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Machtspiele

Karfreitags- und Osterbotschaft 2019 von Landesbischof July

Zu Karfreitag und Ostern schreibt Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July:

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Landesbischof Frank Otfried July © Wilhelm Betz Fotografie

Millionen Zuschauer in aller Welt fiebern mit, wenn in der Woche von Karfreitag und Ostern die letzten Serienfolgen von „Game of Thrones“ starten. Die Fantasy-Serie um Macht und Herrschaft, Liebe und Lüge ist gemessen an den Zahlen bislang die größte und teuerste Fernsehproduktion. Sie bringt Milliarden in die Kasse der Produzenten. Bis zur letzten Folge im Mai müssen die Fans sich gedulden, um zu wissen, wer am Ende lebt oder stirbt, wer das Machtspiel um den eisernen Thron gewinnt.

Ja, es ist Fantasy mit zum Teil schrecklichen Bildern und Szenen. Ja, es ist Fantasy und doch kommt uns manches aus der Wirklichkeit reichlich bekannt vor. Machtspiele, Herrschaftsmissbrauch, Gewalt, Intrige, Hass, Verführung: Das ist in unserer Welt kein „Fantasy-Geschehen“, sondern spielt (!) sich täglich vor unseren Augen ab.

Um ein Machtspiel der eigenen Art geht es auch an Karfreitag und Ostern. In scheinbar bewährter Weise wird einer hingerichtet, der stört. Einer der noch in der letzten Minute seiner Verhaftung seine Getreuen angewiesen hat, keine Gewalt anzuwenden. Einer, der Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Friede und Gottesverheißung predigte. Einer, der – als es ernst wurde – Verrat, Furcht, Untreue seiner Jünger erlebte. Einer, der noch im Todeskampf „Vergib ihnen!“ rief.

Letzte Folge abgedreht? Schluss. Punkt.

Der Ostermorgen ist keine rührselige Schlusssequenz. Eine neue Wirklichkeit wird dieser Welt geschenkt und gezeigt. Die dämliche Macht-, Gewalt- und Vergeltungsspirale ist durchbrochen.

Das Machtspiel der „Game of Thrones“ ist vorüber. Eigentlich müssten all‘ die Gewaltherrscher, die grausamen Sadisten, die Verräter, die Friedlosen und Todesdiener dieser Welt Gott auf Schadenersatz verklagen.

Das Osterevangelium ist für sie alle „geschäftsschädigend“. Gottes Klarheit und Gottes Wahrheit hat das letzte Wort.

Er hat alle Angst und Schuld auf sich genommen. In der Auferstehung wird das Ende aller menschlichen Machtspiele verkündet. Wer Ostern feiert, hat die besseren Argumente.

„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2. Korinther 5,17)

Gesegnete Feiertage wünscht
Ihr
Frank Otfried July