| Kirchenjahr

„Das Kind in der Krippe ist entwaffnend"

Die Weihnachtspredigten 2019 von Landesbischof July

Gottfried Stoppel/EMH

Stuttgart. Landesbischof July forderte in seinen Weihnachtspredigten an Heilig Abend und am ersten Weihnachtsfeiertag dazu auf, sich mit Herz und Verstand" auf die Weihnachtsbotschaft einzulassen, und der Logik des Friedens" zu folgen.

 

Heilig Abend in der Frauenkopfkirche

Der württembergische Landesbischof Dr. h.c. Frank Otfried July predigte an Heilig Abend, 24. Dezember, in der Frauenkopfkirche in Stuttgart. „Weihnachten sprengt die Grenzen unserer Vorstellungskraft: Gott kommt als Kind in die Welt" sagte er, und betonte, welche Provokation in der Weihnachtsbotschaft liege. Sie stelle viele unserer täglichen Verhaltensweisen auf den Kopf, gerade im rauer werdenden gesellschaftlichen Klima. 

Orientierung finden

Jesus Christus könne den Maßstab für für unser Denken, Handeln und Verhalten neu schärfen, so der Landesbischof. „Wenn wir die Weihnachtsbotschaft vom Kommen Gottes in unsere Welt glauben und uns mit Herz und Verstand darauf einlassen, können wir wieder Orientierung finden.“ Als Lesung hörte die Gemeinde an Heilig Abend ein Wort aus dem Alten Testament, Sacharja 2, 14-17.

 

Erster Weihnachtsfeiertag in der Stiftskirche

In der Stuttgarter Stiftskirche ging Landesbischof July darauf ein, was Weihnachten für Christen bedeutet: Die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes an andere in unserer Gesellschaft weiterzugeben. Als „begnadete Weihnachtsmenschen nehmen wir Gottes Geschenk an, um andere zu beschenken", sagte er, und erinnerte an tausende Ehrenamtliche und Hauptamtliche, die in Slums, Elend- und Kriegsgebieten, in Flüchtlingslagern oder Aufbauprojekten tätig seien, ebenso an die vielen, die sich in Wort und Tat, durch Spenden oder andere Unterstützung für ihre Mitmenschen einsetzten.

 „Kind in der Krippe ist entwaffnend“

Gleichzeitig falle es schwer zu verstehen, „wenn wir die Botschaft ‚Frieden auf Erden‘ hören, dass wir mit verstärkten Waffenexporten, auch in die Kriegsgebiete dieser Welt, antworten", sagte er. Oft folgten wir der Logik der Gewalt und des Krieges, und nicht der Logik des Friedens. „Dabei ist das Kind in der Krippe entwaffnend“, so der Landesbischof. Das gelte auch für den Kontrast zwischen der Botschaft, barmherzig zu sein, und in sozialen Netzwerken und politischen Auseinandersetzungen unbarmherzig und hasserfüllt miteinander umzugehen. Die Lesung des Ersten Weihnachstages war ein Wort aus Titus 3, 4-7.