| Gedenktag

„Gott dienen“

250. Todesstag von Philipp Friedrich Hiller (1699 - 1769)

Seine Lieder und Gedichte haben den unscheinbaren württembergischen Pfarrer aus der Schule von Johann Albrecht Bengel bekannt gemacht. 1070 Lieder wurden gezählt. In seinem geistlichen Liederkästlein sind davon 732 veröffentlicht, das als Andachtsbuch bis ins 21. Jahrhundert nachwirkt.  Am 24. April 2019 jährt sich sein Todestag zum 250. Mal.

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© Landeskirchliches Archiv

Geboren wurde Hiller am 6. Januar 1699 als Pfarrerssohn in Mühlhausen an der Enz. Bis auf eine kurze Periode, 1729 bis 1731, hat er Zeit seines Lebens im Schwabenland verbracht. Früh wurde der Junge Halbwaise – als er noch nicht zwei Jahre alt war, starb der Vater. In der Klosterschule Denkendorf kam es zur Begegnung mit Johann Albrecht Bengel, der fortan der väterliche Freund und Ratgeber von Philipp Friedrich wurde. Damals ist die dichterische Begabung aufgefallen. Nach dem Studium in Tübingen trat er Vikariatsstellen an und veröffentlichte als Hauslehrer in Nürnberg sein erstes Werk: Johann Arndts (1555-1621) bekanntes Gebetbuch Paradiesgärtlein in 301 Lieder umgeformt. 1731 wurde er Vikar in Hessigheim und nahm die dortige Pfarrerstochter zur Frau. Hiller war dann Pfarrer in Neckargröningen, seinem Geburtsort Mühlhausen an der Enz und schließlich ab 1748 in Steinheim bei Heidenheim.

Leiderfahrungen wie die drohende Berufsunfähigkeit

Manche familiäre Not begegnete dem Dichterpfarrer. Seine Frau, siebenfache Mutter, wurde mehrmals so schwer krank, dass man nicht mit ihrem Überleben rechnen konnte. Hiller selbst traf 1751 ein schwerer Schlag: Infolge eines Halsleidens verlor er innerhalb kurzer Zeit trotz aller ärztlichen Bemühungen seine Stimme. Er konnte fortan nicht mehr predigen, was ihm eine große innere Not bereitete. Die Pfarrstelle konnte er nur durch Vikare behalten, die ihm zur Seite gestellt waren.

Das Liederkästlein entstanden in der Not    

Das „Geistliche Liederkästlein“ wurde erstmals 1762 gedruckt. Es ist in seiner „sprachlosen“ Zeit entstanden. Die Lieder sind Seelsorge an der eigenen Seele, die zur Seelsorge an Generationen von Christen, weit über Württemberg hinaus, wurde. Der eingeschränkte Pfarrer möchte trotz allem Leiden Gott dienen. Ein zweiter Teil erschien 1767. Themenschwerpunkt ist das Erwarten der Zukunft des Heilandes Jesus Christus. Fern sind die Gedanken darin einem lebensmüden Jenseitshoffen, einer depressiven Sehnsucht nach dem Tod: Das Wiederkommen des Herrn macht das Heil vollkommen und verdeutlicht die Endlichkeit von Krankheit und Leid. 
Bleibender Trost

Das „Geistliche Liederkästlein“ gewann seit seiner Entstehung im 18. Jahrhundert anhaltende Bedeutung. Die Lieder fanden Eingang in die Erbauungsstunden der Gemeinschaften des schwäbischen Pietismus. Heute enthält das Evangelische Gesangbuch vier Hiller-Lieder, darunter sein Himmelfahrtslied „Jesus Christus herrscht als König“. Hiller starb mit 70 Jahren am 24. April 1769 in Steinheim bei Heidenheim.

Dr. Joachim Schnürle