„Wir alle leben von dem, was Landwirtinnen und Landwirte Jahr für Jahr ernten. Unsere Lebensgrundlage beruht auf dem, was der Erdboden unter der Obhut der Landwirte hervorbringt.“ So betont Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl (Evangelische Landeskirche in Württemberg) die fundamentale Bedeutung der Landwirtschaft. Deshalb sei es gut, „dass Volksfest und das Fest der Landwirtschaft zusammen gefeiert werden.“ Gohl predigt gemeinsam mit Weihbischof Thomas Maria Renz (Diözese Rottenburg-Stuttgart) im ökumenischen Erntedank-Gottesdienst beim Landwirtschaftlichen Hauptfest am 4. Oktober auf dem Cannstatter Wasen.

Renz und Gohl erinnerten in ihrer Predigt über Joel 2,21-24.26-27 auch an den Heiligen Franziskus, dessen Tod sich dieser Tage zum 800. Mal jährt, und an seine Ethik des Verzichts. Gohl sagte: „Ein junger Mensch mit den allerbesten Chancen verzichtet auf alles. Und nicht, weil er muss. Nein, aus tiefster Überzeugung. […] Wer verzichtet, der entdeckt neu den Wert dessen, was uns geschenkt ist. […] Seine Geschichte erinnert uns Christen an eine unbequeme Wahrheit: Für uns im globalen Norden kann christlicher Glaube auch heißen, die eigenen Privilegien loszulassen und sich den Menschen am Rand, bei uns, aber auch in unserer globalisierten Welt zuzuwenden.“
Weihbischof Renz sagte, Franz von Assisi passe „von seiner ganzen Lebensgeschichte her wunderbar zum Erntedankfest, weil er als der große Schöpfungsheilige verehrt wird“. In seinem Sonnengesang gehe es darum, „dass Franziskus die ganze Schöpfung lobt, Gott lobt für seine Schöpfung und dann die einzelnen Geschöpfe nicht einfach benennt, sondern vertraut als Bruder und Schwester bezeichnet.“ Bruder und Schwester seien Personen, „die uns besonders nahestehen, die einzigartig und unersetzbar für uns in unseren Beziehungen sind. Ein Bruder, eine Schwester kann man nicht einfach so ersetzen. Sie sind uns gegeben.“
Renz erinnerte daran, dass Franziskus noch im Sterben Gemeinschaft gestiftet habe, indem er seine Ordensbrüder und -schwestern durch das gemeinsame Brotbrechen und das Hören auf das Evangelium getröstet habe: „Dafür steht das Brotbrechen und das Wort Gottes, das uns Hoffnung gibt.“
Renz zählte auf, mit welchen Unsicherheiten heute gerade junge Menschen seit Corona konfrontiert sind. Auch die Ängste, die junge Familien haben. „Was geschieht mal mit unseren Kindern? Müssen die jetzt in den Krieg ziehen? Etwas, was vor wenigen Jahren noch unvorstellbar war bei uns? Oder ganz aktuell die Frage, ob KI uns entgleitet, ob das, was der menschliche Geist geschaffen hat, überhaupt noch unter Kontrolle zu halten ist? Oder wendet sich die künstliche Intelligenz irgendwann mal gegen uns selbst?"
Gerade hier bekomme der Glaube wieder Bedeutung, sagte Renz: „Wenn wir am Ende unserer begrenzten Möglichkeiten sind, ist Gott erst am Anfang seiner unbegrenzten Möglichkeit."
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