Zum Kaffeetrinken auf den Friedhof gehen

Interview über das Friedhofscafé auf dem Bergfriedhof in Tübingen 

Auf dem Friedhof einen Kaffee trinken und Kuchen essen, dabei mit Fremden ins Gespräch kommen – auch über den Tod? Diakon Klaus Forschner, der das Café mitinitiierte, erklärt im Interview, wie das Friedhofscafé auf dem Bergfriedhof in Tübingen entstand, und wie die Menschen darauf reagieren. 

Das Friedhofscafé Tübingen ist ein ökumenischer Ort der Begegnung.
Das Friedhofscafé Tübingen ist ein ökumenischer Ort der Begegnung.

Was ist die Idee hinter dem Friedhofscafé?

Klaus Forschner: Der Friedhof wird oft vor allem mit Abschied und Trauer verbunden; er ist aber auch ein Ort des Lebens. Abschied, Neubeginn und Leben gehören schließlich zusammen. Mit dem Friedhofscafé möchten wir einen Ort schaffen, an dem Menschen miteinander ins Gespräch kommen können. Hier ist Zeit für eine Tasse Kaffee, für eine kleine Pause und für Begegnungen. 

Wie entstand das Friedhofscafé?

Klaus Forschner: Der Anstoß kam vom Evangelischen Diakonieförderverein, der einen Teil der Gemeindediakonatsstelle finanziert. Die Frage, die sich der Verein stellte, war: Wo sind die Menschen, die wir erreichen möchten? Im Rahmen eines Informationsabends der Seniorenarbeit im Kirchenbezirk wurde das Konzept eines Friedhofscafés vorgestellt. 

Eine Arbeitsgruppe plante, knüpfte Kontakte, kalkulierte und entwickelte ein Konzept. Die Zusammenarbeit mit dem Friedhofsamt und der Stadt verlief von Anfang an sehr positiv. Das Friedhofscafé in Tübingen ist ein ökumenisches Projekt; es wird von rund 23 Ehrenamtlichen innerhalb und außerhalb der Kirchengemeinden getragen.

Diakon Klaus Forschner
Diakon Klaus Forschner

Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht?

Klaus Forschner: Seit dem Start am 20. Mai findet das Friedhofscafé jeden Mittwoch von 14.30 bis 16.30 Uhr statt. Je nach Wetter kommen zwischen drei und 25 Besucherinnen und Besucher.

Wir erleben viele gute Begegnungen, bei denen sich tiefe Gespräche ergeben. Manche Gäste sind inzwischen Stammgäste geworden, andere kommen einfach einmal vorbei, um zu schauen, was sich hinter dem Angebot verbirgt. Wer sich dazusetzt, bleibt meistens eine ganze Weile, genießt Kaffee, Tee, Wasser oder ein Stück Kuchen und kommt mit anderen ins Gespräch.

Besonders berührt uns, wie tief die Gespräche zwischen Menschen sein können, die sich nicht kennen. 

Wie reagieren die Menschen auf das Friedhofscafé?

Klaus Forschner: Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich. Manche sind zunächst überrascht, dass es auf einem Friedhof überhaupt ein Café gibt. Viele reagieren aber auch begeistert und freuen sich über das Angebot.

Es gibt Menschen, die erst einmal beobachten und zuhören. Andere erzählen sofort von ihren Erfahrungen, Erinnerungen oder ihrer Trauer. Oft erleben wir große Dankbarkeit. Manche Gespräche sind lebhaft, andere werden von stillen Momenten geprägt. Auch Schweigen hat hier seinen Platz.

Am Ende hören wir immer wieder einen Satz, der uns zeigt, wie wichtig das Friedhofscafé für viele Menschen ist: „Es hat gutgetan.“

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