„Kirchen als wichtige Impulsgeber, weil sie uns den Sinn für Humanität, Kultur und Transzendenz bewahren“

Empfang der Evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg im Neuen Schloss in Stuttgart

Unter der Überschrift „Wie hältsch’s aus? – Krisenfest in Politik und Kirche.“ hatten die Evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg am 18. November zur Begegnung von Politik und Kirchen ins Neue Schloss in Stuttgart eingeladen.

v.r.n.l.: Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl (Württemberg), Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Landesbischöfin Dr. Heike Springhart (Baden), Landtagspräsidentin Muhterem Aras, Erzbischof Stefan Burger (Freiburg), Bischof Dr. Klaus Krämer (Rottenburg-Stuttgart)
v.r.n.l.: Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl (Württemberg), Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Landesbischöfin Dr. Heike Springhart (Baden), Landtagspräsidentin Muhterem Aras, Erzbischof Stefan Burger (Freiburg), Bischof Dr. Klaus Krämer (Rottenburg-Stuttgart)

Im Mittelpunkt des offiziellen Programms stand die Frage, wie es in krisenhaften Zeiten gelingen kann, sich trotz Anfeindungen und Angriffen den Aufgaben öffentlicher Ämter zu widmen.  Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann und die badische Landesbischöfin Heike Springhart tauschten sich in einem Podiumsgespräch über das gesellschaftliche Miteinander, die Notwendigkeit, sich für das Gemeinwesen zu engagieren, und über Möglichkeiten aus, sich Rückhalt und Kraftquellen für die eigene Resilienz zu sichern.

„In herausfordernden Zeiten wie diesen benötigen wir Sicherheit, Selbstwirksamkeit und Sinn, um resilient zu werden. Sicherheit brauchen wir im persönlichen Umfeld wie auch als verteidigungsfähiges Gemeinwesen“, sagte Ministerpräsident Kretschmann und fügte hinzu: „Nur in einem Raum der Selbstwirksamkeit können Bürgerinnen und Bürger mitmachen, mitdenken, mitgestalten – daher haben wir die Politik des Gehörtwerdens etabliert. Und nur wenn unser Handeln Sinn macht, sich lohnt und ein Ziel hat, werden wir es auch zuversichtlich anpacken. Hier sehe ich vor allem die Kirchen als wichtige Impulsgeber, weil sie uns den Sinn für Humanität, Kultur und Transzendenz bewahren.“  

Landesbischöfin Heike Springhart betonte, dass Schwarz-Weiß-Denken, Rückzug ins Private oder immer stärker polarisierende Debatten nicht weiterführten. „Es sind nicht Vereinfachungen, die unsere Gesellschaft tragen, sondern die Bereitschaft hinzuhören, zu differenzieren und miteinander verantwortlich zu gestalten. Dafür braucht es ein klares Fundament aus Werten und den Willen zu einer offenen und sachorientierten Debattenkultur.“ Manchmal brauche es dritte Orte und andere Räume, damit die an einen Tisch kommen, die sonst nicht an einem Tisch sitzen. „Dafür öffnen wir gern Räume der Verständigung. Weil uns an einem Diskurs liegt, der Klarheit und Respekt nicht gegeneinander ausspielt, sondern miteinander verbindet.“

Julia Wieland, parteilose Bürgermeisterin der rund 12.000 Einwohner großen badischen Gemeinde Remchingen, hatte den Gästen zuvor einen Einblick in die kommunale Ebene gegeben. Die 31-Jährige berichtete von den Erfahrungen, die sie seit ihrem Amtsantritt vor gut zwei Jahren gemacht hat, und erzählte, woraus sie Energie für ihre tägliche Arbeit zieht.

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