Die württembergische Landessynode befasste sich am ersten Tag ihrer Sommertagung ebenso mit gesellschaftlichen und politischen Fragen wie mit der Entwicklung des Pfarrdienstes, der Finanzsituation der Landeskirche und der Lage der Religionspädagoginnen und -pädagogen an den Schulen.

Grußwort von Thomas Strobl, Präsident des baden-württembergischen Landtags
Thomas Strobl, Präsident des baden-württembergischen Landtags, betonte in seinem Grußwort, es brauche „starke Kirchen im Land“ angesichts der Herausforderungen, die Politik und Kirchen teilten: sinkende Zustimmungswerte und das Erstarken extremistischer und antidemokratischer Kräfte. Strobl erinnerte daran, dass der Staat von Voraussetzungen lebe, die er nicht selbst schaffen könne. Die Freiheiten des freiheitlichen, demokratischen Staates, die erst durch die Trennung von Staat und Glaube möglich geworden seien, brauchten „eine moralische Substanz“, zu der Kirche und Glaube erheblich beitrügen. Strobl erinnerte daran, das Grundgesetz der Bundesrepublik und die baden-württembergische Landesverfassung ließen ihre christlichen Wurzeln klar erkennen. Die Kirchen seien eine „unersetzliche Stimme“ für die Demokratie und leisteten einen „unschätzbar wertvollen Beitrag“ zum demokratischen Ethos. Gerade die „digitale Zukunft“ brauche ethische Orientierung.
Grußwort von Dagmar Pruin, Präsidentin von Brot für die Welt
Dr. Dagmar Pruin, Präsidentin von Brot für die Welt, wies darauf hin, dass die Zahl der Hungernden wachse, obwohl das Problem des Hungers lösbar sei. Es seien genug für alle da, die Ernährung der Weltbevölkerung stecke aber in eine Verteilungs- und Gerechtigkeitskrise, die zudem durch den Klimawandel angetrieben werde.
Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl warb in seiner Analyse der aktuellen Lage der Gesellschaft und Kirche für mehr Gestaltungsspielräume, eine stärkere Rolle der Kirche in Demokratie- und Ethikdebatten sowie für die enge Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen. Zudem betonte er die Verantwortung der Kirche für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, den Schutz von Geflüchteten und einen differenzierten Umgang mit dem Nahost-Konflikt und befasste sich auch mit Fragen zur Künstlichen Intelligenz.
Vorstellung der Anerkennungskommission Württemberg
Die Beauftragte für Chancengleichheit, Ursula Kress, stellte die Aufgaben der Anerkennungskommission vor, die im Januar 2026 ihre Arbeit aufgenommen hat. Mitglieder der Kommission sind Thomas Dörr, Präsident des Landgerichts a.D., Prof. Dr. phil. habil. Birgit Meyer und Dipl.-Psych. Stephen Church. Geschäftsführerin der Anerkennungskommission ist Selina Gogel.
Personalstrukturplanung Pfarrdienst
Mit dem Werkzeug der Personalstrukturplanung Pfarrdienst plant die Landeskirche die zahlenmäßige und strukturelle Entwicklung der Pfarrerschaft und trifft damit Prognosen für die Zukunft. Die Landessynode diskutierte die aktuellen Prognosen vor Allem im Hinblick auf die Welle der kommenden Zurruhesetzungen und den Ausbau bereits bestehender alternativer Zugänge zum Pfarrdienst jenseits des klassischen grundständigen Theologiestudiums. Trotz enormer künftiger Herausforderungen gehöre die württembergische Landeskirche tendenziell zu den Gewinnern innerhalb der Fluktuationsvorgänge, da sie offensichtlich für Pfarrpersonen attraktiv erscheine.
Personalstrukturplanung Religionspädagoginnen und -pädagogen
In den letzten Jahren sei die Versorgung durch Pfarrpersonen im Religionsunterricht zunehmend zurückgegangen und die Versorgung durch Religionspädagoginnen und -pädagogen im Verhältnis dazu angestiegen. Da mit Eintritt in den Ruhestand die Stellen wegfielen, sei es umso wichtiger und richtig gewesen, dass die Einstellungszahlen stetig erhöht worden seien. Auch in finanziell heraufordernden Zeiten wolle die Landeskirche an den Schulen präsent bleiben und damit sowohl einen Dienst an der Gesellschaft tun als auch den kirchlichen Auftrag erfüllen.
Eckwerte zur mittelfristigen Finanzplanung
Oberkirchenrat Dr. Fabian Peters stellte die Eckwerte zur mittelfristigen Finanzplanung 2026 bis 2030 vor und berichtete über die erwarteten finanziellen Rahmenbedingungen der Landeskirche, der Kirchenbezirke und -gemeinden in den kommenden Jahren. Die wirtschaftliche Entwicklung Lage sei anspruchsvoll, aber planbar: Die Kirchensteuer entwickle sich schwächer als erwartet und die Versorgungsverpflichtungen seien erheblich. Zudem müsse die Finanzlage vieler Kirchengemeinden in den Blick genommen werden, da vielerorts die Aufwendungen die Erträge übersteigen und die Ausgleichsrücklage stetig schrumpfe.
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