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"Der Gewalt ein Ende machen"

Weihnachtsbotschaft 2014 von Landesbischof Frank Otfried July

Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July.EMH/Gottfried Stoppel

"Weihnachten 2014 ist ein Fest der Gegensätze. Auf der einen Seite feiern es die meisten von uns wie immer: in der Familie, mit Freunden. Auf der anderen Seite sind gerade in diesem Jahr viele Menschen auf der Flucht. Familien werden auseinandergerissen, Heimat geht verloren. Hier das Vertraute, da das Fremde: Wo hat Weihnachten seinen Platz?

Auch Maria und Joseph sind nicht in ihrer Heimat, als Jesus geboren wird, und der Stall von Bethlehem ist ein Notquartier. Kurz darauf bleibt nur die Flucht nach Ägypten. Das zeigt, wohin Weihnachten ursprünglich gehört: an einen Ort der Existenzbedrohung und Lebensangst. Zum Familienfest ist es später geworden. Wenn aber Gottes Kind zuerst bei denen ist, unter deren Füßen der Boden schwankt, heißt das für heute: Weihnachten wird es nicht zuletzt da, wo wir in den Frauen, Männern und Kindern, die als Flüchtlinge zu uns kommen, Maria, Joseph und das Kind in der Krippe sehen. Und wo wir den Stall von Bethlehem als Herausforderung verstehen, diesen Menschen und anderen, denen es ähnlich geht, Raum in der Herberge zu geben. Ausländerfeindlichkeit hat da keinen Platz – nirgendwo.

Aber wem sage ich das? Lange vor Weihnachten schon haben viele von uns in den fremden Menschen aus Syrien, aus dem Irak und von anderswo Schwester Maria und Bruder Joseph erkannt und Hilfe geleistet. Das sollten wir auch weiterhin tun, und zwar über alle religiösen, politischen und sonstigen Grenzen hinweg. Ich danke für diesen Einsatz sehr herzlich. So wie ich alle, welche die Möglichkeit dazu haben, darum ersuche: Machen Sie dem Terror, der Vertreibung, dem Krieg und dem Tod, wo immer diese ihr Unwesen treiben, ein Ende! Jedenfalls möchte Weihnachten auch in diesem Sinn eine Zeitenwende sein – weg von der Gewalt und hin zu dem, was die Engel den Hirten so verkünden: ‚Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen‘ (Lukas 2,14).

Und doch darf sich gerade Weihnachten 2014 nicht in moralischen Appellen erschöpfen. Im Gegenteil: Wer nicht damit aufhören will, an eine menschlichere Welt zu glauben und sich für sie einzusetzen, ist auf das Erste und Eigentliche dieses Fests dringend angewiesen: Gott wird Mensch. Oder wiederum aus Engelsmund: ‚Fürchtet euch nicht! Denn euch ist heute der Heiland geboren‘ (Lukas 2,10). Mit diesem Zuruf und Trost, in diesem Empfangen des Erlösers Jesus Christus können wir auch 2014 ein frohes Fest feiern. Gott gebe dazu seinen weihnachtlichen Segen!"

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