Tradition trifft Trampolin: Die MiKi in Heidenheim

Mitten in Heidenheim läuft derzeit ein außergewöhnliches Projekt: Die Michaelskirche wird zur MiKi

Die Miki ist ein Treffpunkt für Jugendliche, der Glauben, Gemeinschaft und Freizeit miteinander verbindet. Das Besondere dabei: Die Jugendlichen bauen ihre Kirche selbst um und gestalten mit, wie Kirche für ihre Generation aussehen kann.

Trampolinhüpfen in der Kirche, auf Sofas chillen neben historischen Chorgestühlen, eine Gebetstelefonzelle, Kletterwände und ein Gaming-Bereich: Was ungewöhnlich klingt, ist Teil eines innovativen Konzepts für die Zukunft kirchlicher Jugendarbeit. Das Projekt MiKi – kurz für Michaelskirche – wird seit Ende 2025 durch den Innovationsfonds der Evangelischen Landeskirche in Württemberg gefördert. Im Mittelpunkt steht die aktive Beteiligung junger Menschen.

Wir haben Projektleiter Stefan Hörz, Jugendreferent des Evangelischen Jugendwerks im Kirchenbezirk Heidenheim, gefragt, wie die Idee entstanden ist, wie die Miki angenommen wird und was noch geplant ist. 

Wie würden Sie die MiKi jemandem erklären, der noch nie davon gehört hat? 

Stefan Hörz: Die MiKi ist eine Kirche von Jugendlichen für Jugendliche. Die Jugendlichen entscheiden, wie der Raum aussieht, und bauen das Meiste davon selbst. Mit der MiKi möchten wir einen Ort für junge Menschen schaffen, an dem Sie sich willkommen fühlen, Spaß haben, Gemeinschaft erleben und den Glauben kennenlernen können.  

Wie entstand die Idee, aus der Michaelskirche einen Jugendtreffpunkt zu machen? 

Hörz: Der damalige Dekan Gerd Häußler wollte die Michaelskirche wieder mit Leben füllen und hat dafür ein zweijähriges Beteiligungsformat mit der Gemeinde gestartet. Ich selbst war schon mehrere Jahre aktiv auf der Suche nach einem Kirchengebäude für eine innovative Jugendkirche. Gerd Häußler ist auf meine Ideen aufmerksam geworden, und so kam beides zusammen. Seit Sommer 2025 bin ich beim Evangelischen Jugendwerk Heidenheim für die MiKi zuständig. 

Was wäre ohne das Projekt Miki aus der Kirche geworden? 

Hörz: Die Michaelskirche wäre wohl eine Kirche geblieben, die dann aber zum Großteil verschlossen wäre. Abgesehen von einzelnen Veranstaltungen wurde sie nicht mehr genutzt. Viele Gemeinden fragen sich zurzeit, welche Gebäude sie langfristig halten können. Eine Kirche, in der regelmäßig junge Menschen ein und aus gehen, hat bei dieser Frage meiner Meinung nach die besten Karten. 

Welche Rolle spielen die Jugendlichen bei der Gestaltung der MiKi? 

Hörz: Die Jugendlichen sind der Kern der ganzen Umgestaltung. Sie bringen die Ideen ein, stimmen darüber ab und planen mit. Umgesetzt wird das meiste im Baujugendkreis. Dort treffen sich regelmäßig Jugendliche und gestalten die MiKi um. Außerdem sind die Angebote ganz klar für Jugendliche ausgerichtet. 

Gab es eine Idee von Jugendlichen, die Sie besonders überrascht hat? 

Hörz: Richtig stark fand ich die Idee eines Geheimraums. Da müssen wir noch schauen, wie wir das umsetzten (ist ja auch geheim). Was mich auch überrascht hat ist, wie begeistert viele Jugendliche von der Orgel sind. Deshalb organisieren wir am 8. November ein Orgelkonzert, bei dem die Jugendlichen die Setlist zusammenstellen. 

Wie reagieren ältere Gemeindeglieder oder Kirchenbesucher auf die Veränderungen? 

Hörz: Die meisten reagieren sehr positiv. Viele wurden in der Michaelskirche getauft oder konfirmiert und freuen sich, dass wieder Leben in ihre Kirche kommt. Oft höre ich: Gut, dass die Kirche etwas für junge Leute macht, Hauptsache, sie bleibt eine Kirche. Es gibt aber auch kritische Stimmen. Manche sorgen sich um die Orgel, um das Gebäude oder darum, ob ihre Veranstaltungen weiter stattfinden können. Diese Sorgen nehmen wir als Team ernst. Der Kirchengemeinderat hat sich für die MiKi als Jugendkirche entschieden und stärkt uns den Rücken. Dafür bin ich sehr dankbar. 

Wo ziehen Sie die Grenze zwischen innovativer Nutzung und dem Respekt vor dem Kirchenraum? 

Hörz: Gerade der Kontrast zwischen Alt und Neu macht die MiKi spannend. Die Grenze ziehen wir gemeinsam mit dem Denkmalschutz und dem Kirchengemeinderat: Jede Veränderung stimmen wir vorher ab, und wir gehen so schonend wie möglich mit dem Gebäude um. Die Michaelskirche bleibt ein Ort, an dem gebetet und Gottesdienst gefeiert wird. 

Welche Bedeutung hat der christliche Glaube im Alltag der MiKi? 

Hörz: Der Glaube ist der Grund, warum es die MiKi gibt. Wie stark er im Vordergrund steht, hängt vom Angebot ab. Im Jugendkreis und im Baujugendkreis gibt es jedes Mal einen kurzen Impuls und Gespräche über den Glauben. Bei der Open Church, freitags von 12:00 bis 16:30 Uhr, ist die Kirche für alle offen, und der Glaube läuft leiser mit: Es gibt eine Gebetsbox, Plakate, die in wenigen Sätzen erzählen, worum es im Evangelium geht, christliche Bücher und Bibelkekse. Niemand muss etwas glauben, um dabei zu sein. Wer Fragen hat, findet hier aber jemanden, der zuhört.  

Was erleben Jugendliche in der MiKi, das sie an anderen Orten vielleicht nicht finden? 

Hörz: Einen Ort, an dem sie einfach sein dürfen, ohne etwas kaufen oder leisten zu müssen. Und die Erfahrung, dass ihre Ideen tatsächlich umgesetzt werden: Wer an der Bar sitzt, die er selbst mitgebaut hat, merkt, dass seine Stimme zählt. 

Die MiKi wird vom Innovationsfonds der Landeskirche gefördert. Was ermöglicht diese Unterstützung? 

Hörz: Mit der Förderung konnten wir die ersten Projekte umsetzen. Wir haben eine Bar, Außenmöbel, eine Gaming Area und einen Raumteiler gebaut. Einen großen Teil des Baumaterials konnten wir über den Innovationsfonds bezahlen. Aber auch Dinge wie christliche Bücher oder Spiele konnten wir damit finanzieren. Für diese Unterstützung sind wir der Landeskirche sehr dankbar. Für die weitere Umgestaltung sind wir auf Förderungen und Spenden angewiesen.  

Was wünschen Sie sich für die MiKi in den kommenden drei bis fünf Jahren? 

Hörz: Ich wünsche mir, dass die Kirche an jedem Tag der Woche voller Leben ist: mittags Essen für Schülerinnen und Schüler, nachmittags Hausaufgabenbetreuung, abends Jugendkreis oder Gottesdienst. Dass hier Jugendliche aus ganz unterschiedlichen Schulen und Vierteln zusammenkommen. Vor allem wünsche ich mir, dass die MiKi ein Ort ist, an dem Menschen Jesus kennenlernen. Und vielleicht macht sie anderen Gemeinden Mut, mit ihren Kirchen etwas Neues auszuprobieren.  

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