„Die Wertschätzung der Militärseelsorge ist anhaltend hoch“

Interview mit dem Militärseelsorger Bernhard Schaber-Laudien 

Stuttgart/Laupheim. „87 Prozent der Soldatinnen und Soldaten haben eine generell positive Einstellung zur Militärseelsorge“, zitiert Militärseelsorger Bernhard Schaber-Laudien eine aktuelle Studie und untermauert die Zahle mit eigenen Erfahrungen: „Das Interesse an der Militärseelsorge und ihre Wertschätzung sind anhaltend hoch. Im Einsatz habe ich dies intensiv erlebt. Nach meiner Rückkehr bin ich überwältigt von der Dankbarkeit, die mir gezeigt wird, wenn wir uns wieder begegnen.“ Schaber-Laudien ist evangelischer Militärpfarrer am Bundeswehrstandort Laupheim. Laut Schaber-Laudien spiegelt sich die Wertschätzung auch in einer generell höheren Kirchenbindung sowie sehr niedrigen Austrittszahlen in der Truppe: Die Austrittsquote unter Soldatinnen und Soldaten liege bei gerade einmal 0,3 Prozent. 

Im Folgenden finden Sie ein Interview mit Bernhard Schaber-Laudien zur freien Verwendung in Ihren Medien: 

Wie erleben Sie zurzeit die Stimmung bei den Soldatinnen und Soldaten, nachdem zum Ukraine-Krieg auch noch der Iran-Krieg hinzugekommen ist?  

Bernhard Schaber-Laudien: Ich bin seit kurzem von einem Auslandseinsatz in Jordanien zurück. Die Soldatinnen und Soldaten dort sind sich - wie ihre Kameradinnen und Kameraden daheim - der verschärften, komplexen Gefahrenlage bewusst. Zugleich ordnen viele ihren Dienst als einen Beitrag zur Sicherung eines echten Friedens ein. Dies sichert in Deutschland und Europa grundlegende Freiheitsrechte und unsere Demokratie. 

Wie hat sich in den letzten Jahren das Interesse an den Angeboten der Militärseelsorge verändert?  

Bernhard Schaber-Laudien: Seit sieben Jahre bin ich jetzt dabei, habe die Corona-Zeit und die Ahrtal-Katastrophe erlebt, wo Soldatinnen und Soldaten wichtige Dienste in der Gesellschaft geleistet haben. Das Interesse an der Militärseelsorge und ihre Wertschätzung sind anhaltend hoch. Im Einsatz habe ich dies intensiv erlebt. Nach meiner Rückkehr bin ich überwältigt von der Dankbarkeit, die mir gezeigt wird, wenn wir uns wieder begegnen. Dieser persönliche Eindruck ist auch wissenschaftlich greifbar:  
Die in diesem Jahr herausgegebene Studie „Was kann und was leistet Militärseelsorge? Seelsorge und Religion in den deutschen Streitkräften“ zeigt: 87 Prozent der Soldatinnen und Soldaten haben eine generell positive Einstellung zur Militärseelsorge. Und 91 Prozent bewerten ihre eigenen, konkreten Erfahrungen mit unseren Militärseelsorgerinnen und Militärseelsorgern als positiv. 

Mit welchen Fragen oder Sorgen wenden sich Soldatinnen und Soldaten an Sie – in Veranstaltungen und in der individuellen Seelsorge?  

Bernhard Schaber-Laudien: Die meisten Begegnungen und Gespräche sind alltäglich niederschwellig. Dies wiederum schafft Vertrauensräume, um über Sorgen und Freuden zu reden. Da zerbrechen Freundschaften und Beziehungen, da bangt man um erkrankte Angehörige. Die Freude neuen Lebens teilen wir genauso wie die Schwere mancher Abschiede. Leider gibt es auch vielfach vermeidbare zwischenmenschliche Konflikte und Missverständnisse. Einige Soldatinnen und Soldaten haben auch die EKD-Friedensdenkschrift von 2025 wahrgenommen oder gar durchgearbeitet und sind dankbar, dass ihr Dienst viel mehr Wertschätzung erfährt als zuvor. Mancher Unterricht oder Ausflug ist ein Türöffner für tiefgehende Gespräche. 

Spielt dabei auch Wehrdienstverweigerung eine Rolle?  

Bernhard Schaber-Laudien: Sehr viele Soldatinnen und Soldaten hinterfragen den Sinn ihres Dienstes. Das zeigt, dass sie nicht fertige Antworten haben, sondern ihr Handeln stets reflektieren. Einzelne überlegen auch, ob sie diesen Dienst weiter tun können und sollen. Allerdings ist klar: Wer bei der Bundeswehr ist, hat grundsätzlich eine persönliche Entscheidung für den Wehrdienst getroffen. Auch wenn es wenige sind – ich habe in diesem Bereich viel mehr Gespräche geführt als in meinen rund zwanzig Jahren als Gemeindepfarrer. 

Unterscheidet sich der Anteil der Kirchenmitglieder unter Soldatinnen und Soldaten vom Anteil an der Gesamtbevölkerung? Und wenn ja, wie hoch sind die Anteile im Vergleich?  

Bernhard Schaber-Laudien: Da bemühe ich gerne die Expertise aus dem evangelischen Kirchenamt für die Bundeswehr von Pressesprecher Markus Bräuer: „Ja, es gibt einen spürbaren Unterschied, da die kirchliche Bindung in der Truppe stärker ausgeprägt ist. Während der Anteil der evangelischen Christinnen und Christen an der Gesamtbevölkerung in Deutschland aktuell bei rund 21 Prozent liegt (nach Daten für das Jahr 2025 sind das 17,4 Millionen Menschen, also 20,8 Prozent), ist der Anteil in der Bundeswehr höher. Von den 186.000 Soldatinnen und Soldaten sind etwa 27 Prozent evangelisch, das entspricht rund 50.000 Bundeswehrangehörigen. Auch wenn die Mitgliederzahlen gesamtgesellschaftlich in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken sind, bleibt dieser Wert in der Truppe erstaunlich stabil.“ 

Beobachten Sie im Hinblick auf Kirchenaustritte spezielle Tendenzen bei Soldatinnen und Soldaten?  

Bernhard Schaber-Laudien: Aus Datenschutzgründen habe ich dazu keine Information über meinen Standort. Markus Bräuer sagt: „Wir beobachten hier eine sehr erfreuliche Tendenz: Die Austrittszahlen unter evangelischen Soldatinnen und Soldaten liegen bei lediglich 0,3 Prozent. Das ist weniger als ein Zehntel der durchschnittlichen Austrittsquote in den Landeskirchen. Diese geringen Zahlen sind ein starkes Signal und hängen maßgeblich mit der großen Akzeptanz und der guten Arbeit der Militärseelsorge im Inland wie im Ausland zusammen.“ 

Zwei persönliche Erfahrungen möchte ich dazu geben: In den Gottesdiensten im Einsatz habe ich erfreut wahrgenommen, dass ein guter Teil derer, die mit mir Gottesdienst feierten, keiner Kirche angehörten – aber völlig aufgeschlossen und eifrig dabei waren. 
Bei einem sogenannten „Timeout-Seminar“ bot ich den Soldatinnen und Soldaten am Jordanufer an der Taufstelle Jesu eine persönliche Tauferinnerung mit Einzelsegnung an. „Darf ich das, auch wenn ich ausgetreten bin?“, fragten mehrere. Ich bejahte, weil Gottes Zusage trotzdem gilt. Wir haben geistlich berührende Momente erlebt, die tagelang nachklangen. Vielleicht denkt mancher danach auch über einen Kircheneintritt nach. 

Dan Peter 
Sprecher der Landeskirche

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