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Angehörige von Hamas-Geiseln treffen Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl

„Es ist etwas anderes, die Gesichter zu sehen und die Geschichten zu hören, als nur die Zahlen.“

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl und weitere Vertreterinnen und Vertreter der Landeskirche haben sich am 20. November mit drei israelischen Angehörigen von Menschen getroffen, die von der Terror-Organisation Hamas entführt worden sind. Im Gespräch gaben sie Einblick in die erschütternde Situation der Verschleppten und ihrer Angehörigen. 

v. l. n. r.: Yuval (Bruder des entführten Yagev), Ofra (eine enge Freundin der Familie) und Nufar ( Schwester des Entführten) berichteten von ihrer Situation.elk-wue.de

„Wir wissen nicht, ob sie am Leben sind. Oder unter welchen Umständen sie am Leben sind“, so beschreibt Yuval Buchshtab mit leiser Stimme auf Englisch die Situation, die er, seine Schwester Nufar Buchshtab und Ofra Raz, eine enge Freundin der Familie, seit dem 7. Oktober durchleben. An der Tür ihres Bruders Yagev Buchshtab (34) und seiner Frau Rimon Kirsht (36) im Kibbuz Nirim, nur zwei Kilometer von der Grenze zum Gazastreifen gelegen, war nach dem Überfall der Hamas „nur wenig Blut“ zu sehen. So schöpften sie schnell die Hoffnung, dass sie von der Hamas verschleppt, aber noch am Leben sein könnten. Rimon hätten sie seitdem einmal in einem Hamas-Propaganda-Video entdecken können. „Das Video konnte ich mir auch nur einmal ansehen“, beschreibt Freundin Ofra Raz mit Tränen in den Augen die Situation. Bis heute gibt es kein weiteres Lebenszeichen von Yagev und seiner Frau Rimon. 

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v. l. n. r: Florian Wahl und Michael Joukov (Mitglieder des Landtags von Baden-Württemberg), Personaldezernentin Kathrin Nothacker, Nufar Buchshtab (Schwester des Entführten), Ofra Raz(Freundin des Entführten), Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl, Yuval Buchshtab (Bruder des Entführten), Kirchenrätin Dr. Christine Keim, Dr. Uwe Gräbe, Nahost-Referent von Evangelische Mission in Solidarität (EMS)elk-wue.de

„Es sind besondere Menschen und wir müssen ihre Gesichter zeigen.“

„Wir wollen ihre Geschichte erzählen und an die Entführten erinnern. Sie sind nicht nur eine Nummer“, so Yagevs Schwester Nufar. Buchshtab Freundin Ofra Raz fügt hinzu: „Die Entführten sind Familie, Kollegen, Lehrer, Freunde – bei uns kennt jeder jeden. Wir brauchen Hilfe, um jede Geisel zurückzubekommen. Es sind besondere Menschen und wir müssen ihre Gesichter zeigen.“ Ofra Raz steht vom Tisch auf, an dem das Gespräch stattfindet, und holt ein Poster, das Yagev Buchshtab mit seiner Frau zeigt. „Bring them home now!“ steht dort in großen Buchstaben neben einem Bild, das das junge Ehepaar zeigt. Kathrin Nothacker, Personaldezernentin im Oberkirchenrat der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, sagt: „Es ist etwas anderes, die Gesichter zu sehen und die Geschichten zu hören, als nur die Zahlen zu hören. Es ist ein Alptraum, niemand hätte sich so etwas vorstellen können.“ 


Über 200 Geiseln (Stand: 22. November 2023) befinden sich noch in den Händen der Terror-Organisation Hamas. Am 7. Oktober wurden beim Terrorangriff auf Israel hauptsächlich Zivilisten in den Gazastreifen verschleppt. Darunter befinden sich auch einige Personen mit doppelter oder ausländischer Staatsbürgerschaft.


Ihr Zuhause – das Kibbuz Nirim, geprägt von landwirtschaftlicher Produktion – ist jetzt ein israelischer Militärstützpunkt. Ob oder wann sie dorthin zurückkönnen können, wissen sie nicht. „In Israel waren wir in der ersten Zeit nach dem Hamas-Überfall auf vielen Beerdigungen, haben Freunde besucht. Man ist plötzlich nicht mehr Herr seines eigenen Lebens, es fehlt die richtige Kleidung für den entsprechenden Anlass oder das Wetter. Wir versuchen, uns zu beschäftigen und nicht zu viel über die Situation nachzudenken. Sonst könnten wir den Alltag nicht bewältigen. Für sie machen wir weiter“, so Ofra und blickt auf das Poster mit dem Bild der beiden Entführten. Yagevs Schwester Nufar fügt hinzu: „Es ermutigt und stärkt uns, über sie zu reden.“ 

Über den entführten Bruder und seine Frau zu sprechen hilft den Angehörigen und stärkt sie, weiterzumachen

Die drei Angehörigen sind am Tag des Gesprächs aus Israel eingereist und wurden von den beiden Landtagsabgeordneten Michael Joukov und Florian Wahl in Empfang genommen. In den folgenden Tagen werden sie auch in weiteren Gesprächen und Interviews von ihrem entführten Bruder und Freund, von seiner Frau und ihrem verlorenen Zuhause erzählen, um auf die nach wie vor unklare Situation der Geiseln in den Händen der Terror-Organisation Hamas aufmerksam zu machen. 

Von Dr. Uwe Gräbe, Nahost-Referent von der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS), gefragt, was sie sich als Angehörige von Hamas-Entführungsopfer wünschen, sagen sie, dass es hart sei zu sehen, dass es Menschen gibt, die den Terror-Überfall der Hamas auf Israel relativieren oder sogar rechtfertigen – und im schlimmsten Fall einfach leugnen und als „Fake News“ abtun. 

Ofra, eine enge Freundin der Familie des entführten Yagev (36), zeigt Kinderbilder der Geschwister. Yagev kennt sie von klein auf. Sein Verbleib nach dem Überfall der Hamas auf ihren Kibbuz ist weiter unklar.elk-wue.de

Menschen aus den verschiedensten Nationen unter den Entführten

Yuval, Nufar und Ofra differenzieren zwischen der Hamas als Terror-Gruppe und den unschuldigen Menschen im Gaza-Streifen. „Die Zivilisten in Gaza sind auch Opfer und leiden unter der Gewalt. Es ist eine komplexe Situation“, so die Geschwister von Yagev. Dr. Christine Keim, Leiterin des Referats Mission, Ökumene und Entwicklung des Oberkirchenrats in Stuttgart, spricht im Namen aller Anwesenden ihr Mitgefühl aus: „Danke, dass Sie Ihre Geschichte mit uns teilen, das muss schwer sein. Wir hoffen und beten für Sie und all die anderen.“ Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl berichtet vom interreligiösen Friedensgebet, das er vor wenigen Wochen in Stuttgart besuchte: „Hier haben Christen, Juden und Muslime gemeinsam für den Frieden gebetet. Es ist unvorstellbar, was ihrem Bruder und seiner Frau und all den anderen widerfahren ist.“ Die weiterhin ungelöste Situation der Hamas-Geiseln sei keine rein israelische Angelegenheit. „Es sind Menschen aus den verschiedensten Nationen unter den Entführten“, so die Angehörigen.

Yagevs Schwester Nufar wünscht sich, dass sie in 10 Jahren alle wieder in Frieden in ihrem Kibbuz leben können. Das wünschen alle, die an diesem Abend den Schilderungen der Angehörigen der Hamas-Geiseln zugehört haben.


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