„In solchen Momenten merke ich, dass Gott durch mich wirken kann“

Prädikantin Dilara Wasserbäch möchte Menschen aller Generationen für Gottesdienst und Glauben begeistern.

Als Mitarbeiterin in der Jugendarbeit begann für Dilara Wasserbäch der Weg in den Prädikantendienst in der Verbundskirchengemeinde Meimsheim-Botenheim. Heute gestaltet sie selbst Gottesdienste und erlebt, wie Gott durch ihre Worte Menschen erreicht. Im Interview berichtet sie von ihren ersten Predigten, bewegenden Begegnungen und ihrem Wunsch, insbesondere junge Menschen für Kirche und Glauben zu gewinnen.

Dilara Wasserbäch ist Prädikantin in der Verbundskirchengemeinde Meimsheim-Botenheim
Dilara Wasserbäch ist Prädikantin in der Verbundskirchengemeinde Meimsheim-Botenheim

Wie sind Sie zur Prädikantenarbeit gekommen und was hat Sie motiviert, Prädikant zu werden?

Dilara Wasserbäch: Schon seit einigen Jahren bin ich Mitarbeiterin in der Jugendgruppe unserer Gemeinde und habe dort auch schon häufiger Andachten vorbereitet und gehalten. Unsere Pfarrerin hat mir dann einmal zurückgemeldet, dass es mir liege, vor anderen zu sprechen, und mich auf den Prädikantendienst aufmerksam gemacht. Da ich damals aber noch recht jung war, habe ich mich noch nicht ernsthaft damit auseinandergesetzt, selbst Prädikantin zu werden.

Jahre später ist es mir immer mehr ein Anliegen geworden, junge Menschen zu motivieren, in die Kirche zu gehen, woraufhin ich angefangen habe, in unserer Jugendgruppe sonntags in den Gottesdienst einzuladen, und tatsächlich sind daraufhin immer wieder junge Menschen meiner Einladung gefolgt und kamen in den Gottesdienst. Dadurch kam in mir die Frage auf, wie man noch mehr junge Menschen motivieren kann, in die Kirche zu kommen. Ich habe mir dazu viele Gedanken gemacht, mit verschiedenen Leuten gesprochen und bin auch ins Gebet gegangen. So kam in mir wieder die Erinnerung an den Prädikantendienst. Ich habe mich gefragt, ob es vielleicht noch mehr junge Menschen motivieren könnte, in die Kirche zu gehen, wenn sie nicht nur von einem jungen Menschen wie mir eingeladen werden, sondern auch aktiv in der Gottesdienstgestaltung mitwirken sehen. So kam ich schließlich zu meinem Amt als Prädikantin.

Prädikanten sind ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in evangelischen Kirchen, die nach einer speziellen Ausbildung bestimmte gottesdienstliche Aufgaben übernehmen dürfen. Sie leiten Gottesdienste und halten Predigten, ohne ordinierte Pfarrerinnen oder Pfarrer zu sein. Zurzeit sind circa 860 Frauen und Männer in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg im Prädikantendienst aktiv.

Weitere Informationen zur Prädikantenarbeit finden Sie hier

Was begeistert Sie daran, Gottesdienste vorzubereiten und zu gestalten?

Wasserbäch: Ich liebe es, Gott zu ehren und Raum zu schaffen, um genau das zu tun. Wo könnte man das besser als im Gottesdienst? Seitdem ich Prädikantin bin, habe ich das Gefühl, dass ich auch als Gottesdienstbesucherin wesentlich gegenwärtiger bin und ein besseres Bewusstsein dafür habe, was alles dahintersteckt an Organisation und Dienst durch vieles anderes. Außerdem liebe ich es, wie ich mit jedem Dienst als Prädikantin mehr lernen darf über Gott und sein Wirken. Ich schätze sehr die Ausarbeitung der Predigten mithilfe der Predigtvorlagen und auf wie viele unterschiedliche Weisen man einen Bibeltext betrachten kann. Das bereichert auch meine tägliche Bibellese im Privaten, da ich dadurch immer wieder entdecken darf, wie viel wir doch aus der Bibel entnehmen und lernen können.

Welche Begegnung oder Erfahrung ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Wasserbäch: Meine ersten Predigten, die ich halten durfte, waren für mich sehr herausfordernd. Nicht nur aufgrund der Nervosität, die erste Predigt in einer Gemeinde zu halten, sondern auch, weil ich als Predigttext jedes Mal eine Heilungsgeschichte vorliegen hatte. Da ich selbst seit mehreren Jahren um Heilung bete, für eine nahestehende Person, weiß ich sehr gut, wie viele Fragen und vielleicht auch Kummer so ein Bibeltext auslösen kann. Mir war es wichtig, den Menschen zu zeigen, dass sie mit ihren Sorgen und Schmerzen nicht alleine sind, ohne den Menschen, die vielleicht viel älter sind als ich und schon viel mehr Schmerz in ihrem Leben erleben mussten, das Gefühl zu vermitteln, dass ich es besser wüsste.

Wie bei jeder Gottesdienstvorbereitung habe ich zu Gott gebetet und ihn um seine Weisheit und Führung für mich gebeten. Nach diesen Predigten habe ich viele positive Rückmeldungen bekommen. Vor allem hat es mich bewegt, als Menschen, die selbst krank sind, auf mich zukamen und meinten, dass ich durch meine Worte in ihr Leben gesprochen habe. In solchen Momenten merke ich, dass Gott durch mich wirken kann und mich zu Worten und Handlungen befähigt, die ich mir ohne ihn nicht zugetraut hätte.  

Welche Rückmeldungen erhalten Sie aus den Gemeinden?

Wasserbäch: Bisher habe ich nur positive und wertschätzende Rückmeldungen erhalten. Was mich sehr gefreut hat, war, dass nicht nur junge Menschen meinen Dienst als bereichernd ansehen, sondern auch ältere Personen sich darüber freuen, wenn ein junger Mensch wie ich vorne steht und den Gottesdienst hält. Mir ist es ein großes Anliegen, dass sich Personen aus allen Altersgruppen im Gottesdienst mit mir wohlfühlen können.

Warum würden Sie anderen Menschen empfehlen, selbst diesen Dienst zu übernehmen?

Wasserbäch: Dafür gibt es viele Gründe. Einmal gibt es natürlich einen großen Bedarf. Ohne den Prädikantendienst würden vermutlich viele Gottesdienste sonntags nicht stattfinden können, da es niemanden gibt, der den Gottesdienst hält. Diese Vorstellung finde ich furchtbar, nicht nur für die Menschen, die sich danach sehnen, unter Leute zu kommen und von Gott zu hören oder ihn zu erleben, sondern auch, weil es so wichtig ist, dass wir nicht aufhören, Gott zu preisen, sein Wort zu verkünden und ihm die Ehre zu geben. Gleichzeitig ist der Dienst aber auch für einen selber ein großes Geschenk. Man investiert zwar seine Zeit für die Vorbereitung, aber wie bereits erwähnt, lerne auch ich mit jedem Gottesdienst und jeder neuen Ausarbeitung einer Predigt wieder mehr von Gott und seinem Wirken.

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