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Württemberg in Wittenberg

Landeskirche beim Reformationsjubiläum in der Lutherstadt

Im Reformationssommer 2017 präsentieren Kirchen aus aller Welt, internationale Institutionen, Organisationen, Initiativen und viele Kulturschaffende in Wittenberg ihre aktuelle Sicht auf die Reformation. „Tore der Freiheit“ heißt die Weltausstellung, die im Rahmen des Reformationsjubiläums vom 20. Mai bis 10. September in der Lutherstadt stattfindet. Auch die württembergische Landeskirche ist dort vertreten. Kirchenrat i. R. Helmut Dopffel ist für deren Programm verantwortlich und erklärt im Gespräch mit Jens Schmitt, was die Besucher erwartet.

Kirchenrat i. R. Helmut DopffelBenny Ulmer

Herr Dopffel, was steckt hinter der Weltausstellung in Wittenberg?
In Wittenberg hat die Reformation ihren Ursprung. Daher steht die Stadt historisch und symbolisch für die Reformation. Und deswegen liegt es auch nahe, im Jahr 2017 dort einen Schwerpunkt zu setzen. Beim sogenannten Reformationssommer wird die Evangelische Kirche in Deutschland von Mai bis September Wittenberg „bespielen“. Es wird viel Musik, Kunst und Kultur geben, unter anderem das „Panorama LUTHER 1517“, eine 360°-Ausstellung von dem Künstler Yadegar Asisi. Im Zentrum steht jedoch die Weltausstellung, bei der Kirchen aus aller Welt, internationale Institutionen, Organisationen und Initiativen zeigen, was evangelischer Glaube und reformatorische Kirche bedeuten. Und zwar nicht nur historisch, sondern gegenwärtig und zukünftig. Wir hoffen, dass die Weltausstellung die evangelische Identität stärkt und zeigt: Evangelischer Glaube ist lebendig und bringt bis heute interessante und positive Wirkungen hervor.

Was haben wir Württemberger dort vor?
Die Weltausstellung ist an der Wallanlage rund um die Wittenberger Altstadt verortet und dort in sieben thematische Bereiche, sieben „Tore“, gegliedert. Die meisten Aussteller werden in Zelten oder temporären Bauten untergebracht. 


Reformation heißt Zukunft gestalten. Sieben „Tore der Freiheit“ und die damit verbundenen Themenbereiche an den Wallanlagen rund um die Wittenberger Altstadt öffnen den Blick für die Zukunft: Spiritualität; Jugend; Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung; Globalisierung – eine Welt; Kultur; Ökumene und Religion.


Württemberg hat sich etwas Besonderes einfallen lassen und eine 300 Quadratmeter große Halle in der Wittenberger Altstadt gemietet, eine alte Schmiede. In dieser „Württemberger Halle“ wollen wir die Menschen mit unserer vom Stuttgarter Kirchentag bekannten Gastfreundschaft empfangen und ihnen ein interessantes Programm bieten. Dessen Basis werden Ausstellungen sein, die von verschiedenen kulturellen Formaten eingerahmt werden.

Wie sieht dieses Programm genau aus?
Wir haben drei Schwerpunkte gesetzt. Im Juni zeigt das Diakonische Werk Württemberg die Ausstellung „Mitmenschen“. Unsere württembergischen Bildungseinrichtungen sind im Juli zum Thema Bildung dran, und im August geht es mit der Wanderausstellung „Unterwegs zu den anderen“ rund um das Thema Mission. Im wöchentlichen Wechsel kommen dazu Expertinnen und Experten der württembergischen Landeskirche nach Wittenberg und führen durch die Ausstellungen. Neben diesen drei Schwerpunkten haben wir eine ständige Ausstellung mit dem Titel „Württemberg wird evangelisch“. 

Worum geht es in dieser Ausstellung?
Hier wird beantwortet, wie das bei uns in Württemberg so war mit der Reformation. Den Start macht das „bibliorama“, das Bibelmuseum Stuttgart, das einen Teil der Ausstellung „Lutherbibel 2017 – Making of“ zeigen wird. Zum Thema Bibelherstellung, -verbreitung und -übersetzung tragen wir in Württemberg, auch dank unserer Württembergischen Bibelgesellschaft, einen großen Teil bei. Das restliche Programm arbeiten wir gerade aus.

Es soll „hängende Weinberge“ in der Württemberger Halle geben. Was muss man sich darunter vorstellen?
Da bin ich auch schon gespannt darauf. Wir arbeiten dafür mit der Stuttgarter Biologin Dr. Alina Schick zusammen, die beispielsweise Antworten auf Fragen wie „Wie wachsen Pflanzen im Raum?“ sucht. Sie sorgt dafür, dass in der Württemberger Halle Weinberge von den Wänden hängen und Bäume horizontal aus der Wand wachsen. Angesichts der Feinstaubbelastung der Großstädte und den damit einhergehenden Fragen der Stadtbegrünung ist das ein wichtiges Thema. Weinberge sind für die Kirche ein wichtiges Symbol. Durch die Tatsache, dass sie hängen, zeigen wir, dass Württemberg ein technologisch innovatives Land ist und wir als Kirche Teil dieser Welt sind und mit ihr auch umzugehen wissen. Dr. Schick wird vor Ort Führungen zu diesen Themen anbieten, bei denen es auch um ethische Fragen geht. Zum Beispiel: Wie weit darf der Mensch in der Veränderung der Natur gehen?

Dr. Alina Schick sorgt dafür, dass in der Württemberger Halle Weinberge von den Wänden hängen und Bäume horizontal aus der Wand wachsen.EMH
In der alten Schmiede will die Landeskirche im Mai die Menschen gastfreundlich empfangen und ihnen ein interessantes Programm bieten.EMH

Am 20. Mai geht es los. Mit was beschäftigen Sie sich gerade?
Einerseits wird in Wittenberg fleißig aufgebaut. Auf der anderen Seite stehen wir natürlich mit vielen Vereinen, Einrichtungen, Institutionen und anderen Gruppen in regem Kontakt. Da gibt es eine große Beteiligung, ich kann gar nicht alle nennen. Beispielsweise werden einige evangelische Schulen aus Württemberg nach Wittenberg kommen, ebenso Studierende aus dem Evangelischen Stift und der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg. Zum Thema Mission im August erwarten wir internationale Gäste. Kirchenmusiker und Chöre beteiligen sich. Die Evangelische Mission in Solidarität wird ihre Vollversammlung in Wittenberg abhalten und dann bei uns vorbeischauen. Wir führen Gespräche mit der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, die auch Interesse signalisiert hat, unsere Halle zu nutzen. Landesbischof July wird am 3. August einen Empfang geben. Und für die Konfirmandengruppen, die in dieser Zeit auf dem Konfi-Camp in Wittenberg sind, entwerfen wir gerade ein kleines Programm zum Thema „Schwerter zu Pflugscharen“.

Wie sieht das aus?
In der alten Schmiede war zu DDR-Zeiten eine Produktionsgenossenschaft für Stahl untergebracht. Dort wurde das Krummschwert hergestellt, das 1983 beim Wittenberger Kirchentag im Lutherhof zu einer Pflugschar umgeschmiedet wurde. Es bietet sich also an, das Thema Friedensbewegung aufzugreifen. Geplant ist, den Konfirmandinnen und Konfirmanden Zeitzeugen zu Gesprächen zur Verfügung zu stellen. 

Welches Fazit würden Sie nach Ende der Weltausstellung gerne ziehen?
Dass viele Menschen aus unterschiedlichen Ecken der Welt sich in „Württemberg in Wittenberg“ getroffen und wohlgefühlt haben, mit interessanten Eindrücken und der Erinnerung an gute Gespräche wieder nach Hause gehen und gespürt haben, „da ist Freiheit“.