| Ökumene

Sprachfähigkeit als Schritt zum Frieden

Gesprächsleitfaden anlässlich des Weltgebetstags 2024 gibt Hilfestellung

Das Thema „Israel und Palästina“ ist konfliktträchtig – anlässlich des Weltgebetstags 2024 hat das Ökumenische Forum Christlicher Frauen in Europa, Bereich Deutschland e.V., einen Leitfaden entwickelt. Dieser hilft dabei, Gespräche zu diesem oder auch anderen Themen friedlich und respektvoll zu führen. Marion Sailer-Spies, Referentin Weltgebetstag/Ökumene/Internationales bei den Evangelischen Frauen in Württemberg (EFW) erklärt, worum es dabei geht.

Konflikthafte Gespräche lassen sich leichter führen, wenn man dabei bestimmte Grundregeln beachtet. Bild: WOKANDAPIX/Pixabay

Wofür gibt es den Gesprächsleitfaden?
Marion Sailer-Spies: Der Leitfadensoll dazu dienen, Gespräche zu moderieren und zu führen, in denen es um das konfliktträchtige Thema „Israel und Palästina“ geht. Das können Gruppen verschiedener Größe sein, aber auch Gespräche zu zweit. Die Grundsätze des Gesprächsformats kann man aber auch für andere konflikthafte Themen verwenden. Sprachfähigkeit ist immer ein wichtiger Schritt zum Frieden.

Marion Sailer-Spies, Referentin Weltgebetstag/Ökumene/Internationales bei den Evangelischen Frauen in Württemberg (EFW)Bild: EFW/Uta Rometsch

Was ist das Besondere an dieser Art, Gespräche mit unterschiedlichen Positionen zu führen?

Marion Sailer-Spies: Grundsätzlich steht das Erzählen der eigenen Geschichte zum Thema, das Storytelling, und die eigenen Gefühle dazu im Fokus. Ziel ist nicht, sich zu einigen, eine gemeinsame Haltung zu finden. Vielmehr geht es darum, zuzuhören, in den respektvollen Austausch zu gelangen, und die andere Meinung stehen zu lassen. 

Welches sind die wichtigsten Schritte oder Elemente?

Marion Sailer-Spies:

1. Zwei Grundregeln: Vertraulichkeit. Und während eine Person (innerhalb einer vorab festgelegten Zeit) spricht, wird sie nicht unterbrochen. 

2. Zeit zum Nachdenken und Erzählen über folgende Fragen (Storytelling):

  • Wie bin ich persönlich zum ersten Mal mit dem Thema in Berührung gekommen?
  • Was hat mein Interesse daran geweckt?
  • Welche persönlichen Erfahrungen haben meine Gefühle, Gedanken und Sichtweisen geprägt?

3. Zeit für Kommentare und Rückfragen: Mit Respekt vor dem Gesagten geäußert, es wird nicht geurteilt, weder Lob, Verwunderung, Tadel noch Kritik geäußert.

4. Kurze Reflexionsrunde (v.a. bei Gruppen):

  • Wie komme ich aus dem Gespräch heraus?
  • Kann ich mir vorstellen, dass sich aufgrund des Gesprächs etwas an meiner Haltung verändert?
  • Welche Gedanken nehme ich mit nach Hause?

Welche Erfahrungen haben Sie mit dieser Art, ein Konfliktgespräch zu moderieren, gemacht?

Marion Sailer-Spies: Ich habe gute Erfahrungen mit diesem Gesprächsformat. Bei regionalen Schulungen zum Weltgebetstag 2024 aus Palästina haben wir Gesprächsworkshops damit gehalten. Die Gespräche verliefen ruhig, friedlich, respektvoll und ermöglichten Verständnis für andere Positionen. Gleichzeitig hatten auch Emotionen ihren Raum und ließen die persönlichen Erfahrungen der jeweiligen Erzählerin spüren. In der Auswertungsrunde am Ende kamen Kommentare wie: „Ich habe Neues dazu gelernt. So habe ich das noch nie gesehen!“ oder „Die Erzählung der Anderen hat mich nachdenklich gemacht.“ Oder „Für mich war diese Vielfalt an verschiedenen Erfahrungen sehr bereichernd.“ Das Gesprächsformat ist einfach anzuwenden, auch im privaten Bereich.


Hinweis für Kirchengemeinden

Kirchengemeinden sind herzlich eingeladen, Texte wie diesen von www.elk-wue.de in ihren eigenen Publikationen zu verwenden, zum Beispiel in Gemeindebriefen. Sollten Sie dabei auch die zugehörigen Bilder nutzen wollen, bitten wir Sie, per Mail an kontakt@elk-wue.de nachzufragen, ob die Nutzungsrechte für den jeweiligen Zweck vorliegen. Gerne können Sie alle Bilder nutzen, die Sie im Pressebereich unserer Webseite finden.


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