Stuttgart. Bei einem Empfang des Bundesverbands evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Stuttgart hielt Dr. Klaus Krämer, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, diese Woche ein Grußwort. Dabei betonte der katholische Bischof: „Gerade in den derzeitigen Umbrüchen stehen wir gemeinsam vor Herausforderungen, die wir nur gemeinsam lösen können. Wir müssen deshalb der Versuchung widerstehen, uns hinter die eigenen Kirchenmauern zurückzuziehen, sondern im Gegenteil gerade jetzt mutig aufeinander zugehen und so viel wie möglich miteinander anpacken und gestalten.“
Dabei könne sowohl in Württemberg als auch weit darüber hinaus erlebt werden, wie fruchtbar die Zusammenarbeit zwischen den beiden Kirchen werden kann, wenn sie sich mit Respekt begegnen und gemeinsam Verantwortung übernehmen, sagte Dr. Krämer. Angesichts „tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen“ komme der evangelischen und katholischen Kirche eine besondere Verantwortung zu, setzte der Bischof hinzu und schloss an: „Viele Menschen fragen nach Orientierung, nach Verlässlichkeit und nach einem Sinn, der über das unmittelbar Messbare hinausweist. Sie suchen Gemeinschaft in einer zunehmend fragmentierten Welt und hoffen auf Worte, die tragen.“ In Bezug auf das Leitwort „Hoffnung“ der Veranstaltung hielt Bischof Dr. Krämer weiter fest, dass diese Hoffnung im christlichen Sinn nicht bedeutet, vor der Wirklichkeit zu fliehen. Hoffnung sei vielmehr die Kraft, die die Gegenwart verändert, da sie aus der Verheißung Gottes lebt. Dr. Krämer unterstrich, dass es gerade dieses Verständnis von Hoffnung sei, welches die beiden Kirchen im ökumenischen Miteinander und in ihrer Zusammenarbeit für den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft sowie für die Bewahrung der Schöpfung verbindet.
Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl ging in seiner Predigt auf die Bedeutung einer „resilienten“ oder widerstandsfähigen Kirche ein und beschrieb diese so: „Die resiliente Kirche setzt auf ehrlichen Austausch, Gemeinschaft und Brückenbau. Sie traut Spielräumen mehr zu als dem, was schon immer so gemacht wurde. Und eine widerstandsfähige Kirche entwirft sich neu in den Ambivalenzen von Erfolg und Scheitern.“ Eine widerstandsfähige Kirche hänge nicht dem Ideal einer wachsenden Kirche nach und sie misstraue den Ideologien von Wachstum und Optimierung, schloss Landesbischof Gohl an. Kirche sei „ein Schutzraum in unserer Welt ‚jenseits von Eden‘“. „Ein Raum, der von Glaube, Liebe und Hoffnung zeugt und uns so einen neuen Horizont öffnet. Das ist Kirche“, sagte Landesbischof Gohl in seiner Predigt.
Bildunterzeile:
Der Bundesverband evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer lud in dieser Woche nach Stuttgart ein. Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl (vordere Reihe, dritter von rechts) hielt die Predigt. Bild: Pfarrerverband / Christian Schauderna
Bischof Dr. Klaus Krämer hielt bei dem Treffen ein Grußwort. Bild: Jens Kramer
Dan Peter
Sprecher der Landeskirche
Hinweise:
Mit der aktuellen Broschüre „Wir sind eins: lasst es uns sichtbar machen.“ möchte die Diözese Rottenburg-Stuttgart zum ökumenischen und geistlichen Austausch sowie zur Beschäftigung mit der Frage der „eucharistischen Gastfreundschaft“ anregen. Die Veröffentlichung umfasst eine Reihe interkonfessioneller Erfahrungsberichte von Menschen aus den Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen, theologische Grundsatzartikel evangelischer und katholischer Theolog:innen sowie eine Einladung für konfessionsverbindende Ehepaare zur gemeinsamen Teilnahme an der Eucharistie aus dem Jahr 2018, die mit der vorliegenden Veröffentlichung bekannter gemacht werden soll. Sie finden die Broschüre als PDF in der Anlage zu dieser Medieninformation.
Diese Medieninformation wird von den Pressestellen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und der Diözese Rottenburg-Stuttgart versendet.