Der Weg in den Prädikantendienst war für Niels Rusch mehr zufällig als zielgerichtet. Heute gestaltet er selbst Gottesdienste und erlebt, wie Liturgie und Predigt zusammen die Gegenwart Gottes aufblitzen lassen können. Im Interview berichtet er von seiner Begeisterung, eigene Predigten zu verfassen, bewegenden Momenten an der Kirchentür und von welcher Bedingung er seine Zusage zur Prädikantenausbildung abhängig gemacht hat.

Wie sind Sie zur Prädikantenarbeit gekommen und was hat Sie motiviert, Prädikant zu werden?
Niels Rusch: Zur Prädikantenarbeit gekommen bin ich – will man sich denn diese Kategorie zu eigen machen – tatsächlich mehr zufällig als zielgerichtet. Am Rande einer Veranstaltung unserer Bezirkssynode war ich im Gespräch mit einer befreundeten Pfarrerin, die abschließend meinte, das Prädikantenamt könnte doch etwas für mich sein und diesen Gedanken dann auch unmittelbar an unseren Dekan weitergab. Dieser verabschiedete sich von mir am Ausgang mit den Worten „Ich habe gehört, Sie würden gerne Prädikant werden“ … Der Rest war dann ein Selbstläufer.
Als Jugendlicher bereits hatte ich eine „Predigthelferschulung“ durch den Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten) erhalten, in der ich aufgewachsen bin. In den Folgejahren wurden mir regelmäßig Gottesdienste übertragen, woran ich viel Freude hatte, in der Vorbereitung, wie im Feiern. Die Weitergabe der Frohen Botschaft und die Übersetzung in unseren Alltag war mir – auch in der Jungschararbeit und bei den Pfadfindern – immer schon ein wichtiges Anliegen. Nach meinem Wechsel in die Evangelische Kirche gab es diese Möglichkeit der öffentlichen Wortverkündigung für mich dann ja nicht mehr. Bis ich eben auf die Möglichkeit der Ausbildung zum Prädikanten aufmerksam gemacht wurde. Entscheidend für mein Ja zur Ausbildung war allerdings auch, dass der Dienst nicht darin bestehen würde, vorgefertigte Predigten abzulesen.
Prädikanten sind ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in evangelischen Kirchen, die nach einer speziellen Ausbildung bestimmte gottesdienstliche Aufgaben übernehmen dürfen. Sie leiten Gottesdienste und halten Predigten, ohne ordinierte Pfarrerinnen oder Pfarrer zu sein. Zurzeit sind circa 860 Frauen und Männer in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg im Prädikantendienst aktiv.
Was begeistert Sie daran, Gottesdienste vorzubereiten und zu gestalten?
Rusch: Mich begeistert es immer wieder aufs Neue, mich auf Texte einzulassen, sowohl vermeintlich bekannte, als auch unbekannte, sperrige, widerspenstige und solche, die auch mal Widerspruch auslösen, Fragen offen lassen. Neues entdecken, darüber staunen, in die Tiefe gehen, Zusammenhänge erkennen und alle sich mir bietenden Möglichkeiten der Textaneignung und -auslegung zu nutzen, all das macht mir viel Freude. Ganz besonders genieße ich es auch – sofern es meine Zeit zulässt – eigene Predigten zu verfassen (ich bin zur Freien Wortverkündigung ermächtigt).
Desgleichen bereitet es mir wirklich Freude, eine stimmige Liturgie auszuarbeiten, die zusammen mit der Predigt einen Raum eröffnet, die Gegenwart Gottes aufblitzen zu lassen.
Welche Begegnung oder Erfahrung ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Rusch: Es sind die Momente an der Kirchentür beim Verabschieden, wenn Menschen nicht nur danke sagen, sondern auch konkret benennen, was sie schön fanden, was ihnen die Predigt gegeben hat, mit welchen Aussagen im Kopf sie nach Hause gehen, oder hier und da auch mal ein Gespräch beginnen darüber, was ihnen im Gottesdienst für ihr Leben begegnet ist.
Seit etlichen Jahren bin ich auch als Mitarbeiter in den Grund- und Aufbaukursen des Landesprädikantenpfarramtes unterwegs. In diesem Kontext bin ich dankbar für viele wertvolle Begegnungen, von gegenseitigem Respekt geprägten Austausch und den horizonterweiternden Blick auf die Bandbreite unterschiedlicher Glaubensprägungen in unserer Kirche, die in ihrer Vielfalt für alle Menschen guten Willens bereichernd sind.
Welche Rückmeldungen erhalten Sie aus den Gemeinden?
Rusch: Es hat mir noch nie gelegen, pro domo zu reden, aber da die Frage nun schon mal so gestellt ist, will ich zumindest sagen, dass die Menschen es schätzen und sich freuen, wenn ich wiederholt mit ihnen Gottesdienst feiere.
Warum würden Sie anderen Menschen empfehlen, selbst diesen Dienst zu übernehmen?
Rusch: In Abwandlung der Aussage Ruth Conrads „Weil wir etwas wollen!“ würde ich werben mit „Weil wir etwas zu sagen haben!“.
Und: Es ist das schönste Ehrenamt, dass die Kirche zu bieten hat.
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