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„Nein zu Antisemitismus und Judenhass“

150 Teilnehmer bei Solidaritätsaktion in Esslingen

Esslingen/Halle. Rund 150 Frauen und Männer haben sich am Donnerstagabend vor der Esslinger Synagoge versammelt: „Nein zu Antisemitismus und Judenhass“ lautete ihre Antwort auf den Anschlag eines jungen Rechtsextremisten tags zuvor in Halle mit zwei Todesopfern und mehreren Verletzten.

Mit Kerzen und Plakaten gegen den Hass: die Teilnehmer der Solidaritätsaktion vor der Esslinger Synagoge.Christoph Schweizer

Zwischen der am Mittwoch angegriffenen Synagoge in Halle und dem jüdischen Gotteshaus in Esslingen liegen zwar fast 500 Kilometer Distanz. Die etwa 150 Teilnehmer der Esslinger Mahnwache - Christen, Juden und Muslime - waren der jüdischen Gemeinde in Halle und den Opfern des mutmaßlich von einem 27-jährigen Neonazi verübten Terrorakts aber ganz nah.

„Wir haben keine Angst“

Das drückten sie mit Kerzen, Wortbeiträgen und Schildern aus: „Nein zu Antisemitismus und Judenhass“ war ihre zentrale Botschaft. Jehuda Puschkin, der für Stuttgart und Esslingen zuständige Rabbiner, zeigte sich dankbar für die Solidaritätsbekundung: „Das ist typisch Esslingen, dass so viele Leute gekommen sind."

Die jüdische Gemeinde sei bestürzt über die Tat von Halle, „aber wir haben keine Angst“. Es gebe keinen Grund, „unser Judentum zu verstecken“.

„Wir stehen zusammen“

Aufgerufen zu der Aktion vor der ältesten Synagoge Württembergs hat der Esslinger Dekan Bernd Weißenborn. „Wir wollen ein Zeichen der Verbundenheit setzen. Wir stehen zusammen für unsere jüdischen Mitbürger“, hatte er in seinem Aufruf betont.

Seinem Appell gefolgt waren Angehörige unterschiedlichster Gruppen: Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde genauso wie kirchenferne, aber politisch interessierte Esslinger, dazu Muslime, Vertreter der jüdischen Gemeinde sowie mehrere Landtagsabgeordnete 

Landesbischof Dr. h.c. Frank Otfried July hatte namens der gesamten württembergischen Landeskirche die Verbundenheit zu den Juden im Land betont, die am Tag des Anschlags mit Jom Kippur ihr höchstes Fest gefeiert hatten. „Antisemitismus ist Gotteslästerung“ hatte er in einer Erklärung betont - und die ebenfalls in Esslingen anwesende Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold bekräftige diese Einschätzung. Auch sie versicherte nicht nur gegenüber den Juden in Esslingen: „Wir stehen an ihrer Seite."