Mit dieser Situation werden in den kommenden Jahren noch einige Kirchengemeinden umgehen müssen: Als in Esslingen-Berkheim eine Pfarrstelle nach dem Weggang der Pfarrperson entfiel und nicht neu besetzt wurde, musste die Kirchengemeinde entscheiden, was mit der Pfarrwohnung passieren sollte. Der Kirchengemeinderat entschied, die Wohung in eine integrative Wohngemeinschaft umzuwandeln - für je zwei junge Frauen und Männer, davon jeweils zwei mit Migrations- oder Fluchtgeschichte und zwei mit deutschen Wurzeln. Mehr über das Projekt erfahren Sie in folgendem Interview mit Kirchengemeinderätin Dr. Petra Güntert und Birgit Landi, Assistenz der Gemeindeleitung.

Warum hat die Gemeinde sich entschieden, nicht zu verkaufen oder klassisch zu vermieten, sondern eine integrative WG einzurichten?
Dr. Petra Güntert: Während der Begehung bei einem KGR-Wochenende kam die Idee auf, die Wohnung in eine integrative WG umzuwandeln und Zimmer preiswert zu vermieten. In Berkheim gibt es eine Kooperation der Ev. Kirche mit den Hoffnungshäusern und engagierten Bürgerinnen und Bürgern, die in der Flüchtlingsarbeit tätig sind; und so lag schnell der Gedanke nahe, Wohnraum für junge Menschen in Ausbildung mit und ohne Migrationsgeschichte/Fluchterfahrung zu schaffen – möglichst im Verhältnis 2:2.

Welche speziellen Probleme oder Herausforderungen waren zu meistern?
Birgit Landi: Die Wohnung musste baulich angepasst werden, es waren Umbauarbeiten notwendig. W-LAN-Zugang musste installiert werden, Schönheitsreparaturen wurden durchgeführt. Durch Spenden aus der Gemeinde konnte die Wohnung mit Haushaltsgegenständen und Möbel für die Gemeinschaftsräume bestückt werden; sogar eine Waschmaschine wurde gespendet. Die rechtlichen Belange rund um die Themen Vermietung und Mietvertrag sowie die Entscheidung über die Höhe der monatlichen Miete mussten geklärt werden. Auch bedurfte es einer Bestätigung seitens der verantwortlichen Stelle, dass das Pfarrhaus umgenutzt werden darf.

Haben sich die Erwartungen der Kirchengemeinde erfüllt, ist die Idee aufgegangen?
Birgit Landi: Ja, die Zimmer konnten wie erwartet an je zwei Menschen mit, bzw. ohne Migrationsgeschichte, vermieten werden.
Ist die WG in irgendeiner Art in das Leben der Gemeinde integriert?
Dr. Petra Güntert: Nein, das war aber auch keine Erwartung.
Was würden Sie im Rückblick anders machen?
Birgit Landi: Tatsächlich gibt es keinen Punkt, den wir rückblickend anders machen würden.
Was würden Sie Gemeinden raten, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen?
Dr. Petra Güntert: Es braucht eine Gruppe von engagierten Menschen, die die zu erledigenden Aufgaben untereinander aufteilen und sich um deren Umsetzung kümmern. Der Zeitaufwand für die laufende Begleitung (Mietersuche/Betreuung/Abrechnung) ist nicht zu unterschätzen und die Zuständigkeit muss im Vorfeld geklärt sein. Anfänglich unterschätzt wurde der Zeitbedarf, den ein durchaus häufiger Mieterwechsel mit sich bringt. Dieser ist bedingt durch die hohe Mobilität der jungen Menschen (Praktika, Familienzusammenzug usw.).Hilfreich war bei der Erstellung der Mietverträge, der Hausordnung und der Ausgestaltung der Mietverhältnisse die Unterstützung und Beratung durch das Rechtsdezernat im Oberkirchenrat.
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