„Der Schutz von Menschen in Not ist Christenpflicht“

Landesbischof Gohl zum Stand des Flüchtlingsschutzes in Deutschland: „Wer meint, mit markigen Sprüchen den Rechtspopulisten das Wasser abgraben zu können, verkennt, dass er das Gegenteil erreicht.“

„Ich bin der Überzeugung: Der Schutz von Menschen in Not – und Geflüchtete sind Menschen in Not – ist Christenpflicht.“ Das sagte Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl bei der Flüchtlingsschutztagung 2026 der Evangelischen Akademie Bad Boll am 27. Februar. 

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl

Man dürfe nie vergessen, „dass es am Anfang und am Ende immer um einen einzelnen Menschen geht, dessen Not ich sehe, und dass ich mich zu dieser Not meines Nächsten verhalte.“ Mit Bezug auf das Gleichnis vom barmherzigen Samariter sagte Gohl: „Wer also ist mein Nächster? Mein Nächster ist, der mir zum Nächsten w i r d. Der plötzlich auf meinem Weg quer zu meinen Vorhaben liegt, der einfach da ist und zu dem ich mich verhalten muss. 2015 und in den Folgejahren waren das Menschen aus Syrien, Afghanistan, aus Nordafrika und anderen Ländern.“

Es reiche aber nicht aus, „auf die starken ethischen Impulse von einzelnen Menschen zu setzen“, so Gohl: „Es braucht auch gesellschaftliche Strukturen. Angesichts der komplexen Gemengelage, in der sich die Migrationspolitik befindet und angesichts des öffentlichen Dauerdrucks auf einfache, wirkungsvolle Methoden der Migrationssteuerung hat der Einsatz für Menschen, die in die EU immigrieren wollen, keine Konjunktur.“

Gohl beklagte, heute müssten „sich oftmals die rechtfertigen, die für die Rechte und Unterstützung von Geflüchteten eintreten. Es müssen sich die rechtfertigen, die im Mittelmeer Geflüchtete vor dem Ertrinken retten und nicht etwa die, denen das Schicksal dieser Menschen egal ist.“ Das Thema des Flüchtlingsschutzes finde kaum noch in der öffentlichen Debatte statt. Gohl fuhr fort: „Derzeit leitend ist der Gedanke, wie sich Europa gegen geflüchtete, oftmals traumatisierte Menschen am effektivsten abschotten kann. Für ein humanes, solidarisches Europa ist das ein Armutszeugnis. Und wer meint durch eine solche Politik mit markigen Sprüchen den Rechtspopulisten das Wasser abgraben zu können, verkennt, dass er dadurch geradezu das Gegenteil erreicht.“ 

Wer wie der amerikanische Vizepräsident J. D. Vance „die Nächsten an der Dorfgrenze oder beim Familienverband enden lässt, hat die Pointe des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter gerade nicht verstanden.“ 

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