„Wir brauchen den moralischen Kompass, die unbestechliche Haltung, den Blick für das große Ganze der Kirchen“

Alt-Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl diskutierten bei Langer Nacht der Demokratie in Calw

„Gerade eine säkulare Gesellschaft braucht das, was uns nur der Glaube und die Kirchen geben können“, sagte Alt-Ministerpräsident Winfried Kretschmann am 2. Oktober im Beisein von Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl bei einer Veranstaltung im Rahmen der Langen Nacht der Demokratie in Calw.

Der christliche Glaube erzähle „von Schöpfung, Menschwerdung und ewigem Leben. Also von der Verantwortung für die Welt, für die Menschen, für die Zukunft. Er erzählt uns von Nächsten- und Feindesliebe. Also von Empathie und Respekt. Und er erzählt uns von Umkehr und Vergebung. Also von Neuanfang und Toleranz“, sagte Kretschmann. Er betonte, es brauche „Kirchen, die uns in diesen Zeiten des Umbruchs begleiten: Mit einem klaren Wertekompass, der Lebensklugheit mit konstruktiver Kritik verbindet. Als Anwälte für Freiheit und Demokratie, für Gleichheit und Rechte, für Toleranz und Frieden. Und mit einer Haltung, die Respekt, Resonanz und Vertrauen nicht nur anderen predigt, sondern selber lebt.“

Viele Menschen schätzten laut Umfragen die Kirchen nach wie vor, etwa „ihre Präsenz an Wendepunkten unseres Lebens wie Geburt, Adoleszenz und Hochzeit, aber auch Krankheit, Leiden und Sterben“ sowie „ihre kritische Begleitung gesellschaftlicher Debatten. Da brauchen wir den moralischen Kompass, die unbestechliche Haltung, den Blick für das große Ganze“. Ebenso sehnten sich Menschen „nach der Vergebung wider alle Schuld, nach der Liebe wider allen Hass und nach dem Leben wider alle Begrenztheit, […] nach dem liebenden, befreienden und erlösenden Gott. Und die Kirchen erzählen uns von ihm.“

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl betonte in seiner Antwort auf Winfried Kretschmanns Impuls die Bedeutung der Kirche auch als Institution. Die Unterscheidung von Religion und Kirche sei zwar „Ausdruck eines modernen Verständnisses von Kirchen und säkularem Staat. Religion ist nicht zwangsläufig Kirche und Kirche ist nicht zwangsläufig Religion.“ Wissenschaftliche Untersuchungen belegten jedoch: „Dort, wo sich christliche Religion außerhalb von Kirche etabliert, wo sich also Religion ohne institutionellen Rückhalt versteht, ist diese religiöse Erfahrung nicht nachhaltig.“ Deshalb überrasche es nicht, „dass der Staat nach Ansprechpartnern für religiöse Praxis sucht und sie in den Kirchen bis heute findet.“ Basis sei dafür jedoch die Unabhängigkeit von Staat und Kirche.

Gohl stimmte Kretschmann zu, dass „es Aufgabe der Kirche ist, Orientierung zu geben in einer zunehmend anonymisierten und individualisierten Gesellschaft.“ Frankreich zeige, „wie schwer sich eine säkulare Gesellschaft tut, wenn sie die Religion und ihre Vertreter in den nicht-öffentlichen Raum verbannt. Dort, wo Religion und Kirche dagegen öffentlich gelebt werden und sich den Herausforderungen einer säkularen Gesellschaft stellen müssen, stehen sie nicht im Verdacht, eine eigene Parallelwelt zu etablieren.“

Gohl griff zudem von Kretschmann das Stichwort der „Humanität“ auf. Eine Gesellschaft, die sich um den Schutz der Schwachen kümmere, handle aus einer humanen Grundhaltung heraus: „In den Kirchen setzen sich viele ganz unkompliziert für die Unterstützung dieser Menschen ein“, etwa in der Hilfe für ukrainische Geflüchtete ebenso wie für Hilfslieferungen in die Ukraine. Die Voraussetzung für dieses Engagement sei „eine tief verwurzelte Humanität. Es macht einen großen Unterschied, ob sich eine Gesellschaft vom Gleichnis des barmherzigen Samariters leiten lässt oder vom egoistischen Materialismus.“

Die Landeskirche in den sozialen Netzwerken

Instagram @elkwue - Newskanal der Landeskirche

Externer redaktioneller Inhalt

Hier wird Ihnen ein externer redaktioneller Inhalt bereitgestellt. Sofern Sie sich diesen anzeigen lassen, kann es sein, dass Daten von Ihnen an den Anbieter des externen Inhaltes gesendet werden.

Hinweis für Kirchengemeinden

Kirchengemeinden sind herzlich eingeladen, Texte wie diesen von www.elk-wue.de in ihren eigenen Publikationen zu verwenden, zum Beispiel in Gemeindebriefen. Sollten Sie dabei auch die zugehörigen Bilder nutzen wollen, bitten wir Sie, per Mail an kontaktdontospamme@gowaway.elk-wue.de nachzufragen, ob die Nutzungsrechte für den jeweiligen Zweck vorliegen. Gerne können Sie alle Bilder nutzen, die Sie im Pressebereich unserer Webseite finden. Sie möchten in Ihrem Schaukasten auf unsere Webseite verlinken? Hier erfahren Sie, wie Sie dafür einen QR-Code erstellen können. 

Weitere Texte, Grafiken und Vorlagen für Ihre Kanäle finden Sie auf unserer Materialseite.

Schon gewusst?

Was es mit der Kirchensteuer auf sich hat, wie sie bemessen wird und welche positiven Effekte die Kirchen mit der Kirchensteuer an vielen Stellen des gesellschaftlichen Lebens erzielen, erfahren Sie auf www.kirchensteuer-wirkt.de.

Weitere Meldungen, die Sie interessieren könnten

Kirche auf der CMT

Der gemeinsame Stand der vier großen christlichen Kirchen im Land auf der Reise-Messe CMT hat dieses Jahr das Schwerpunktthema „Innehalten in Baden-Württemberg“.

Weiterlesen

„Lebendige Bibliothek“: Ein #VerständigungsOrt in Rottweil

Mit dem Gesprächsformat „Lebendige Bibliothek“ schafft die Evangelische Erwachsenenbildung SüdwestWürttemberg einen Ort zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt Geschäftsführerin Dr. Janina Niefer, was unter lebendigen Büchern zu verstehen ist und inwiefern Teilnehmende mit ihrer Hilfe über den eigenen Tellerrand hinausblicken können.

Weiterlesen

Pétur Thorsteinsson: neuer Geschäftsführer des GAW Württemberg

Das Gustav-Adolf-Werk (GAW) Württemberg, das Diaspora-Hilfswerk der württembergischen Landeskirche, bekommt einen neuen Geschäftsführer: Pétur Thorsteinsson tritt diese Aufgabe zum 1. Februar an.

Weiterlesen

Gottes radikale Menschenfreundlichkeit

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl erinnert in seiner Neujahrsbotschaft mit Blick auf die Jahreslosung 2026 aus dem Buch der Offenbarung an die Hoffnung und die Gewissheit, dass Gottes Menschenfreundlichkeit stärker ist als alle Menschenfeindlichkeit.

Weiterlesen

„Das stärkste Zeichen der Menschenfreundlichkeit Gottes“

Hier finden Sie die Weihnachtsbotschaft von Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl sowie seine Weihnachtspredigt und sein Weihnachtsvideo.

Weiterlesen

Gemeinsam für Frieden und Verständigung einstehen

Die beiden Israelitischen Religionsgemeinschaften, die vier großen christlichen Kirchen und die Stadt Pforzheim haben am 20. Dezember 2025 nach Schabbatende zu einem gemeinsamen Festakt eingeladen. Die Feier stand nach dem antisemitischen Terrorangriff in Sydney auch im Zeichen des Gedenkens an die Opfer.

Weiterlesen

Farbschwäche:

Benutzen Sie die Schieberegler oder die Checkboxen um Farbeinstellungen zu regulieren

Einstellungen für Farbschwäche

Schrift:

Hier können die Schriftgröße und der Zeilenabstand eingestellt werden

Einstellungen für Schrift

Schriftgröße
D
1
U

Zeilenabstand
Q
1
W
Tastenkombinationen:

Mit den aufgeführten Tastenkombinationen können Seitenbereiche direkt angesprungen werden. Verwenden Sie auch die Tabulator-Taste oder die Pfeiltasten um in der Seite zu navigieren.

Inhalt Tastenkombinationen

Hauptnavigation: M
Toolbar Menü: T
Inhalt: C
Footer: F
Barrierefreiheit: A
Hauptnavigation: M
Toolbar Menü: T
Inhalt: C
Footer: F
Schriftgröße +: U
Schriftgröße -: D
Zeilenabstand +: W
Zeilenabstand -: Q
Nachtmodus : Alt (Mac Option Key) + J
Ohne Bilder: Alt (Mac Option Key) + K
Fokus: Alt (Mac Option Key) + G
Tasten­kombinationen: Alt (Mac Option Key) + O
Tastensteuerung aktivieren: Alt (Mac Option Key) + V
Alles zurücksetzen: Alt (Mac Option Key) + Y