Wenn der Teufel Hitlers Züge trägt

Über die Darstellung des Teufels in der Kunst – Interview mit dem landeskirchlichen Kunstbeauftragten Johannes Koch 

Seit Wochen tobt die Diskussion um eine Teufelsfigur auf dem Esslinger Rathausplatz. Sie zeigt den Teufel aus einer bekannten Esslinger Stadt-Legende in dem Moment, in dem er ärgerlich bemerkt, dass eine kluge Marktfrau ihn überlistet hat. Aber darf man den Teufel öffentlich zeigen? Darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Da kann ein Blick in die Kunstgeschichte helfen. Pfarrer Johannes Koch, Kunstbeauftragter der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, erklärt im Interview, was es mit der Darstellung des Teufels in der Kunst auf sich hatte und hat – und warum in Weil der Stadt ein Teufel aussieht wie Adolf Hitler.

Johannes Koch, Kunstbeauftragter der Landeskirche, berät unter anderem Kirchengemeinden in künstlerischen Fragen.

Warum finden sich Teufelsdarstellungen an und in vielen historischen Kirchen? 

Johannes Koch: Darstellungen des Teufels ziehen sich durch die gesamte Geschichte der christlichen Kunst. Die Gotik (ca. 1200–1500) aber ist die Blütezeit der Teufels- und Dämonendarstellungen. Wie schon in der Romanik (ca. 1000–1200) finden sie sich häufig auf Darstellungen des Weltgerichts. An Kirchenportalen markieren Teufelsgestalten die Grenze zwischen der gefährlichen Welt und dem Schutzraum der Kirche. An den Außenwänden halten Wasserspeier mit Teufelsfratzen das Regenwasser von den Fundamenten der Kirche fern und damit im übertragenen Sinn das Unheilbringende schlechthin: Böses durch Böses vertreibend. Im Innenraum begegnen Teufelsgestalten auf Fresken, die biblische Geschichten erzählen. Im Barock (ca. 1600 – 1750) erscheinen sie meist als besiegte Mächte unter den Füßen der Heiligen, gern auch in Gestalt von Drachenwesen. Der Teufel ist der Diabolos aus der Offenbarung des Johannes, der darauf bedacht ist, die guten Ordnungen Gottes durcheinanderzubringen. Als Beelzebub mit Hörnern und Klauen gilt er als der Verursacher von Krankheiten und Exzessen. Als Satan verkörpert er die unheimliche Macht, die Menschen weglocken will vom Guten, vom Wahren, von Gott.  

Welche Funktion haben Teufelsdarstellungen in der kirchlichen Kunst und für die Gläubigen? 

Johannes Koch: Gerade durch ihre oft drastische Gestaltung erinnern Teufelsdarstellungen daran, dass die unheimlichen Mächte weder verharmlost noch verdrängt werden dürfen. Teufelsdarstellungen verleihen menschlichen Erfahrungen von Schicksal und Schuld, Gewalt und Abgründigkeit eine fassbare Gestalt. Sie warnen und mahnen. Der Glaube bleibt angefochten, das Vertrauen auf Gott muss dem Widersacher immer wieder abgerungen werden. Allerdings ist seine Macht begrenzt. Die Getauften kann er zwar noch plagen, aber sie gehören nicht mehr ihm, sondern Christus, dem Überwinder von Tod und Teufel. Darum konnte Martin Luther sagen: „Wenn du spürst, dass der Teufel nach dir greift und dir an deinem Leben aufzeigen will, dass du sein bist, dann sei getrost. Denn er greift nicht nach denen, die er schon hat, sondern nach denen, die er nicht besitzt, weil sie Gottes Kinder sind.“ Figürlich wird die geglaubte Ohnmacht des Teufels bisweilen auch dadurch zum Ausdruck gebracht, dass er grotesk und lächerlich dargestellt wird, als Tollpatsch, Gelackmeierter oder Möchtegern-Herrscher. Vom magischen Denken, das Dingen eine eigenständige übernatürliche Wirkkraft zuerkennt, wurde und wird der Teufel allerdings auch heute noch vereinzelt vereinnahmt. Die Fratzen, denen die Kraft zugeschrieben wird, Dämonen und allerhand Böses abzuwehren, wurden bereits erwähnt. Aber auch die Vorstellung, dass ein Standbild des Teufels als solches negative Energien übertragen könnte, gehört in den Bereich des Magischen und sollte Glaubende nicht verunsichern. 

Kommt der Teufel auch in aktueller kirchlicher Kunst vor?  

Johannes Koch: Heute tauchen klassische Teufelsgestalten in der Kunst selten auf. Aber auch heute übersieht gute christliche Kunst nicht, dass der Glaube angefochten wird durch Vieles, wofür die Figur des Teufels stand und steht: Gewalt, Unterdrückung, Ausgrenzung und Versagensängste. In Württemberg hat ein kleines Kirchenfenster Berühmtheit erlangt, das um 1940 entstand. Es zeigt die Versuchung Jesu in der Wüste durch den Teufel (Mt.4). Josef Karl Huber, dessen Werke von den Nazis als „entartet“ eingestuft worden waren, hat es im Auftrag des katholischen Pfarrers von Weil der Stadt geschaffen. Mit einer politischen Botschaft, die Widerspruch riskierte und drastische Folgen. Der Teufel trägt unverkennbar die Gesichtszüge Adolf Hitlers. Mutig wird der „Führer“ als Satan, als „Verführer“, gebrandmarkt. Zu sehen in der Stadtkirche St. Peter und Paul. 

Mehr dazu lesen Sie in Stellungnahmen weiterer landeskirchlicher Experten: Pfarrer Andreas Oelze (Weltanschauungsbeauftragter) und Pfarrerin Dr. Evelina Volkmann, Leiterin des Referats Theologie, Gottesdienst und Gesellschaft im Evangelischen Oberkirchenrat. Sie finden die Stellungnahmen ebenso wie ein erstes Statement von Pfarrer Johannes Koch hier. 

Die Landeskirche in den sozialen Netzwerken

Instagram @elkwue - Newskanal der Landeskirche

Externer redaktioneller Inhalt

Hier wird Ihnen ein externer redaktioneller Inhalt bereitgestellt. Sofern Sie sich diesen anzeigen lassen, kann es sein, dass Daten von Ihnen an den Anbieter des externen Inhaltes gesendet werden.

Hinweis für Kirchengemeinden

Kirchengemeinden sind herzlich eingeladen, Texte wie diesen von www.elk-wue.de in ihren eigenen Publikationen zu verwenden, zum Beispiel in Gemeindebriefen. Sollten Sie dabei auch die zugehörigen Bilder nutzen wollen, bitten wir Sie, per Mail an kontaktdontospamme@gowaway.elk-wue.de nachzufragen, ob die Nutzungsrechte für den jeweiligen Zweck vorliegen. Gerne können Sie alle Bilder nutzen, die Sie im Pressebereich unserer Webseite finden. Sie möchten in Ihrem Schaukasten auf unsere Webseite verlinken? Hier erfahren Sie, wie Sie dafür einen QR-Code erstellen können. 

Weitere Texte, Grafiken und Vorlagen für Ihre Kanäle finden Sie auf unserer Materialseite.

Schon gewusst?

Was es mit der Kirchensteuer auf sich hat, wie sie bemessen wird und welche positiven Effekte die Kirchen mit der Kirchensteuer an vielen Stellen des gesellschaftlichen Lebens erzielen, erfahren Sie auf www.kirchensteuer-wirkt.de.

Grafik Kirchensteuer wirkt Bildung

Weitere Meldungen, die Sie interessieren könnten

Teams-Talk: Einsatz von KI in der Gemeinde

Einsatz von KI in der Gemeinde

Bei diesem digitalen Teams-Talk geht es darum, wie Künstliche Intelligenz sinnvoll in Kirchengemeinden eingesetzt werden kann. Welche Erfahrungen wurden schon gemacht? Wo liegen die Herausforderungen? Kommen Sie mit anderen ins Gespräch und diskutieren Sie mit.

Weiterlesen

TV-Tipp: Seelsorge an der Autobahn

Sommerzeit ist Reisezeit. Energie tanken können Reisende und LKW-Fahrerinnen und -Fahrer an Rastplätzen – und in Autobahnkirchen. Was versprechen sich Menschen von einem Besuch, was erwartet sie dort? Darüber spricht Heidrun Lieb mit Gästen im TV-Talk „Alpha & Omega“.

Weiterlesen

500 Jahre Abendmahl mit Brot und Wein für alle

Am 14. August 1524 bot Matthäus Alber in Reutlingen das Abendmahl in Form von Brot und Wein an - eine Sensation. Landesbischof Gohl, Theologin Dr. Schenk und Dr. Schneider, Leiter des theologischen Dezernats, über die Umwälzung, die biblische Botschaft und heutige Bedeutung.

Weiterlesen

TV-Tipp: Wer kümmert sich in Zukunft um Senioren und Kinder?

Gaby Schröder vom Evangelischen Verein Fellbach e.V. kennt den Personalnotstand aus der ambulanten Pflege und aus Kindertageseinrichtungen. Wie kann das immer drängendere Problem gelöst werden? Darüber spricht sie mit "Alpha & Omega“-Moderatorin Heidrun Lieb.

Weiterlesen

Radiogottesdienst: „Wer bestimmt meinen Wert?“

„Es gibt wohl kaum eine Phase im Leben, in der wir uns nicht irgendwelchen Bewertungen stellen müssen“, sagt Pfarrer Jacob Wahl aus Crailsheim-Roßfeld. Darum geht es am 11. August im Radiogottesdienst des Deutschlandfunks aus der Martinskirche Roßfeld.

Weiterlesen

Landesbischof Gohl beantwortet Kinderfragen

Schülerinnen und Schüler des Sibilla-Egen-Gymnasiums in Schwäbisch Hall haben Landesbischof Gohl Fragen gestellt, die sie im Religionsunterricht mit ihrer Lehrerin Elisabeth Mittnacht im Zusammenhang mit Martin Luther diskutiert haben. Hier lesen Sie einige seiner Antworten.

Weiterlesen

Farbschwäche:

Benutzen Sie die Schieberegler oder die Checkboxen um Farbeinstellungen zu regulieren

Einstellungen für Farbschwäche

Schrift:

Hier können die Schriftgröße und der Zeilenabstand eingestellt werden

Einstellungen für Schrift

Schriftgröße
D
1
U

Zeilenabstand
Q
1
W
Tastenkombinationen:

Mit den aufgeführten Tastenkombinationen können Seitenbereiche direkt angesprungen werden. Verwenden Sie auch die Tabulator-Taste oder die Pfeiltasten um in der Seite zu navigieren.

Inhalt Tastenkombinationen

Hauptnavigation: M
Toolbar Menü: T
Inhalt: C
Footer: F
Barrierefreiheit: A
Hauptnavigation: M
Toolbar Menü: T
Inhalt: C
Footer: F
Schriftgröße +: U
Schriftgröße -: D
Zeilenabstand +: W
Zeilenabstand -: Q
Nachtmodus : Alt (Mac Option Key) + J
Ohne Bilder: Alt (Mac Option Key) + K
Fokus: Alt (Mac Option Key) + G
Tasten­kombinationen: Alt (Mac Option Key) + O
Tastensteuerung aktivieren: Alt (Mac Option Key) + V
Alles zurücksetzen: Alt (Mac Option Key) + Y