Am 25. September 2026 wurden in der Kapelle des Evangelischen Oberkirchenrats in Stuttgart in einem Gottesdienst 15 neue evangelische und katholische Schulseelsorgerinnen und Schulseelsorger in ihren Dienst eingeführt.

Die neuen Schulseelsorgerinnen und Schulseelsorger haben den dreijährigen ökumenischen Weiterbildungskurs „Schulpastoral“, der sich an staatliche und kirchliche Religionslehrkräfte an öffentlichen Schulen richtet und berufsbegleitend angeboten wird, erfolgreich abgeschlossen.
Für die katholische Kirche wirkte Ordinariatsrätin Ute Augustyniak-Dürr an dieser ökumenischen Feier mit. Sie leitet die Hauptabteilung „Schulen“ im Bischöflichen Ordinariat der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Die Predigt hielt Oberkirchenrätin Carmen Rivuzumwami. Sie ist Dezernentin für Bildung, Schule und Diakonat der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Beide Kirchenvertreterinnen überreichten den neuen Schulseelsorgerinnen und Schulseelsorgern ihre Berufungsurkunden und sprachen ihnen einen persönlichen Segen für ihre neue Aufgabe zu.
In ihrer Ansprache an die Absolventen fasste Augustyniak-Dürr die Aufgabe der Schulseelsorge zusammen: „Eine große Herausforderung in unserem Leben ist die Erfahrung, sich in den schwierigsten Zeiten allein, abgetrennt von anderen und vom Leben zu fühlen. Wenn es uns gut geht, ist es leicht, in Kontakt zu sein mit anderen. Die Gemeinschaft mit anderen ist selbstverständlich da. Aber in Krisen, in schmerzlichen Zeiten, in besonderen Herausforderungen fühlt sich das ganz anders an. Es gehört zu den Wirkungen eines Schocks, eines Traumas, einer Überlastung oder Überforderung, dass wir ‚zumachen‘. Dass wir das Umfeld nicht mehr spüren können, uns abtrennen und uns die grundlegende Verbundenheit verloren geht. Und aus der Wahrnehmung wird schnell eine Tatsache: Wir sind allein. Aber es gibt die Zusage Jesu‘: ‚Ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt.‘ Gott ist auch dann noch da, wenn wir ihn nicht wahrnehmen oder spüren können. Das gilt auch für die Menschen, die Ihnen in der Schule begegnen. Als Schulseelsorger und Schulseelsorgerinnen stehen Sie in Ihrem Handeln für diese unerschütterliche Nähe und unverbrüchliche Treue Gottes ein.“
Abgeleitet aus dem Predigttext über die Emmaus-Jünger, denen der auferstandene Jesus begegnete (Lukas 24,13-34), betonte Rivuzumwami: „Seelsorge ist Mitgehen, unbedingtes Zuhören und Inkontaktbringen mit dem biblischen Fundament, das trägt. Das öffnet die Augen und die Auferstehungserfahrungen mitten im Leben. Brannte unser Herz nicht (Vers 32)? Im Herzen ereignet sich Wieder-Erkennen. Der Auferstandene ist nicht mit den Augen zu erkennen. Er erschließt sich im Gespräch, auf dem gemeinsamen Weg, wenn wir das Leben teilen. Wenn wir gemeinsam in Bewegung kommen, kann sich etwas lösen, öffnet sich der Blick zurück und nach vorn, eröffnet sich Zukunft.“
Das dreijährige berufsbegleitende, ökumenisch verantwortete Qualifizierungsangebot, dessen Kosten die Kirchen tragen, wurde erstmals 2017 angeboten. Die Ausbildung vermittelt Beziehungs- und Kommunikationskompetenzen, fördert die Wahrnehmungsfähigkeiten im System Schule, ebenso pluralitäts- und religionssensible Grundhaltungen, um Menschen in Krisensituationen besser begleiten zu können. Vom Gespräch „zwischen Tür und Angel“ bis hin zum Umgang mit Trauer und Tod in der Schule werden Kompetenzen für unterschiedliche Anforderungen in der Schule miteinander besprochen und praxisorientiert eingeübt. Auch eine schriftliche Hausarbeit in Verbindung mit einem durchgeführten schulseelsorgerlichen Projekt und ein Abschlusskolloquium mit der Kursleitung gehören zur Ausbildung.
Inzwischen sind es knapp 200 staatliche und kirchliche Religionslehrkräfte an über 150 Schulen, die mit dieser Aufgabe betraut wurden – neben den vielen Pfarrpersonen, die in den Schulen Religion unterrichten und ebenso für seelsorgerliche Aufgaben bereitstehen.
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