Das Glockenmuseum Herrenberg und die Herrenberger Kirchengemeinden sind um eine ganz besondere Glocke reicher: Die über sechs Tonnen schwere und 2,25 Meter hohe Glocke namens „Maxima“ wurde am vergangenen Samstag in Herrenberg feierlich in Dienst genommen. Außergewöhnlich ist das „Wo“: Die Maxima hängt nicht im Turm der Stiftskirche, sondern in einem massiven hölzernen Glockenstuhl am Boden gleich neben der Stiftskirche - und soll dort auch regelmäßig geläutet werden.

In seiner Predigt im ökumenischen Festgottesdienst zur Indienstnahme der Maxima über Psalm 130,1 dankte Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl allen, die den Erwerb und die Indienstnahme der Maxima ermöglicht haben: „Dass ihr Ton in Zukunft regelmäßig zu hören sein wird, ist das Ergebnis einer großen Leistung! Unzählige Spenden und Ihre hartnäckige Beharrlichkeit, lieber Dieter Eisenhardt, waren nötig, dass diese Glocke wieder klingt.“ Dekan i.R. Dieter Eisenhardt hatte den Prozess über viele Jahre vorangetrieben.
Gohl ging darauf ein, dass die Glocke als Friedensglocke konzipiert sei und sagte: „Friede ist keine Selbstverständlichkeit. Friede ist zerbrechlich und muss bewahrt werden. Friede ist auch mehr als nur die Abwesenheit von Krieg und Gewalt – obwohl für Menschen in den Kriegsgebieten unserer Zeit schon viel gewonnen wäre, wenn die Waffen schweigen würden.“ Die Verantwortung für den Frieden beginne „im Kleinen – in den Beziehungen zu den Menschen, die uns Tag für Tag im Alltag umgeben. Die Verantwortung für den Frieden liegt also auch bei dir und mir.“ Er sei „ein mühsames Geschäft. Er ist nie frei von Missverständnissen. Nie frei von gefühltem Macht- oder gar Gesichtsverlust. Der Frieden der Welt aber ist unsere Aufgabe.“ Die Maxima rufe „beides in Erinnerung: Den Frieden, für den wir Verantwortung übernehmen sollen und den Frieden, der uns geschenkt ist.“ Gohl betonte auch den sozialen Charakter von Glocken: „Wo Glocken schlagen, sind Menschen nicht fern. Wer Glocken hört, weiß: Da sind Menschen. Da ist Leben. Ich bin nicht allein. Wo Glocken schlagen, gehen Menschen nicht verloren.“
Die Glocke mit dem Ton f0 wurde gleich doppelt „beauftragt“: Der katholische Dekan von Böblingen, Anton Feil, weihte sie nach römisch-katholischem Ritus. Landesbischof Gohl nahm sie nach evangelischem Brauch mit einem Segensgebet in Dienst.

Das gesamte Maxima-Projekt wurde vom Verein zur Erhaltung der Stiftskirche Herrenberg e.V. organisiert und rein auf Spendenbasis finanziert – inklusive der läutbaren Aufhängung. Das Glockenmuseum Stiftskirche Herrenberg ist im Verein zur Erhaltung der Stiftskirche Herrenberg e.V. organisiert.
Die Maxima ist die größte Läuteglocke des Glockenmuseums Stiftskirche Herrenberg. Zusammen mit einer Glocke der Friedenskirche in Karlsruhe ist sie sogar die tontiefste Glocke in ganz Baden-Württemberg.
Sie hat eine bewegte Geschichte. Im Jahr 2000 in der Glockengießerei Brockscheid gegossen, sollte sie ursprünglich eine Friedensglocke in der Basilika Echternach, Luxemburg, ersetzen. Der Ton der Maxima war allerdings etwas zu tief geraten, so dass Echternach die Glocke nicht nehmen konnte. 2003 konnte die Bauhütte der Stiftskirche Herrenberg die Maxima erwerben. Seither stand sie auf der Wiese bei der Stiftskirche und wartete darauf, in den Turm der Kirche gehängt zu werden – was sich als technisch nicht machbar erwies.
In der Glockenstube der Herrenberger Stiftskirche hängen über 35 läutbare Bronzeglocken – das umfangreichste Kirchengeläut Deutschlands mit Glocken aus zwölf Jahrhunderten. Die Glocken werden nach einer festgelegten Läuteordnung geläutet, und Besucherinnen und Besucher konnten bis 2023 das Läuten auch beobachten. Seit 2023 ist das Museum wegen Brandschutzproblemen geschlossen. Einzelbesichtigungen durch Kleingruppen sind jedoch möglich, sofern es die baulichen Voraussetzungen erlauben und die Besucher in einen Haftungsausschluss einwilligen. Das Museum sammelt Spenden, um die nötigen Umbaumaßnahmen zu finanzieren. Rund 400.000 Euro sind dafür nötig.
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