| Geistliches

Halbzeit beim Fasten

„Verzicht zu üben, ist heilsam und manchmal sogar gesund, aber keine Pflichtübung des Glaubens.“

Evangelische Christen müssen nicht fasten, aber viele tun es trotzdem. Der Sonntag Okuli (3. März 2024) ist der dritte Sonntag der Passionszeit, sozusagen die Halbzeit beim Fasten. 

Ein geistlicher Impuls zum Sonntag Okuli von Dan Peter

Während der Fastenzeit nur Wasser zu trinken, um sich auf das elementar Nötige zu besinnen - eine von vielen Möglichkeiten des Fastens. Bild: Congerdesign / Pixabay

Es gibt tausend gute Gründe zu fasten oder auf etwas Schönes und Genussvolles für längere Zeit zu verzichten. Im kirchlichen Jahreskreislauf haben sich zwei Fastenzeiten herausgebildet, die Passionszeit und, was oftmals übersehen wird, die Adventszeit.

Doch eines sollte bewusst bleiben: Es gibt kein christliches Fastengebot. Wer fastet, tut zunächst etwas für sich selbst. Verzicht zu üben, in irgendeinem Bereich des eigenen Lebens, ist heilsam und manchmal sogar gesund, aber keine Pflichtübung des Glaubens. Jesus legt seinen Jüngern nahe, es sich nicht anmerken zu lassen, wenn sie fasten (Lukas 6,17-18). 

Ernst-Wilhelm Gohl, ab 1. August 2022 neuer Landesbischof der württembergischen Landeskirche.
Landesbischof Ernst-Wilhelm GohlBild: Thomas Rathay

„Fasten macht mir bewusst, was mir geschenkt ist“, sagt Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl.

Fasten ist eine freie Entscheidung. Insbesondere die Reformatoren haben deshalb das Fasten kritisch gesehen. Weil es oft als Leistung, als geistliche Tat verstanden wurde. Das steht im Gegensatz zur bedingungslosen und „freien“ Gnade Gottes. 

Fasten hat in der Bibel zunächst andere Gründe. Das normale Leben wird bewusst unterbrochen. Die fastende Person klinkt sich aus den alltäglichen Abläufen bis hin zum Essen aus. Essen ist lebensnotwendig, gemeinsame Mahlzeiten stärken den Zusammenhalt, die Vor- und Zubereitung von Essen haben früher einen erheblichen Zeitanteil des Tagesablaufs ausgemacht, Essen war normalerweise mit Kleidung und Unterkunft auch der größte Kostenfaktor.

Wer aber eine persönliche Krise, einen großen Verlust oder eine Bedrohung erlebt hat, der hat gefastet, um seine Erschütterung auszudrücken. Das normale Leben kann nicht so weiterlaufen. Es geht darum, Abstand zu gewinnen, um sich neu auszurichten, vor allem auf Gott.

Wer fastet, gewinnt Zeit – auch für andere. Oder durch den Verzicht wird Geld erübrigt, das sinnvoll anders und auch für andere eingesetzt werden kann.

Fasten kann aber auch helfen, für sich etwas zu klären. Von Jesus wird berichtet, dass er vor seinem öffentlichen Wirken 40 Tage gefastet hat, sozusagen als Vorbereitung für seinen Dienst. Das erinnert an die 40 Tage, die Mose auf dem Berg Gottes ohne Nahrung verbracht hat, bis er die Tafeln mit den 10 Geboten erhielt. Bevor der Apostel Paulus und sein Begleiter Barnabas auf ihre Missionsreise geschickt wurden, hat die ganze entsendende Gemeinde gebetet und gefastet (Apostelgeschichte 13,3).

Zusammengefasst: Fasten ist keine Leistung und keine gute Tat, aber es erleichtert, Neues aufzunehmen und anzugehen. Im evangelischen Bereich wird daher eher auf Genussmittel verzichtet wie Alkohol, Kaffee, Schokolade oder Rauchwaren, um das Bewusstsein für Überfluss und Genuss zu schärfen und das Eingesparte spenden zu können. Großen Anklang finden derzeit die große Fastenaktion „7 Wochen ohne“ und auch das sogenannte Klimafasten.

Dan Peter


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Grafik: elk-wue.de

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