesentliche Rolle spielte, ist ein überzeugendes Beispiel dafür, dass durch die Aufnahme von Kontakt und den Aufbau von Beziehungen eine gegenseitige Öffnung und Anerkennung vollzogen werden kann, die ökumenische Zusammenarbeit möglich macht und stärkt“, sag Haizmann.
Schließlich freut sich Haizmann, dass es in den letzten Jahren gelungen sei, aus verschiedenen Mitgliedskirchen eine Gruppe von „Jungen ACKtiven“ zu gewinnen, die an allen Aktivitäten der ACK-BW teilnehmen und sie enorm bereicherten.: „Wo die Jungen nicht nur als Zukunft der Ökumene betrachtet, sondern als ihre Gegenwart erlebt werden, da spürt man, dass die Ökumene wirklich Zukunft hat“.
Haizmann betont, er danke „den Delegierten und Kommissionsmitgliedern für viele Jahre der vertrauensvollen und fruchtbaren Zusammenarbeit. Die ökumenische Arbeit – an so vielen verschiedenen Themen – in der ACK-BW habe ihn gleichermaßen gefordert und gefördert, also im besten Sinn erbaut.“ Der Rückblick erfülle ihn mit großer Dankbarkeit für diese inhaltliche Arbeitsgemeinschaft und die persönlichen Weggemeinschaften.
In der Zeit unter Haizmanns Führung wurden von der ACK-BW auch große Themen und Ereignisse ökumenisch begangen und begleitet: Das Reformationsjubiläum, das Täufer-Gedenken, Ökumenische Kirchentage, der Katholikentag in Stuttgart, die ÖRK-Vollversammlung in Karlsruhe. Unvergesslich blieben „die ökumenischen Studienreisen der ACK-BW ins Heilige Land, nach Genf, Rom, Istanbul, Armenien und Kreta“, so Haizmann.
Angesichts wachsender Spaltungen und Differenzen nicht nur zwischen Menschen und Gruppen in unserer Gesellschaft, sondern auch zwischen Nationen oder Staaten in Europa und den Supermächten weltweit werde die Frage der Zusammenarbeit über Spannungen und Trennungen hinweg immer dringlicher, betont Haizmann. Das gelte „gleichermaßen nicht nur für den Dialog zwischen den - durch Migration immer stärker aufeinander treffenden - Kulturen und Religionsgemeinschaften, sondern auch für die Ökumene zwischen Christen und Kirchen unterschiedlichster Prägung“. Zusammenarbeit sei „die einzige Möglichkeit, über gegenseitige Entfremdungen und Ressentiments hinauszukommen und die wirklichen - sozialen, politischen und globalen - Probleme gemeinsam anzupacken.“
Der Soziologe Richard Sennett definiere Kooperation „als handwerkliche Kunst", sagt Haizmann. Sie „erfordert die Fähigkeit, einander zu verstehen und aufeinander zu reagieren, um gemeinsames Handeln zu ermöglichen". Um auf diese Weise „einfühlsam mit anderen zusammenzuarbeiten", brauche es „Empfänglichkeit gegenüber anderen, etwa die Fähigkeit, im Gespräch zuhören zu können", zitiert Haizmann Sennett. So verstanden sei Kooperation mit Sennett gesprochen ein „Austausch, von dem alle Beteiligten profitieren [...] um etwas zu schaffen, das sie allein nicht schaffen könnten".
Arbeitsgemeinschaft wurzele in praktischer Zusammenarbeit an der Basis und schaffe zugleich eine Basis für weitere Zusammenarbeit. Praktische Zusammenarbeit bleibe stets auch „Arbeit an der Zusammenarbeit. Sie zu ermöglichen, zu stärken, zu pflegen – ist selbst Teil der Zusammenarbeit.“ Umgekehrt trage praktizierte Zusammenarbeit stets zu ihrer eigenen Stärkung und Zukunftsfähigkeit bei.
Diese Art der Arbeitsgemeinschaft habe ihre Stärke darin, dass sie, nach dem fragend, „was wir gemeinsam tun können“, beim jetzt schon praktisch Umsetzbaren an-setze, ohne dabei den weiten Horizont ihrer hohen Berufung aus den Augen zu verlieren - aber auch ohne einer lähmenden Utopie oder der Frustration anheimzufallen. Dass sich dabei „in den letzten Jahren die Begründungspflicht umgekehrt habe, sei ein weiterer Beweis für die Stärke dieses Ansatzes. Heute gilt ökumenisch: Nicht, wenn wir etwas gemeinsam tun, bedarf dies einer Begründung, sondern, wenn wir es nicht gemeinsam tun.“
Zusammenarbeit müsse geboten, gestärkt und gefördert werden, weil auch das Gegenteil von Kooperation eine leider sehr weit verbreitete Realität ist: Konfessionalismus und Konkurrenz. „Wir sind und bleiben immer auf dem Weg der Versöhnung ‚Vom Konflikt zur Gemeinschaft‘“.
Konfessionalismus werde spätestens da „zum Problem, wo die eigene vertraute Religiosität oder Kirchlichkeit zur Fluchtburg oder zum Angriffsposten gegen Andersgläubige und letztlich zum Herrschaftsanspruch aufgerüstet wird.“
Angesichts aller Schwächungen und Hindernisse sei - und bleibe - Zusammenarbeit also stets Arbeit an der Zusammenarbeit: an ihrer Stärkung, Förderung und Gestaltung.
Auf der Grundlage der gemeinsamen Berufung, inneren Verbundenheit und gegenseitigen Verpflichtung können die Kirchen miteinander dann auch nach außen tätig und wirksam werden in einem glaubwürdigen Zeugnis für Christus und Dienst an der Welt.
Albrecht Haizmanns offizielle Verabschiedung findet im Rahmen der ACK-Jahrestagung im Oktober 2026 in Stuttgart-Hohenheim statt.
Über die ACK Baden-Württemberg
Seit 2022 ist die ACK-BW ein gemeinnütziger eingetragener Verein. 2023 feierte sie ihr 50-jähriges Bestehen. Als einzige regionale ACK hat die ACK-BW nicht nur eine Mitgliederversammlung und einen Vorstand, sondern auch vier ständige Kommissionen und vier Fachgruppen. Sie tagen regelmäßig, greifen wichtige Fragen oder aktuelle Probleme auf und behandeln sie in multilateraler, ökumenischer Zusammenarbeit. So können sie Veranstaltungen vorbereiten oder Publikationen erarbeiten zu Themen, die für alle Mitgliedskirchen wichtig sind.
In den letzten zwanzig Jahren erschienen mehr als dreißig ökumenische Handreichungen, Orientierungshilfen und Stellungnahmen. Außerdem in Millionen-Auflage jährlich das beliebte Ökumenische Hausgebet im Advent. Zu den Bestsellern gehören die mehrfach aktualisierte Broschüre „Krankheit, Leiden, Sterben, Tod“ und das 2016 neu aufgelegte „Ökumenische Liederbuch zur Bestattung.
Ein besonderer Schwerpunkt der ökumenischen Arbeit in Baden-Württemberg ist der Gesprächsprozess mit den neuen christlichen Bewegungen, jungen Kirchen und unabhängigen Gemeinden, der seit vielen Jahren in Gestalt eines jährlichen Ökumenischen Forums in Bad Urach vorangetrieben wird und 2025 eine bedeutende Publikation hervorbrachte.
Ebenfalls einmalig ist das Christlich-Muslimische Theologische Gesprächsforum, das seit 15 Jahren zweimal jährlich abwechselnd in christlicher und muslimischer Gastgeberschaft stattfindet – und aus dem 2016 ein „Gemeinsames Wort zum Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit“ hervorging.
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