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Expressives vor einem halben Jahrtausend

Festgottesdienst „500 Jahre Herrenberger Altar“

Herrenberg/Stuttgart. Dem vor 500 Jahren entstandenen Herrenberger Altar und seinem Schöpfer Jerg Ratgeb widmen die evangelische Kirche, die Stadt Herrenberg und die Staatsgalerie Stuttgart eine Veranstaltungsreihe. Der Eröffnungsgottesdienst findet am 27. September statt.

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Der Herrenberger Altar in der Ausstellung der Staatsgalerie Stuttgart. © Anagoria/CC BY 3.0

Ein halbes Jahrtausend - so alt ist der Herrenberger Altar inzwischen. Obwohl er seit fast 130 Jahren in Stuttgart ist und seit fast 100 Jahren in der dortigen Staatsgalerie als eines der großen südwestdeutschen Meisterwerke der Dürer-Zeit gezeigt wird, feiern die evangelische Kirchengemeinde, die Stadt Herrenberg und die Staatsgalerie das Jubiläum mit einer Veranstaltungsreihe am ursprünglichen Heimatort des Altars: Der offizielle Eröffnungsgottesdienst findet am Freitag, 27. September, ab 18 Uhr in der Stiftskirche Herrenberg statt.

„Jerg Ratgebs Meisterwerk“ lautet das Motto der Reihe mit insgesamt mehr als 40 Terminen; seit Juni „arbeiten“ Kirche, Stadt und Staatsgalerie mit kleineren Veranstaltungen auf das Jubiläumswochenende im September hin, zu dem neben dem Gottesdienst auch eine Podiumsdiskussion zum Thema „500 Jahre Herrenberger Altar – und heute?“ gehört. Am Totensonntag, 24. November, geht die Veranstaltungsreihe dann mit der Aufführung von Giuseppe Verdis Requiem zu Ende.

Zur Sprache kommt bei der Jubiläumsreihe einerseits die wechselvolle Geschichte des Altars: Jerg Ratgeb, der heute wieder als neben Albrecht Dürer bedeutendster Maler des ausgehenden 15. und beginnenden 16. Jahrhunderts in Süddeutschland gilt, hatte den Altar zwischen 1518 und 1521 im Auftrag der „Brüder vom gemeinsamen Leben“ für die Stiftskirche Herrenberg geschaffen.

„Teilweise unschöne Bilder"

Doch im Laufe der Zeit wandelte sich der Geschmack: Jahrhundertelang wurden die acht Tafelbilder einfach zugehängt; 1891 dann verkaufte der Herrenberger Stadtrat den Altar an die damalige „Staatssammlung vaterländischer Altertümer“ in Stuttgart, und zwar mit der wenig schmeichelhaften Begründung, weshalb das Kunstwerk nicht mehr in der Kirche sein sollte: „Mit Rücksicht auf die teilweise unschönen Bilder.“

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Herzog Ulrich von Württemberg war der erste protestantische Herrscher im Südwesten; an seiner Seite kämpfte Jerg Ratgeb im Bauernkrieg. © gemeinfrei

„Neugierig auf Jerg Ratgeb machen“

Heute indes gilt der Altar wieder als Meisterwerk und als Zeugnis eines frühen expressiven Malstils, der für die damalige Zeit außergewöhnlich war. „Wir freuen uns, wenn wir mit dem Programm auf Jerg Ratgeb, seine Zeit und sein Tun neugierig machen, Denkanstöße geben und Diskussionen auslösen“, kommentiert denn auch der Herrenberger Oberbürgermeister Thomas Sprißler (Freie Wähler).

Denn wechselvoll wie die - letztlich gut ausgegangene - Geschichte des Altars war auch das Leben des aus dem heutigen Schwäbisch Gmünd stammenden Künstlers, dem seine Rolle in der Politik seiner Zeit zum grausames Verhängnis wurde: An der Seite des ersten protestantischen württembergischen Herzogs, Ulrich, kämpfte er zu Zeiten des Bauernkrieges für die Wiederherstellung der württembergischen Territorien. 1526 wurde er wegen Hochverrats angeklagt und in Pforzheim von vier Pferden auseinandergerissen.

Das Programm des Gottesdienstes

Beim Festgottesdienst am 27. September in der Stuftskirche wird der Reulinger Prälat Dr. Christian Rose predigen; Dekan Eberhard Feucht und Pfarrerin Meike Huber-Bergmann übernehmen die Liturgie. Außerdem sprechen Oberbürgermeister Sprißler und Professorin Christiane Lange, Direktorin der Staatsgalerie Stuttgart, Grußworte.


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19.08.2019

Programm der Jubiläumsreihe „500 Jahre Herrenberger Altar"