| Landeskirche

Klimaschutz in alten Gemäuern

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl zu Besuch im Haus der Kinderkirche Schloss Beilstein

Das Schloss Beilstein – Haus der Kinderkirche tut viel für den Klimaschutz und nennt sich deshalb „Klimaschloss“. Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl hat mit der Leiterin Dr. Brigitte Schober-Schmutz über das vielfältige Engagement des Hauses in Sachen Klimaschutz gesprochen. 

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Im Video: Landesbischof Gohl im Gespräch mit Leiterin Dr. Schober-Schmutz: "Gott hat uns den Auftrag gegeben, sorgsam mit seinem Geschenk, mit der Erde und mit allen Geschöpfen umzugehen."

Ein altehrwürdiges Schloss mit hohen Mauern, großen Türen, schweren, dunklen Fensterrahmen und bunten Glasfenstern: Klimaschutz und niedrige Emissionswerte sind nicht das erste, woran man denkt, wenn man den alten Hof des Schlosses Beilstein betritt. Dabei befasst sich genau damit die Leiterin Dr. Brigitte Schober-Schmutz intensiv – und das mit Erfolg:

Die Tages- und Bildungsstätte ist Umweltsiegel-zertifiziert, plant und setzt klimarelevante Maßnahmen kontinuierlich und systematisch um. Dazu gehören bauliche Maßnahmen wie die Isolierung der Fenster und Türen, die Energieversorgung mittels eines Blockheizkraftwerks und die Auseinandersetzung mit der Lebensmittelproduktion und -verwertung.

Dr. Schober-Schmutz behält ihre Erfahrung rund um das Klimaschloss dabei nicht für sich:  „So ein Umweltsiegel ist nicht nur eine Marketingschiene. Sondern das ist für uns als Bildungshaus auch ein wichtiger Bildungsauftrag.“ Schloss Beilstein bietet Klima-Workshops, CO2-Dinner, ein Klimakochbuch und Lern- und Unterrichtsmodule über den Klimaschutz für Kirchengemeinden, Lehrpersonen, Jugendgruppen und andere Interessierte an. 

Klimaschutz als christlicher Auftrag - und als Bildungsauftrag

„Der Kirche wird ja oft vorgeworfen, das Klima sei die neue Religion. Ich finde das absurd. Im ersten Mosebuch im zweiten Kapitel steht, wir sollen die Schöpfung bebauen und bewahren“, so Landesbischof Gohl angesichts mancher Kritik, die Kirche befasse sich zu intensiv mit dem Klimaschutz.

„Wenn alle so leben würden wie wir, bräuchten wir 4,8 Planeten. Ich kann doch nicht sagen ‚Lieber Gott, hilf mir, dass das Haus gut floriert‘ und gleichzeitig seine Schöpfung kaputt machen. Das wäre doch völlig widersinnig“, stimmt Dr. Schober-Schmutz ihm zu. 

„Und ich glaube, es ist ganz wichtig, dass wir Menschen uns als Teil der Schöpfung verstehen. Und wir sind nicht die Herren der Schöpfung, wir sind nicht Gott. Und Gott hat uns den Auftrag gegeben, sorgsam mit seinem Geschenk, mit der Erde und mit allen Geschöpfen – auch mit uns – umzugehen.  Und deswegen halte ich das für einen zutiefst christlichen, theologischen Auftrag, den wir hier umsetzen", sagt Landesbischof Gohl weiter.

Das Schloss Beilstein ist Grüner Gockel- und EMAS-zertifiziert.Foto: Schächtele, elk-wue.de

Klimaschutz und der Weg hin zum eigenen Umweltmanagementsystem war Neuland

„Das war ja alles Neuland für uns. Die ganzen Technikdaten, die ganzen Anforderungen und wie soll ich meine Umweltziele setzen. Man hat ja gar keine Ahnung“, beschreibt Dr. Schober-Schmutz die Anfänge in Sachen Klimaschutz für das Schloss Beilstein. Unterstützung erhielten sie vom Umweltreferat der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. „Diese Umweltzertifizierung bedeutet, dass man zunächst aufnimmt, wie der Status im Haus ist. Dann setzt man sich beim Energiebedarf 4-Jahres-Ziele, die man kontiniuerlich zu erreichen versucht“, erläutert Dr. Schober-Schmutz den Prozess.

„Was ich toll finde, ist, dass auch das Ökumenische Netzwerk Klimagerechtigkeit mit dabei ist, da ja gerade die Länder im globalen Süden ganz besonders unter den Folgen des Klimawandels leiden. Dass man sich als eine weltweite Gemeinschaft aller Kirchen versteht, die für Gerechtigkeit eintreten“, so Landesbischof Gohl. Dr. Schober-Schmutz merkte im Prozess zur Zertifizierung ebenfalls, dass das Thema Umweltschutz ein ganzheitlicher Prozess ist.

Das Eco-Management and Audit Scheme, kurz EMAS, ist ein europäisches Umweltmanagementsystem. Die Einführung beginnt mit einer ersten eigenen Untersuchung - der Umweltprüfung - und nachfolgenden, wiederkehrenden Umweltbetriebsprüfungen. Ziele und Maßnahmen werden im Umweltprogramm definiert und umgesetzt. Geprüft wird durch externe, staatlich zugelassene Umweltgutachterinnen und -gutachter. Zudem ist das Schloss Beilstein auch mit dem „Grünen Gockel“ ausgezeichnet, dem Umweltmanagementsystem für Kirchengemeinden und Einrichtungen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Das Klimaschloss schult und sensibilisiert zum Thema Ernährung und Lebensmittelverwertung - ein wichtiger Hebel zum selbstwirksamen Klimaschutz Foto: Schächtele, elk-wue.de

Sensibilisierung beim Thema Ernährung als selbstwirksamer Hebel für Klimaschutz

Vor allem beim Thema Ernährung sowie Verpflegung der Tagungsgäste – unter denen sich auch viele Jugendgruppen befinden -  erkannte Schober-Schmutz einen wichtigen Hebel, um das Thema Klimaschutz weitergeben zu können, da der Ernährungssektor annähernd so viel CO2 verursacht wie der Verkehrssektor. Durch Workshops und Challenges werden junge Menschen an Lebensmittel und Kochen herangeführt und dabei mit dem Thema Klimagerechtigkeit vertraut gemacht. 

„Das heißt, dass viele kleine Maßnahmen einen so großen Effekt haben – was man im ersten Moment vielleicht gar nicht sieht. Und Sie zeigen, es gibt eine ganze Palette an Maßnahmen, die Sie umgesetzt haben, damit Beilstein Klimaschloss wird“, resümiert Landesbischof Gohl nach den Schilderungen und der Besichtigung des Schlosses.  „Es muss halt eins nach dem anderen gehen, es muss in unsere Bauplanungen passen, in unsere Budgets … Wir sind ja Non-Profit, wir haben ja keine Gewinne, die wir hier einsetzen können.“ Gefördert wurden die Umbaumaßnahmen im Schloss Beilstein mit Mitteln der Landeskirche und des Landesverbandes für Kindergottesdienste, der seinen Sitz im Schloss hat. „Dank der Kirchensteuer kann man natürlich auch solche Klimaschutzmaßnahmen fördern, die exemplarisch sind und von denen andere lernen können. Damit die Erfahrung, die Sie jetzt gesammelt haben, einspeist werden in die Breite der Landeskirche. Da können alle davon profitieren“, so Landesbischof Gohl. 
 


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