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„Ich habe mich auf den Abend unheimlich gefreut"

„Platztest" bei der Evangelischen Kirchengemeinde Meimsheim

Meimsheim. Ein heißer Sommerabend, ein verlockender Duft von gegrillten - auch veganen - Würstchen. Und angeregte Gespräche an vier Biertischen im Gemeindehaus-Garten. Besuch beim „Platztest" der evangelischen Kirchengemeinde Meimsheim bei Brackenheim.

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Sie bewerben sich bei der Wahl am 1. Dezember und waren beim „Platztest" dabei: Svenja Großhans (l.) und Heike Ecker. Mit jeweils 32 Jahren sind sie künftig die voraussichtlich jüngsten Mitglieder im Meimsheimer Kirchengemeinderat - vorausgesetzt, es bewirbt sich kein(e) noch jüngere(r): Wählbar sind alle Gemeindeglieder ab 18, wahlberechtigt ab 14 Jahren. © Siegfried Denzel/EMH

Stefanie Hölsch muss nicht lange überlegen. „Die Vielfalt ist cool", sprudelt es aus ihr heraus auf die Frage von Pfarrerin Stephanie Kings: „Was hat Euch am meisten Spaß gemacht im Kirchengemeinderat?" Im aktuellen „Parlament" der rund 1.300 Mitglieder zählenden Kirchengemeinde „ist einfach aus jeder Lebenssituation jemand dabei". Und das sei, wiederholt die 43-Jährige, „einfach cool".

Vier treten nicht mehr an

Trotzdem ist die Kirchengemeinde auf der Suche nach neuen Mandatsträgern: Vier der neun gewählten Kirchengemeinderäte in Meimsheim treten bei der Kirchenwahl am 1. Advent nämlich nicht mehr an - darunter auch Stefanie Hölsch.

„Die Vielfalt ist cool."

Stefanie Hölsch, Kirchengemeinderätin in Meimsheim

Fast entschuldigend klingt es, als sie den anderen rund 20 Teilnehmern des Meimsheimer „Platztests" die Gründe für ihren Rückzug nach zwei Wahlperioden nennt: „Weil ich noch vieles andere an der Backe habe, trete ich schweren Herzens nicht mehr an." Pfarrerin Kings nickt verständnisvoll. Verloren ist die Noch-Kirchengemeinderätin für das Gemeindeleben nicht - denn sie will weiter aktiv bleiben.

„Wer weiß, was in sechs Jahren ist?", fügt die 43-Jährige schmunzelnd hinzu und hält sich damit eine erneute Kandidatur bei der übernächsten Kirchenwahl ausdrücklich offen. Nur jetzt brauche sie eben etwas mehr Zeit für die Familie.

Knifflige Fragen

Währenddessen lassen sich die meisten Gäste des Abends vom Grill-Duft locken, holen sich noch ein kühles Getränk - und schon geht's weiter mit der Fragerunde, die trotz der vergleichsweise überschaubaren Teilnehmerzahl viel intensiver ist als Pfarrerin Kings wohl angenommen hat.

Und tatsächlich: Weder sie noch die anderen Mitglieder des Kirchengemeinderats - sie als Seelsorgerin sowie die Kirchenpflegerin gehören kraft Amtes zum Gremium - können alle Fragen aus dem Stegreif beantworten.

„Wenn jemand was Schlimmes auf dem Kerbholz hat, darf er dann trotzdem kandidieren?" Stephanie Kings muss nachschlagen - und nach ein paar Augenblicken hat sie die Antwort gefunden: Ja. Einen Verlust des politischen Wahlrechts, der früher ab einem bestimmten Strafmaß automatisch folgte, kennt die Kirche nicht.

Löw verliert den Titel

Aktuell jüngster Kirchengemeinderat in Meimsheim ist Markus Löw. Der 42-Jährige besitzt nach eigener Kenntnis zwar kein Verwandtschaftsverhältnis zu Fußball-Bundestrainer Joachim Löw - doch wie „Jogi" schon bei der Fußball-WM 2018 wird auch Markus Löw in diesem Jahr seinen „Titel" als Jüngster verlieren. Aller Voraussicht zumindest.

Denn mit Heike Ecker und Svenja Großhans bewerben sich zwei 32-Jährige um einen Platz im Gremium. „Ich habe mich auf den Abend unheimlich gefreut", schwärmt Heike Ecker: Nachdem sie auf ein mögliches Interesse an einer Kandidatur angesprochen worden war, besuchte sie eine öffentliche Kirchengemeinderatssitzung - und war überzeugt. Wie hatte Markus Löw nur kurz zuvor von seiner Freude an dem Ehrenamt berichtet: „Die Möglichkeit zu gestalten begeistert mich." Deshalb strebt er nun bereits seine vierte Amtszeit an.

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Das Motto der Kirchenwahl am 1. Dezember: Meine Kirche. Eine gute Wahl. © Evangelische Landeskirche in Württemberg

Temperaturen knapp unter 40 Grad

Zwei weitere Bewerber bei der Kirchenwahl hatten ihre Teilnahme am Meimsheimer „Platztest" ursprünglich zwar ebenfalls zugesagt - doch angesichts von Temperaturen knapp unter der 40-Grad-Marke war ihnen möglicherweise zu heiß. Ebenso wie einigen anderen, mit deren Besuch Pfarrerin Kings eigentlich gerechnet hatte.

Doch auch wenn die Zahl der „Platztester" geringer war als erhofft, ist die Seelsorgerin trotzdem zufrieden: „Es hat Spaß gemacht", freut sie sich am Ende des gut zweistündigen „offiziellen" Teils, dem sich eine gemütliche Nachsitzung bei allmählich erträglicher werdenden Abendtemperaturen anschließt.

Als Mesnerin macht sie weiter

Übrigens: Wie die nicht mehr antretende Kirchengemeinderätin Stefanie Hölsch will auch die scheidende Margarete Ivanits nach dem Ende ihrer Ratsarbeit aktiv bleiben. „Ich bin ja auch Mesnerin, und das bleibe ich. Es macht mir unheimlich Spaß, für die Kirche zu arbeiten."

Nur ein nicht mehr kandidierendes Ratsmitglied hat mit der Gemeindearbeit abgeschlossen - trotz der Gemeinschaft, die er dort findet und in der er sich wohl fühlt. Hans-Martin Kühner ärgert nach eigenen Worten, dass die Evangelische Landeskirche in Zukunft auch gleichgeschlechtlichen Paaren die Segnung erteilen will. Ein Gespräch mit der Pfarrerin über die theologischen Hintergründe des im Frühjahr gefassten Synodalbeschlusses stehe zwar noch aus, „aber sie wird mich nicht umstimmen".

Mit Kühners Rückzug geht übrigens eine Familientradition zu Ende: Bereits sein Vater und Großvater waren Kirchengemeinderäte - im benachbarten Brackenheim.


Die Aktion „Platztest", an der sich bislang 14 evangelische Kirchengemeinden der Evangelischen Landeskirche in Württemberg beteiligt haben, soll aktuelle Kirchengemeinderäte mit potenziellen Kandidaten für die Kirchenwahl miteinander in Kontakt bringen und helfen, offene Fragen auszuräumen. In Ulm (Luklaskirchengemeinde, 7. Juli) und Neckarweihingen (10. Juli) stehen die Aktionen noch bevor. Ins Leben gerufen wurde der „Platztest" vom Büro für Chancengleichheit bei der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.