Das Projekt „Kirche elektrisiert“ startet

Beschäftigte der Landeskirche können Elektro-Kleinwagen und Pedelecs leasen

Ein E-Up mit dem Schriftzug „Kirche elektrisiert“ und dem Logo der Evangelischen Landeskirche in Württemberg ist vor der Tagungsstätte Hospitalhof platziert.Oliver Hoesch/elk-wue.de

Stuttgart. Auf die Plätze, fertig, los: Schon bald werden die ersten strombetriebenen Kleinwagen mit dem Schriftzug „Kirche elektrisiert“ und dem Logo der Evangelischen Landeskirche in Württemberg durchs Ländle flitzen. Den offiziellen Projektauftakt setzte die Landeskirche mit einer Kick-off-Veranstaltung am Mittwoch, 29. Januar, bei der sie „Kirche elektrisiert“ öffentlich vorstellte.

Damit die Menschen in Zukunft noch nachhaltiger erreicht werden, können ab sofort zwei E-Fahrzeugmodelle günstig geleast werden: der VW E-Up und der Renault Zoe. Weitere Typen elektrifizierter Klein- und Mittelklassewagen sollen das Angebot später ergänzen.

Außerdem bietet die Firma Bikeleasing aus dem niedersächsischen Uslar Pedelecs an; geplant ist hier eine Finanzierung mittels Entgeltumwandlung beziehungsweise Bruttogehaltsverzicht.

Weitere Kirchen sind interessiert

Mit „Kirche elektrisiert“ betritt die württembergisches Landeskirche Neuland. Das in dieser Form bislang einzigartige Projekt hat bereits das Interesse weiterer Landeskirchen geweckt.
„Mobilität neu zu gestalten, bleibt eine große Herausforderung mit Auswirkungen auf die Gesellschaft, das kirchliche Leben und jeden Einzelnen. Ökologische und soziale Auswirkungen unserer Mobilität müssen bedacht werden – regional ebenso wie in globalem Zusammenhang. Deshalb ist es dringend notwendig, dass wir als Kirchen die reale Begegnung von Menschen gestalten, neu und nachhaltig.“ Klaus-Peter Koch, Umweltbeauftragter der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Die E-Autos von „Kirche elektrisiert“ sollen über die Internetseite der Landeskirche von den Mitarbeitern selbst zu günstigen Konditionen geleast werden können, sofern sie über eine dienstliche Anerkennung ihrer Privatfahrzeuge verfügen.

Fahrzeuge frei konfigurierbar

Die Beschäftigten können Ausstattung, Kilometerleistung und Laufzeit nach ihren Bedürfnissen individuell festlegen. Auch ans Aufladen der Elektrofahrzeuge ist gedacht: Entsprechende Angebote sind ebenfalls Bestandteil von „Kirche elektrisiert“.

Angebot vor allem für ländliche Bereiche

Zielgruppe des Projekts sind vor allem die Pfarrerinnen und Pfarrer in ländlichen Regionen, die auf dem Weg zu ihren Gemeindegliedern Jahr für Jahr Tausende von Kilometern zurücklegen müssen. Doch auch in den Städten können die kleinen Elektro-Flitzer unter Umständen Entlastungen bringen.

„Viele Pfarrerinnen und Pfarrer sind – vor allem in derzeit größer werdenden Gemeindegebieten – auf einen Zweitwagen angewiesen, um ihren Dienst adäquat ausüben zu können. Der ÖPNV ist in den allermeisten Fällen leider keine hinreichende Alternative.“, sagt der Nagolder Pfarrer Fabian Keller als Ideengeber für „Kirche elektrisiert“.

Mit dem Projekt können laut Keller gleich mehrere Ziele verfolgt werden: Das erschwingliche und zugleich umweltfreundliche Angebot zeige auch eine Wertschätzung für die kirchlichen Mitarbeiter und ihre Aufgaben. Dies fördert unter anderem die Attraktivität des Pfarrberufs.

„Dort ist die Pfarrerin, dort ist der Pfarrer“

„Unsere Landeskirche kann heute nicht mehr erwarten, dass Menschen ohne weiteres zu uns kommen", ist sich Dr. Winfried Klein als Projektverantwortlicher für „Kirche elektrisiert“ bewusst. Und deshalb:  „Wir müssen auf sie zugehen und offen für ihre Ansprache dort sein, wo sie sich befinden. Dem soll das Projekt „Kirche elektrisiert“ dienen. Wenn die Leasingangebote breit angenommen werden, dann können Menschen schon von weitem sehen: Dort ist die Pfarrerin, dort ist der Pfarrer. Sie nehmen die Präsenz von Kirche in anderer Weise wahr.“

Elektrisieren könne das Projekt dann, wenn es nicht nur dazu beiträgt, dass die Diskussion über den Sinn von Elektromobilität am konkreten Beispiel des Pfarrerautos geführt wird. Elektrisieren werde das Projekt vor allem dann, wenn Menschen spüren, dass die Kirche trotz aller strukturellen und baulichen Veränderungen im Dorf bleibt - ansprechbar und erreichbar, unterstreicht Klein.

„Wichtiger Beitrag zum Erreichen der Klimaziele“

„Wir wissen sehr wohl, dass E-Mobilität nicht das Allheilmittel bedeutet", räumt Stefan Werner, Direktor des Oberkirchenrats, ein. „Aber wir sind überzeugt davon, dass sie in diesem Stadium einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leisten kann.“

Die Landeskirche rechnet zunächst mit rund 50 abgeschlossenen Verträgen pro Jahr. Doch die Zahlen könnten auch durchaus deutlich höher liegen: Vor Umsetzung der Idee hatte die Landeskirche eine Umfrage unter ihren Beschäftigten gestartet, die ein großes Interesse an Elektroautos und Pedelec ergeben hatte.



    • „Kirche elektrisiert“: Erläuterungen vom Projektverantwortlichen Dr. Winfried Klein
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      29.01.2020

    • „Kirche elektrisiert“: Ideengeber Fabian Keller erklärt die Aktion
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      29.01.2020

    • „Kirche elektrisiert“: Das Statements des Umweltbüros
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      29.01.2020