Die Evangelische Akademie Bad Boll als Verständigungsort

“Zum gemeinsamen Leben gehört auch das gemeinsame Ringen.”

Die Evangelische Akademie Bad Boll versteht sich schon immer als Ort der Begegnung und Verständigung. Im Interview erzählen Direktor Dr. Dietmar Merz und Dr. Carola Hausotter, Studienleiterin für Friedensethik und Transkulturalität, wie dieses Selbstverständnis in der Praxis umgesetzt wird.

Direktor Dr. Dietmar Merz (rechts) und Studienleiterin Dr. Carola Hausotter (links)
Direktor Dr. Dietmar Merz (rechts) und Studienleiterin Dr. Carola Hausotter (links)

Warum ist die Evangelische Akademie Bad Boll ein Verständigungsort?

Dr. Dietmar Merz und Dr. Carola Hausotter: Die Evangelischen Akademien sind seit Ihrer Gründung ein Gesamtprojekt, das auf Verständigung zielt. Aus der Nazi-Diktatur kommend ging es darum, wieder Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt herzustellen und einzuüben. Die Evangelische Akademie Bad Boll versteht sich von daher immer schon als Ort der Begegnung und Verständigung. Als ein Forum, wo unterschiedliche Sichtweisen zu einem Thema zusammenkommen und erörtert werden.

Wieso ist es Ihnen als Akademie wichtig, einen #VerständigungsOrt anzubieten?

Merz / Hausotter: Wir beobachten eine zunehmende Aufsplitterung der Gesellschaft in einzelne Segmente. Vor allem in den sozialen Medien bewegen sich Menschen oft nur noch in Bubbles von Gleichgesinnten. Man kann heute leicht den Kontakt zu Andersdenkenden vermeiden. Zum gemeinsamen Leben gehört aber auch das gemeinsame Ringen. Im Privaten gelingt Zusammensein nur, wenn es eine gute Streit-kultur gibt und die Möglichkeit, Konflikte konstruktiv auszutragen und gemeinsame Lösungen und Wege zu finden. Nichts anderes braucht der gesellschaftliche Zusammenhalt in einer immer pluraler werdenden Welt.

#VerständigungsOrte

Kirche und Diakonie setzen sich angesichts von Krisen, Polarisierung und Populismus für mehr Verständigung ein. Die Initiative #VerständigungsOrte – Wir. Reden. Hier. der EKD, der Diakonie Deutschland und der "midi – Zukunftswerkstatt von Kirche und Diakonie" ermutigt alle Gemeinden und Einrichtungen von Kirche und Diakonie dazu, Räume für Gespräche zu öffnen und Menschen mit unterschiedlichen Ansichten zum Austausch einzuladen.

Kam es auch tatsächlich zu Kontroversen, die man für alle Beteiligten konstruktiv bearbeiten konnte? Kommt es zu Verständigung? Was verstehen sie konkret unter Verständigung?

Merz / Hausotter: Es gehört zur DNA unserer Akademiearbeit, Themen differenziert und aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und Menschen zusammenzubringen, die einen respektvollen Dialog miteinander führen – auch wenn die Themen schwierig und die Positionen unterschiedlich sind.

Ein Beispiel sind die friedensethischen Tagungen der Akademie zum Krieg in der Ukraine. Als Russland seinen völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Ukraine begann, setzte bundesweit und in der evangelischen Kirche eine Debatte rund um die Frage der Waffenlieferungen an die Ukraine ein. Die evangelischen Akademien in Deutschland schlossen sich zusammen und bieten bis heute in Online-Formaten einen intensiven Austausch zu friedensethischen Fragen an, in dem Referierende zu Wort kommen, die das Pro und Contra repräsentieren. Im Herbst dieses Jahres wird auf der EKD-Synode die neue Denkschrift der Evangelischen Kirche präsentiert. Sie entstand im Rahmen einer Friedenswerkstatt und einem intensiven Erarbeitungsprozess. Die konträren Meinungen stießen in Tagungen auch bei uns in der Evangelischen Akademie Bad Boll aufeinander und trotz aller Meinungsverschiedenheiten geschah all dies in einer Atmosphäre des gegenseitigen Respekts und Austausches. Das Resultat dieser Diskussionen floss in einem Verständigungsprozess in die neue Friedensdenkschrift ein.

Haben Sie praktische Tipps, wie man – auch aus christlicher Haltung heraus – angesichts von Krisen, Polarisierung und Populismus wieder ins Gespräch kommen kann?

Merz / Hausotter: Zu jeder Kommunikation gehört eine Haltung. Will ich den anderen verstehen oder will ich nur Recht behalten und mich durchsetzen? Fulbert Steffensky formulierte einmal, dass Glauben heißt, aufhören können, siegen zu müssen. Christlicher Glaube kann uns gelassener auch schwierige Diskurse angehen lassen, weil wir um unsere Identität wissen und diese nicht erkämpfen müssen. Das können wir als Haltung an unseren Orten der Verständigung einbringen. Unsere Grundannahmen, unser Menschenbild, unsere Zukunftshoffnung wird in unserem Reden und Zuhören eine Rolle spielen.

Was würden Sie anderen empfehlen, die auch Verständigungsorte anbieten möchten?

Merz / Hausotter: Es ist wahrscheinlich nicht schwer, Themen zu finden, die Verständigung brauchen. Vielleicht ist es aber schwer, diese angemessen zu bearbeiten. Das Kennzeichen von Extremismus ist die maximale Vereinfachung bei maximaler Empörung. Das Angebot der Verständigungsorte hält Versachlichung dagegen und kann damit leben, dass es manchmal keine schnellen Antworten und Lösungen gibt. Das Ziel von Verständigungsorten sollte nicht die Skandalisierung sein, sondern der ernste Austausch darüber, wie eine gute Zukunft und ein gutes Miteinander aussehen könnten.

#VerständigungsOrt Evangelische Akademie Bad Boll

#VerständigungsOrte in der württembergischen Landeskirche

#VerständigungsOrt: Internationales Frühstück in Neugereut

Mit dem Internationalen Frühstück gibt es jeden Monat in Neugereut einen Ort zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt Pfarrerin Dorothee Niethammer-Schwegler, über welche Themen gesprochen wird, warum immer mehr Kinder teilnehmen und für was gemeinsam gespendet wird.

Weiterlesen #VerständigungsOrt: Internationales Frühstück in Neugereut

#VerständigungsOrt: "Hallo Nachbarn" in Reutlingen

Mit dem Quartiersprojekt "Hallo Nachbarn" gibt es im Stadtteil Hinterer Ringelsbach in Reutlingen einen Ort zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt der Koordinator Dr. med. Gernot Bohnenberger, bei welchen Gelegenheiten sich die Menschen im Quartier begegnen, miteinander austauschen und vernetzen, aber auch ihre Kompetenzen erweitern können.

Weiterlesen #VerständigungsOrt: "Hallo Nachbarn" in Reutlingen

#VerständigungsOrt: "Plattform lebenswert" in Reutlingen

Mit der Plattform "lebenswert" gibt es in Reutlingen einen Ort zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt die Koordinatorin Mimi Böckmann, auf welche Weise die Menschen im Quartier soziales Engagement vor Ort erfahren und bei welcher Gelegenheit sie sich auch mit politischen Themen kontrovers auseinandersetzen können.

Weiterlesen #VerständigungsOrt: "Plattform lebenswert" in Reutlingen

#VerständigungsOrte: Das Gesprächsformat "Sprechen und Zuhören" in Reutlingen

Mit dem Gesprächsformat „Sprechen und Zuhören“ gibt es in Reutlingen einen Ort zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt der Geschäftsführer des Diakonieverbands Reutlingen, Pfarrer Dr. Joachim Rückle, wie dabei Themen wie Nächsten- bzw. Fremdenliebe diskutiert werden.

Weiterlesen #VerständigungsOrte: Das Gesprächsformat "Sprechen und Zuhören" in Reutlingen

#VerständigungsOrte: „Hoffnungshäuser der Hoffnungsträger Stiftung Leonberg"

Mit den Hoffnungshäusern gibt es an zehn Standorten in Baden-Württemberg Orte zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt Agnes Hoffmeister, wie unterschiedlich die Menschen sind, die in dem integrativen Wohnkonzept miteinander leben, wie konkret Zusammenhalt und Vertrauen vor Ort gestärkt werden und welche Rolle die Nächstenliebe spielt.

Weiterlesen #VerständigungsOrte: „Hoffnungshäuser der Hoffnungsträger Stiftung Leonberg"

#VerständigungsOrt: „Begegnungstreff Blaubeuren"

Mit dem Begegnungstreff gibt es im Diakonieladen in Blaubeuren einen Ort zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt Christine Klass davon, wie vielfältig das Veranstaltungsangebot dort ist, welche Personengruppen sich engagieren und wie wichtig Wertschätzung für Verständigung ist.

Weiterlesen #VerständigungsOrt: „Begegnungstreff Blaubeuren"

„Metamorphosen - zwei verknüpfende Wochen“: Ein #VerständigungsOrt in Bad Cannstatt

Mit der Veranstaltungsreihe „Metamorphosen – zwei verknüpfende Wochen“ gab es in der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Bad Cannstatt einen Ort zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt der geschäftsführende Pfarrer Alexander Stölzle, was das Metamorphosen-Projekt auszeichnet und was unter der eigenen unabwendbaren Wandelbarkeit zu verstehen ist.

Weiterlesen „Metamorphosen - zwei verknüpfende Wochen“: Ein #VerständigungsOrt in Bad Cannstatt

„Lebendige Bibliothek“: Ein #VerständigungsOrt in Rottweil

Mit dem Gesprächsformat „Lebendige Bibliothek“ schafft die Evangelische Erwachsenenbildung SüdwestWürttemberg einen Ort zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt Geschäftsführerin Dr. Janina Niefer, was unter lebendigen Büchern zu verstehen ist und inwiefern Teilnehmende mit ihrer Hilfe über den eigenen Tellerrand hinausblicken können.

Weiterlesen „Lebendige Bibliothek“: Ein #VerständigungsOrt in Rottweil

#VerständigungsOrt in Calw: "Als Christen haben wir auch eine Verantwortung für ein gutes Miteinander"

Mit dem Debattenformat „Standpunkte im Gespräch“ schafft das Ev. Bildungswerk nördlicher Schwarzwald Orte zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt Geschäftsführer Tobias Götz, was die Veranstaltung auszeichnet und welche Themen kontroverse Diskussionen auslösten.

Weiterlesen #VerständigungsOrt in Calw: "Als Christen haben wir auch eine Verantwortung für ein gutes Miteinander"

#VerständigungsOrt in Bad Boll: "Christlicher Glaube kann uns gelassener auch schwierige Diskurse angehen lassen"

Die Evangelische Akademie Bad Boll versteht sich schon immer als Ort der Begegnung und Verständigung. Im Interview erzählen Direktor Dr. Dietmar Merz und Studienleiterin Dr. Carola Hausotter, wie dieses Selbstverständnis in der Praxis umgesetzt wird.

Weiterlesen #VerständigungsOrt in Bad Boll: "Christlicher Glaube kann uns gelassener auch schwierige Diskurse angehen lassen"

#VerständigungsOrt in Esslingen: „Unser Maßstab für Verständigung ist die christliche Botschaft“

Dreimal im Jahr verwickeln Pfarrer Christoph Schweizer und sein Team im Esslinger Stadtteil Hohenkreuz Menschen ins Gespräch „über Gott und die Welt“.

Weiterlesen #VerständigungsOrt in Esslingen: „Unser Maßstab für Verständigung ist die christliche Botschaft“

#VerständigungsOrt in Ludwigsburg: „Wie heute streiten?“

Das Dialogforum der Ludwigsburger Friedenskirche gehört zur Initiative #VerständigungsOrte. Fast 200 Menschen kamen im April zusammen unter dem Motto „Ist das Boot voll? Ludwigsburg und seine Flüchtlinge“, um miteinander zu diskutieren. Hier berichtet Pfarrer Dr. Martin Wendte über Erfahrungen.

Weiterlesen #VerständigungsOrt in Ludwigsburg: „Wie heute streiten?“

#VerständigungsOrt in Tübingen: „Wie heute streiten?“

„Wie heute streiten?“ - dieser Frage widmet sich die Gesprächsreihe "Verständigungsorte der Demokratie" der Eberhardsgemeinde Tübingen in Kooperation mit dem Landestheater. Pfarrer Dr. Martin Böger berichtet im Interview über die Erfahrungen mit einem Raum für pointierte, ehrliche und wertschätzende Diskussionen.

Weiterlesen #VerständigungsOrt in Tübingen: „Wie heute streiten?“

  • Hinweis für Kirchengemeinden

    Kirchengemeinden sind herzlich eingeladen, Texte wie diesen von www.elk-wue.de in ihren eigenen Publikationen zu verwenden, zum Beispiel in Gemeindebriefen. Sollten Sie dabei auch die zugehörigen Bilder nutzen wollen, bitten wir Sie, per Mail an kontaktdontospamme@gowaway.elk-wue.de nachzufragen, ob die Nutzungsrechte für den jeweiligen Zweck vorliegen. Gerne können Sie alle Bilder nutzen, die Sie im Pressebereich unserer Webseite finden. Sie möchten in Ihrem Schaukasten auf unsere Webseite verlinken? Hier erfahren Sie, wie Sie dafür einen QR-Code erstellen können. 

    Schon gewusst?

    Was es mit der Kirchensteuer auf sich hat, wie sie bemessen wird und welche positiven Effekte die Kirchen mit der Kirchensteuer an vielen Stellen des gesellschaftlichen Lebens erzielen, erfahren Sie auf www.kirchensteuer-wirkt.de.

    Grafik Kirchensteuer wirkt Bildung

    Weitere Meldungen, die Sie interessieren könnten

    Interview: Wie Friedhöfe Räume für Begegnung werden können

    Friedhofscafés können Raum für Begegnung, Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung schaffen. Im Interview erklärt Jürgen Jakob Kehrer warum Friedhöfe weit mehr sind als Orte des Abschieds, und wie Gemeinden mit einfachen Mitteln ein Friedhofscafé aufbauen können.

    Weiterlesen

    „Der Pfarrberuf ist nach wie vor attraktiv“

    Am 1. September haben 33 Vikarinnen und Vikare in der württembergischen Landeskirche ihre praktische Ausbildung im Vikariat begonnen (24 Frauen und neun Männer). Sie freuen sich nun nach dem Studium auf den praktischen Teil ihres Wegs in den Pfarrberuf, den sie in den Gemeinden der Landeskirche absolvieren werden.

    Weiterlesen

    Bildungsdezernentin Carmen Rivuzumwami im Interview

    Welche Rolle spielt der konfessionelle Religionsunterricht in einer zunehmend säkularen und multireligiösen Gesellschaft? Wie hilft er den Kindern und Jugendlichen? Über diese und andere Fragen spricht Oberkirchenrätin Carmen Rivuzumwami im Interview. Sie leitet das Dezernat für Schule, Bildung und Diakonat der württembergischen Landeskirche.

    Weiterlesen

    mitsingen.de: Neue Webseite rund ums Kirchenlied

    mitsingen.de ist eine neue digitale Plattform der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für alle, die gern singen und andere fürs Singen begeistern möchten. Hier kann man Lieder des neuen Evangelischen Gesangbuchs entdecken, sich von Musikvideos und Podcasts inspirieren lassen und praktische Materialien herunterladen.

    Weiterlesen

    Kita-Praxisbuch: Kultur, Werte, Religion

    „Kultur, Werte, Religion – Praxisbausteine zur Umsetzung des Orientierungsplans“: Unter diesem Titel veröffentlichen die vier großen Kirchen in Baden-Württemberg ein Praxisbuch zur Umsetzung des für alle Kindertageseinrichtungen in Baden-Württemberg geltenden Bildungsplans.

    Weiterlesen

    Zum Welttag der Suizidprävention

    Viele Jugendliche sind psychisch belastet, manche von ihnen stark, bis hin zu Suizidgedanken. Die Kirchengemeinde Beuren arbeitet regelmäßig im Konfi-Unterricht mit einem Präventionsprojekt des AKL (Arbeitskreis Leben) Nürtingen-Kirchheim zusammen.

    Weiterlesen

    Farbschwäche:

    Benutzen Sie die Schieberegler oder die Checkboxen um Farbeinstellungen zu regulieren

    Einstellungen für Farbschwäche

    Schrift:

    Hier können die Schriftgröße und der Zeilenabstand eingestellt werden

    Einstellungen für Schrift

    Schriftgröße
    D
    1
    U

    Zeilenabstand
    Q
    1
    W
    Tastenkombinationen:

    Mit den aufgeführten Tastenkombinationen können Seitenbereiche direkt angesprungen werden. Verwenden Sie auch die Tabulator-Taste oder die Pfeiltasten um in der Seite zu navigieren.

    Inhalt Tastenkombinationen

    Hauptnavigation: M
    Toolbar Menü: T
    Inhalt: C
    Footer: F
    Barrierefreiheit: A
    Hauptnavigation: M
    Toolbar Menü: T
    Inhalt: C
    Footer: F
    Schriftgröße +: U
    Schriftgröße -: D
    Zeilenabstand +: W
    Zeilenabstand -: Q
    Nachtmodus : Alt (Mac Option Key) + J
    Ohne Bilder: Alt (Mac Option Key) + K
    Fokus: Alt (Mac Option Key) + G
    Tasten­kombinationen: Alt (Mac Option Key) + O
    Tastensteuerung aktivieren: Alt (Mac Option Key) + V
    Alles zurücksetzen: Alt (Mac Option Key) + Y