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„Willkommene Oase im politischen Getriebe"

Landtags-Vizepräsidentin Sabine Kurtz (CDU) über den neuen „Raum der Stille“

Stuttgart. Es ist der offizielle Abschluss des 2013 begonnenen Umbaus des baden-württembergischen Landtags: Seit Dienstag, 16. Juli, verfügt das Parlament über einen „Raum der Stille". Siegfried Denzel sprach mit Landtags-Vizepräsidentin Sabine Kurtz (CDU).

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Sabine Kurtz (CDU), Vizepräsidentin des Landtags Baden-Württemberg. © Landtag von Baden-Württemberg

Frau Kurtz, ein „Raum der Stille“ in einem  Haus der politischen Auseinandersetzung: Ist das für Sie ein Widerspruch oder eine notwendige Ergänzung?

Das ist keinesfalls ein Widerspruch, das ist eine willkommene Oase im politischen Getriebe. Solch einen „Raum der Stille“ gibt es noch in Bayern und Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. In Hessen ist gerade einer in Planung – das heißt: Ein solches Angebot ist noch nicht in allen Bundesländern eine Selbstverständlichkeit. Wir in Baden-Württemberg hatten bislang zwar immer eine Andacht vor den Plenartagen (Sitzungstage des Parlaments; d. Red.), aber keinen eigens dafür vorgesehenen Raum.

„Bezug auf die drei großen Weltreligionen"

Der „Raum der Stille“ soll – Zitat aus einer Landtagsmitteilung aus dem Jahr 2017 – als „ökumenischer Andachtsraum für beide christlichen Konfessionen“ angeboten werden. Sind Muslime oder Aleviten wie Landtagspräsidentin Muhterem Aras hier also nicht willkommen?

Keinesfalls, das muss ein Missverständnis sein. Meine Sorge war im ersten Moment sogar, dass der Raum bewusst areligiös sein wird. Das ist aber nicht der Fall. Es geht darum, sich auf die drei großen Weltreligionen zu beziehen – also das Christentum, das Judentum und den Islam. Die anderen Religionen (Judentum und Islam; d.Red.) waren ganz bewusst einbezogen in die Jury, die über die künstlerische Gestaltung mitentschieden hat.

Und ausdrücklich ist der Raum nicht nur für Abgeordnete vorgesehen, sondern selbstverständlich auch für Mitarbeiter und Besucher.

„Dinge dauern hin und wieder etwas länger"

Der Landtag hat bereits 2012 beschlossen,  einen „Raum der Stille“ einzurichten. Inzwischen schreiben wir das Jahr 2019. Warum hat es so lange gedauert, den Beschluss umzusetzen?

Der Raum steht ja im Zusammenhang mit dem Gesamtumbau des Landtags. Wir sind mit dem eigentlichen Landtag termingerecht fertig geworden; der neue Landtag konnte sich nach den Wahlen im März 2016 dann im Mai im neuen Plenarsaal konstituieren. Es war aber auch von Anfang an klar, dass die weiteren Bereiche erst zeitversetzt in Betrieb genommen werden können – das Besucher- und Medienzentrum beispielsweise 2017.

Was den „Raum der Stille“ angeht: An seiner Entstehung waren viele Menschen beteiligt. So ein Beteiligungsprozess inklusive der Einsetzung einer Kunstkommission mit Auslobung eines Kunstwettbewerbs braucht Zeit. Da dauern Dinge hin und wieder etwas länger.

Also ist erst jetzt mit der Übergabe des „Raums der Stille“ das Gesamtprojekt Landtags-Umbau beendet?

Im Grundsatz ja. Das ist sozusagen jetzt der Abschluss.

Anm. der Red.: Das Haus des Landtags wurde zwischen 2013 und 2016 für mehr als 52 Millionen Euro saniert und umgebaut. Der Einbau und die Gestaltung des „Raums der Stille“ in das Landtagsgebäude haben rund 215.000 Euro gekostet.


Sabine Kurtz (geboren am 8. August 1961 in Bad Hersfeld) gehört für die CDU seit 2006 dem Landtag von Baden-Württemberg an und vertritt den Wahlkreis Leonberg. Seit 2018 ist sie Vizepräsidentin des Landtags. Sie ist gleichzeitig stellvertretende Bundesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU/CSU und war bis Herbst 2018 Landesvorsitzende des EAK.