| Kirchenjahr

Der Geruch von Advent

Gott ist Mensch geworden in einem stinkenden Stall

Wie lassen sich an Weihnachten Gottesdienste und Veranstaltungen unter Pandemie-Bedingungen gestalten? Das ist das Thema eines Online-Workshops der Arbeitsgemeinschaft Weihnachten unter Leitung der Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold. Susanne Jutzeler/suju-foto

Wie riecht Advent - und Weihnachten? In seiner Andacht zum zweiten Advent geht Pfarrer Thorsten Eißler dieser Frage nach. Und er ist überzeugt: Nach Tanne, Mandarinen und Zimt hat es wohl nicht geduftet, als Jesus in einem Stall zur Welt gekommen ist...

Tannenduft, Mandarinenschalen und Zimt. So riecht für mich der Advent. Ich glaube: Keine andere Zeit im Jahr ist so mit Gerüchen und Düften verbunden. Die Städte riechen nach einer Mischung aus gebrannten Mandeln, Glühwein, Bratwurst, Kerzenwachs und Seife. Zuhause riecht es nach Plätzchen, frisch geschnittenen Tannenzweigen und Kaminfeuer.

Thorsten Eißler, Pfarrer in der Pressestelle der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.Jens Schmitt/EMH

Ein wahres Dufterlebnis

Ein Dufterlebnis war das sicher auch in diesem Stall in Bethlehem. Bei der Geburt von Jesus, an die wir mit jeder Krippendarstellung erinnert werden. Diese Mischung aus Mist, frischem Heu und verbrauchter Luft. Und dazwischen das Weinen eines neugeborenen Kindes. Kein steriler Krankenhausgeruch, kein Desinfektionsmittel, sondern eine Futterkrippe mit Stroh in einem stinkenden Stall.

Zu viele auf zu wenig Raum

Ich mag diese Vorstellung. Denn für viele Menschen riecht der Advent dieses Jahr überhaupt nicht lecker. Da riecht er nach zu vielen Menschen auf zu wenig Raum. Nach verbrannter Erde und Pulverdampf. Nach Verzweiflung und Armut.

Und die Erinnerung an den Stall sagt mir: Gott wird an Weihnachten Mensch. Und das genau dort, wo man es am wenigsten erwartet. Nicht in einem schicken Krankenhaus mit hygienisch einwandfreien Zuständen. Sondern in diesem stinkenden Stall. Mitten hinein.

Keine Angst vor schmutzigen Händen

Das zeigt mir: Gott ist mit dabei. Überall. Er hat keine Angst davor, sich die Hände schmutzig zu machen. Und er kommt zu den Ärmsten der Armen als erstes.

Typische Weihnachtskrippe mit einer Stallszene.Constance Kowalik/Pixabay

Ich bin mir sicher: Gott hätte es auch ganz anders machen können. In der Bibel wird oft erzählt, dass Gott bei den Menschen als Feuersäule erscheint oder in einem brennenden Dornbusch beispielsweise. Aber anscheinend war das nicht nah genug bei den Menschen.

Kleines Kind in stinkendem Stall

So ist er schließlich Mensch geworden, ein kleines Kind in diesem stinkenden Stall. Seitdem wissen wir, wie Gott ist. Sich für nichts zu schade und mittendrin.

Vielleicht spürt man das nicht immer. Aber es gibt mir Hoffnung, dass er auch da ist, wenn mein Advent oder Weihnachten nicht perfekt ist. Denn er kommt zu uns Menschen, genau dahin, wo wir sind. Das ist für mich die Botschaft von Advent und Weihnachten.

Ja, ich mag es, wenn es gut riecht. Und ja, ich liebe diesen besonderen Adventsduft. Aber, egal, wie mein oder auch Ihr Advent riecht oder duftet. Gott ist genau da. Mittendrin.


Der Beitrag wurde in der Reihe „Abendgedanke“ auf SWR4 gesendet