Künstliche Intelligenz in der Kirche: „Die Verantwortung bleibt immer beim Menschen“

Interview mit Judith Armbruster, KI-Managerin der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau

Stuttgart. Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt rasant, auch in Kirchen und anderen gemeinnützigen Organisationen. Die Evangelische Landeskirche in Württemberg setzt KI dort ein, wo sie Verwaltungsaufgaben erleichtert, Informationen strukturiert oder bei der Erstellung von Texten unterstützt. „Wir verstehen sie als zusätzlichen, sehr flexiblen Baustein im Kontext der Digitalisierung. KI soll Arbeit und Prozesse erleichtern und dadurch Freiräume schaffen: für Kreativität, für Austausch und vor allem für die Zusammenarbeit zwischen Menschen.“, sagt Judith Armbruster, KI-Managerin der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Gleichzeitig betont sie, dass KI ein Werkzeug sein könne, aber nicht zum Gegenüber werden dürfe, dem wir Verantwortung übertragen, die eigentlich menschlich bleiben müsse: „Besonders in Seelsorge, Beratung, Personalentscheidungen, Bildung und geistlicher Kommunikation braucht es Menschen, die zuhören, abwägen, Verantwortung übernehmen und Beziehung gestalten“, so Armbruster.

Deshalb setze die Landeskirche auf einen bewussten, transparenten und verantwortungsvollen Umgang mit KI sowie auf Orientierung und Qualifizierung für Haupt- und Ehrenamtliche.

Im Folgenden finden Sie den vollen Wortlaut des Interviews mit Judith Armbruster:

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Chancen und Risiken von KI für die evangelische Kirche, speziell in Württemberg?    

Judith Armbruster: Eine große Chance liegt darin, dass KI uns bei wiederkehrenden Aufgaben entlasten kann, so etwa beim Strukturieren von Informationen, beim Formulieren erster Textentwürfe, bei der Zusammenfassung oder der Auswertung von Rückmeldungen.  

Dadurch können wir verwaltungsintensive Prozesse entlasten und Räume schaffen für das, was die Zusammenarbeit in der Kirche im Kern ausmacht: Begegnung zwischen Menschen, Dialog, Verkündigung, Seelsorge, Bildung und gemeinsames Gestalten.  Zugleich kann KI helfen, Wissen leichter zugänglich zu machen und neue Formen der Kommunikation zu ermöglichen.   

Die Risiken liegen vor allem dort, wo KI den Eindruck erweckt, menschliche Fähigkeiten oder Verantwortung ersetzen zu können. Im Einsatz von KI liegen Risiken da, wo Ergebnisse ungeprüft übernommen werden oder Datenschutz und Urheberrecht nicht ausreichend beachtet werden. Wichtig ist deshalb ein bewusster, transparenter und verantwortungsvoller Umgang: KI kann unterstützen, aber Entscheidungen, Beziehung und Verantwortung bleiben beim Menschen.  

Welche Orientierung bietet das christliche Menschenbild für den Umgang mit KI, und an welchen Stellen darf Ihrer Meinung nach Technik den Menschen unterstützen, aber niemals ersetzen?   

Armbruster: Das christliche Menschenbild erinnert uns daran, dass der Mensch nicht auf Leistung oder Effizienz reduziert werden darf. Jeder Mensch ist wunderbar geschaffen, besitzt Talente und Fähigkeiten - sowie ganz grundlegend eine unverfügbare Würde. Das ist eine wichtige Orientierung im Umgang mit KI.  

Technik darf unterstützen, entlasten und neue Möglichkeiten eröffnen, sie darf aber nicht an die Stelle menschlicher Zuwendung, Verantwortung und Urteilskraft treten.  Besonders in Seelsorge, Beratung, Personalentscheidungen, Bildung und geistlicher Kommunikation braucht es Menschen, die zuhören, abwägen, Verantwortung übernehmen und Beziehung gestalten. KI kann ein Werkzeug sein, aber sie darf nicht zum Gegenüber werden, dem wir Verantwortung übertragen, die eigentlich menschlich bleibt.  

Welche Haltungen erleben Sie bei Haupt- und Ehrenamtlichen in Bezug auf KI?    

Armbruster: Grundsätzlich erlebe ich viel Offenheit und Neugier auf das Thema KI. Gleichzeitig ist das vorhandene Vorwissen sehr unterschiedlich. Manche haben noch kaum Berührungspunkte mit KI, andere nutzen entsprechende Werkzeuge bereits regelmäßig. Entsprechend breit ist auch die Bandbreite der Haltungen: Sie reicht von Skepsis, Unsicherheit und Sorge bis hin zu großer Begeisterung und hohen Erwartungen.  

Genau deshalb ist es wichtig, Räume zum Ausprobieren, Lernen und Nachfragen zu schaffen.  Wir möchten nicht voraussetzen, dass alle bereits auf demselben Stand sind, sondern Orientierung geben, Kompetenzen aufbauen und klären, wo KI hilfreich ist und wo Grenzen liegen – besonders aber auch gemeinsam erarbeiten, wo wir Grenzen setzen. 

Zu Ihren Aufgaben gehört die Weiterentwicklung der landeskirchlichen KI-Strategie. Wo steht die württembergische Landeskirche heute beim Einsatz von KI, und welche Ziele möchten Sie in den kommenden Jahren erreichen?   

Judith Armbruster: KI beschäftigt uns als württembergische Landeskirche in vielerlei Hinsicht und verschiedene Dezernate des Oberkirchenrats (Anm.: Die zentrale Verwaltung der Landeskirche) beschäftigen sich aus ihrer jeweiligen Perspektive mit dem Thema, zum Beispiel aus Sicht der Theologie und Ethik, IT und des Daten- oder Umweltschutzes. Zum Einsatz kommt KI vor allem im persönlichen Arbeitsumfeld: Viele Mitarbeitende probieren aus, wie chatbasierte Anwendungen dabei helfen können, Arbeitsschritte zu vereinfachen, Texte vorzubereiten, Informationen zu strukturieren oder Ideen zu entwickeln.   

Darüber hinaus gibt es erste württembergische Pilotprojekte, in denen wir erproben, wie KI auch in komplexeren Prozessen einzelne Teilschritte sinnvoll unterstützen kann. Unser Ziel ist es, KI dort einzusetzen, wo sie einen echten Mehrwert schafft. Wir verstehen sie als zusätzlichen, sehr flexiblen Baustein im Kontext der Digitalisierung. KI soll Arbeit und Prozesse erleichtern und dadurch Freiräume schaffen: für Kreativität, für Austausch und vor allem für die Zusammenarbeit zwischen Menschen.  

Ein weiterer Schwerpunkt Ihrer Arbeit ist die Entwicklung konkreter kirchlicher Anwendungsszenarien. Können Sie Beispiele nennen, bei denen die KI Kirchengemeinden, Einrichtungen oder Verwaltungen ganz praktisch entlasten kann?   

Armbruster: Praktische Entlastung kann an vielen Stellen entstehen, vor allem dort, wo Texte, Informationen oder Abläufe vorbereitet werden müssen. In Kirchengemeinden kann KI beispielsweise helfen, erste Entwürfe für Social-Media-Beiträge oder Beschreibungen für Veranstaltungen zu erstellen. In Einrichtungen und Verwaltungen kann sie unterstützen, lange Dokumente zusammenzufassen, Protokolle vorzustrukturieren, Rückmeldungen zu bündeln oder häufig wiederkehrende Anfragen vorzubereiten. Auch bei der Planung von Veranstaltungen, bei Ideensammlungen oder bei der Entwicklung von Unterrichtsmaterialien kann KI ein hilfreiches Werkzeug sein. Entscheidend ist dabei immer: KI liefert Vorschläge und ist eine Arbeitshilfe. Die fachliche, seelsorgliche und kommunikative Verantwortung bleibt bei den Menschen, die diese Inhalte prüfen, einordnen und weiterbearbeiten.  

KI-Kennzeichnungspflicht  – seit dem 2. August gelten im Rahmen des EU AI Act neue Vorgaben zur Transparenz und Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten. Welche Auswirkungen hat diese Kennzeichnungspflicht auf die Arbeit in der württembergischen Landeskirche und welche praktischen Empfehlungen geben Sie Kirchengemeinden im Umgang mit KI-generierten Texten, Bildern oder Videos?  

Armbruster: Wie Unternehmen und andere Organisationen sind auch wir als Landeskirche verpflichtet, die Transparenz- und Kennzeichnungspflichten des EU AI Act umzusetzen. Dabei ist wichtig: Nicht jeder Inhalt, bei dessen Erstellung KI genutzt wurde, muss automatisch gekennzeichnet werden. Entscheidend ist, um welche Art von Inhalt es geht, wie er veröffentlicht wird und ob für die Öffentlichkeit erkennbar sein muss, dass KI beteiligt war. Relevant ist die Kennzeichnung für zwei Bereiche:  

  1. KI-generierte oder bearbeitete Bilder, Audio- und Videoinhalte, die aussehen, als ob sie in der Realität wirklich so sein könnten, zum Beispiel Bilder von erdachten Personen oder reale Personen in erdachten Situationen, auch Audiospuren, die nicht von Menschen eingesprochen wurden. Kleinere Bearbeitungen wie Kontrast, Lichtverhältnisse oder Entfernen von Hintergrundgeräuschen bei Audiospuren sind nicht zu kennzeichnen.   
  2. Texte zu Themen von öffentlichem Interesse, wenn keine menschliche Prüfung oder redaktionelle Verantwortung erfolgt ist. Kirchengemeinden empfehle ich, KI-generierte Texte nicht ungeprüft zu veröffentlichen und dabei wirklich genau hinzusehen, ob die Inhalte so passen und die Wörter authentisch sind. Auch bei Bildern und Videos rate ich besonders sensibel zu sein, gerne auch Bilddatenbanken zu nutzen als Alternative zu KI-generierten Bildern und im Zweifel offen zu kennzeichnen. Die Kennzeichnung sollte möglichst im Bild stehen, sodass diese auch zu sehen ist, wenn das Bild ohne Bildunterschrift oder Text weiterverwendet oder geteilt wird.
Farbschwäche:

Benutzen Sie die Schieberegler oder die Checkboxen um Farbeinstellungen zu regulieren

Einstellungen für Farbschwäche

Schrift:

Hier können die Schriftgröße und der Zeilenabstand eingestellt werden

Einstellungen für Schrift

Schriftgröße
D
1
U

Zeilenabstand
Q
1
W
Tastenkombinationen:

Mit den aufgeführten Tastenkombinationen können Seitenbereiche direkt angesprungen werden. Verwenden Sie auch die Tabulator-Taste oder die Pfeiltasten um in der Seite zu navigieren.

Inhalt Tastenkombinationen

Hauptnavigation: M
Toolbar Menü: T
Inhalt: C
Footer: F
Barrierefreiheit: A
Hauptnavigation: M
Toolbar Menü: T
Inhalt: C
Footer: F
Schriftgröße +: U
Schriftgröße -: D
Zeilenabstand +: W
Zeilenabstand -: Q
Nachtmodus : Alt (Mac Option Key) + J
Ohne Bilder: Alt (Mac Option Key) + K
Fokus: Alt (Mac Option Key) + G
Tasten­kombinationen: Alt (Mac Option Key) + O
Tastensteuerung aktivieren: Alt (Mac Option Key) + V
Alles zurücksetzen: Alt (Mac Option Key) + Y