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Flüchtlingshilfe als drängende Aufgabe und gemeinsame Herausforderung

Jahresgespräch zwischen Landesbischof July und Muslimen

„Wir wollen gemeinsam alles in unserer Macht Stehende tun, das Gespräch und friedliches Zusammenleben zu fördern“, so der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Dr. h. c. Frank Otfried July, beim jährlichen Gespräch zwischen Landesbischof und Vertretern islamischer Religionsgemeinschaften in Baden-Württemberg sowie der Gesellschaft für Dialog Baden-Württemberg und dem Zentrum für Islamische Theologie Tübingen am heutigen Montag.

Beim Erfahrungs- und Meinungsaustausch wurde deutlich, dass alle Gesprächsteilnehmer die Aufnahme der vielen Flüchtlinge - darunter viele Muslime - in Deutschland und Europa als drängende Aufgabe und gemeinsame Herausforderung betrachten. Sie wird als religiöse Pflicht angesehen. Die Gesprächsteilnehmer sehen die Gefahr von steigenden Spannungen in der Gesellschaft. Christen und Muslime engagieren sich derzeit in der Flüchtlingshilfe, und die Gesprächsteilnehmer ermutigen ihre Mitglieder dabei zur Zusammenarbeit. Für die große Hilfsbereitschaft zahlreicher Ehrenamtlicher danken sie. Gleichzeitig fordern sie die Regierungen in den betreffenden Herkunftsländern auf, Verhältnisse herzustellen, unter denen Menschen in Frieden und Freiheit leben können. Auch den Missbrauch der Religionen für menschenfeindliche, intolerante und gewalttätige Ideologie gelte es, schon im Ansatz zu verhindern, etwa durch Bildung. Die Jugendarbeit der Gemeinden stehe hier vor einer großen Herausforderung, so die Gesprächsteilnehmer.

Auch Staat und Gesellschaft müssten ihre Verantwortung wahrnehmen: Die Einführung von „Islamischem Religionsunterricht“ an öffentlichen Schulen sei dringlich, um muslimischen Jugendlichen gesellschaftliche und religiöse Orientierung zu bieten. Die Bemühungen des Landes um die Etablierung des Faches werden gewürdigt, besonders die Anstrengungen zur Aus- und Fortbildung von Lehrkräften an Pädagogischen Hochschulen und am Zentrum für Islamische Theologie an der Universität Tübingen. Das laufende Projekt biete aber derzeit kein flächendeckendes Angebot. Die muslimischen Religionsgemeinschaften erwarten die von der Landesverfassung geforderte Zusammenarbeit mit den betroffenen Religionsgemeinschaften und einen flächendeckenden bekenntnisorientierten Islamischen Religionsunterricht. Die evangelische Landeskirche steht hier für einen Erfahrungsaustausch bereit.

An dem Gespräch haben teilgenommen:
Fatih Sahan (Islamische Religionsgemeinschaft DITIB Württemberg), Yavuz Kazanç (Landesverband der Islamischen Kulturzentren Baden-Württemberg e. V.), Muhittin Soylu (Islamische Glaubensgemeinschaft Baden-Württemberg), Dr. Abdelmalek Hibaoui (Zentrum für Islamische Theologie Tübingen) und Dr. Dogan Keles (Gesellschaft für Dialog Baden-Württemberg).