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Zum Tod von Friedrich Hänssler

Landesbischof würdigt „evangelistische Unternehmerpersönlichkeit“

Der evangelische Verleger Friedrich Hänssler ist am Dienstag, 7. Mai 2019, im Alter von 92 Jahren in Holzgerlingen bei Böblingen gestorben. Das teilte seine Familie mit.

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Friedrich Hänssler © SCM Hänssler

„Nie aufgeben, auch wenn es hoffnungslos aussieht, Gott hat einen Plan und lässt dich niemals allein!„ Nach diesem Motto hat der evangelische Verleger Friedrich Hänssler gelebt. Der Plan sah offenbar vor, dass er mit den Kompositionen Johann Sebastian Bachs Verlagsgeschichte schreiben und Liederbücher in Millionenauflage verkaufen sollte. Allerdings auch, dass er mit seinem Unternehmen in die Insolvenz gehen musste. Am Dienstag ist Friedrich Hänssler 92-jährig „im Frieden eingeschlafen“, wie seine Familie in Holzgerlingen bei Böblingen mitteilte. 

Friedrich Hänssler hat in seinem Leben vieles richtig gemacht. Das legen zumindest die Auszeichnungen nahe, die er erhalten hat: Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg, Brenz-Medaille in Silber und damit die höchste Ehrung der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. 

Landesbischof July zum Tod Hänsslers

Betroffen und dankbar zeigte sich der evangelische Landesbischof Württembergs, Dr. h.c. Frank Otfried July: „Friedrich Hänssler war eine herausragende evangelische, ja evangelistische Unternehmerpersönlichkeit. Sein Engagement im Verlags- und Kulturwesen verstand er zuerst als Zeichen christlichen Glaubens, christlichen Zeugnisses, christlicher Haltung - in Wort, Musik und Tat. Er hat 'Rechenschaft gegeben' über die Hoffnung, die in ihm war. So ist sein berufliches und persönliches Leben durch diesen Glauben geprägt.

Die Evangelische Landeskirche dankt für sein vielfältiges und segensreiches Wirken. Sie ist in der Trauer mit seiner Familie verbunden und vertraut ihm dem auferstandenen Jesus Christus an.“

Millionenauflagen erreicht

Doch Ehrungen und Auszeichnungen schienen dem Verleger nicht übermäßig viel zu bedeuten. Aufregender fand er es, welche seiner Veröffentlichungen das Land bewegten.

So brachte er Taschenbücher für eine Deutsche Mark heraus, von denen insgesamt 15 Millionen über den Ladentisch gingen - darunter ein Erstlingswerk des späteren TV-Moderators und EKD-Ratsmitglieds Peter Hahne unter dem Titel „Was ist mein Leben wert?“. Großen Erfolg hatte der Verlag mit den Liederbuchserien „Jesu Name nie verklinget“ und „Feiert Jesus“ die jeweils Millionenauflagen erreichten. 

Friedrich Hänssler studierte nach dem Zweiten Weltkrieg evangelische Theologie und Musikwissenschaft. 1951 trat er in den Verlag ein, den sein Vater 1919 in Stuttgart gegründet hatte. Die Leitung übernahm der Sohn dann 1958 und führte das Haus 13 Jahre lang als reinen Musikverlag weiter. Erst dann kamen die profiliert evangelischen Bücher hinzu. 

Doch der Musik blieb er treu. Den späteren Star-Dirigenten Helmuth Rilling kannte Hänssler schon zu Studienzeiten. Als Rilling ihn für ein Chorwochenende um Noten bat, schenkte er ihm einen Satz Motetten. Damals begann eine bis zu seinem Lebensende dauernde Freundschaft. Mit hohem unternehmerischen Risiko brachte Hänssler das komplette Kantatenwerk von Johann Sebastian Bach heraus, wofür der Verlag dann preisgekrönt wurde. Ende der 90er Jahre machte sich das Gespann Hänssler/Rilling an die Einspielung des Gesamtwerks. Der vollständige Bach auf 172 CDs - das war ein Aufreger in der Musikwelt. 

„Er hat Rechenschaft gegeben über die Hoffnung, die in ihm war.“

Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July

Insolvenz am Geburtstag

Der verheiratete Vater von sechs Kindern taumelte allerdings nicht nur von Erfolg zu Erfolg. Am Tag seines 75. Geburtstages musste er Insolvenz anmelden. Die teure Vertriebsanlage im Verlagsneubau in Holzgerlingen bei Böblingen hatte massive Software-Probleme, so dass es Hänssler einen Großteil des Weihnachtsgeschäfts verhagelte. Der Schaden war so groß, dass die Firma schließlich von der Stiftung Christliche Medien übernommen wurde, in deren Besitz sie sich bis heute befindet. 

Ohne Groll dachte Hänssler an diesen Verlust zurück. „Manche Leute wundern sich, wenn ich das sage, aber: Ich habe meine Firma immer als Gottes Betrieb gesehen, nicht als meinen persönlichen. Deshalb konnte ich damit umgehen, dass sie mir genommen wurde“, sagte er vor seinem 90. Geburtstag dem Evangelischen Pressedienst (epd).

65 Jahre in der Firma

Als Berater machte Hänssler dann im Verlag weiter, ging jeden Tag in den Betrieb, prüfte Manuskript um Manuskript auf Veröffentlichungstauglichkeit. Erst 2016 - nach 65 Jahren im Verlag - wurde er verabschiedet. 

Eine weitere Leidenschaft Hänsslers war die Ermutigung und Seelsorge für Menschen in Verantwortung, insbesondere in der Politik. 1977 nahm er erstmals am Nationalen Gebetsfrühstück in den USA teil, bei dem seit Präsident Dwight D. Eisenhower immer der jeweilige US-Präsident zu Gast ist. Hänssler importierte die Idee, dass sich Politiker parteiübergreifend zum Hören auf die Bibel und zum Gebet versammeln, gemeinsam mit dem früheren baden-württembergischen CDU-Landtagsabgeordneten Rudolf Decker nach Deutschland. Regelmäßige Gebetsfrühstücke gibt es heute im Bundestag und in mehreren Landtagen. 

Im April feierte der Hänssler-Verlag sein 100-jähriges Bestehen. An der Festveranstaltung in Sindelfingen konnte Friedrich Hänssler aufgrund seiner Krankheit aber nicht mehr teilnehmen. 

Quelle: Evangelischer Pressedienst (epd)