Kirchensteuer

Informationen zum Geld der Kirche

Wir sind als Kirche eine Solidargemeinschaft – nicht nur für uns selbst, sondern auch für andere. Die Kirchensteuer ist ein Ausdruck verbindlicher Gemeinschaft und ein wichtiger Beitrag für die Gesellschaft. Das Geld versickert nicht "irgendwo in dunklen Kanälen". Es arbeitet vielmehr ganz konkret für die Menschen in den Kirchenbezirken. Hauptaufgabe der Kirche ist und bleibt die Verkündigung. Weil diese nicht nur in Worten, sondern auch in Taten besteht, haben die Kirchengemeinden und Kirchenbezirke viele Aufgaben übernommen. Die Kirchensteuer trägt dazu bei, dass diese Aufgaben immer noch erfüllt werden können. 

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Unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 / 7137137 geben die Steuerexperten des Oberkirchenrats montags bis freitags von 9 bis 11:30 Uhr und montags bis donnerstags von 14 bis 16 Uhr Auskunft. Gerne dürfen Sie uns auch eine E-Mail mit Ihrer Anfrage senden.

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In Artikel 137 Abs. 6 der Weimarer Reichsverfassung wurde das Recht zur Kirchensteuererhebung garantiert. Die Weimarer Kirchenartikel wurden durch Artikel 140 Grundgesetz unverändert in das Grundgesetz übernommen. Dadurch ist für die Kirchen, die Körperschaften öffentlichen Rechts sind, das Steuererhebungsrecht verfassungsrechtlich gesichert. Ein Wegfall der Weimarer Kirchenartikel aus dem Grundgesetz ist nur durch ein verfassungsänderndes Gesetz möglich. Es bedarf der Zustimmung von zwei Dritteln der Mitglieder des Bundestags und zwei Dritteln der Stimmen des Bundesrats.

Die Bundesländer haben die alleinige Gesetzgebungskompetenz für die Kirchensteuergesetze. In Baden-Württemberg gilt das Kirchensteuergesetz i. d. F. vom 15.06.1978 (GesBl. Baden-Württemberg 1978 S. 370), zuletzt geändert durch Änderungsgesetz vom 14.10.2008 (GesBl. Baden-Württemberg S.335).

Die Kirchensteuergesetze der Länder sind Rahmengesetze, die von den Kirchen durch Kirchensteuerordnungen und Kirchensteuerbeschlüsse ausgefüllt werden. In den staatlichen Kirchensteuergesetzen werden den Kirchen mehrere Arten von Kirchensteuern zur Auswahl gestellt und die Kirchen können auch die Höhe der Kirchensteuer festsetzen. Die jährlichen Kirchensteuerbeschlüsse legen den Besteuerungsmaßstab und die anzuwendenden Hebesätze fest (8 Prozent in Baden-Württemberg und Bayern; 9 Prozent in den übrigen Bundesländern), welche auf die Lohn- bzw. Einkommen- oder Kapitalertragsteuer angewandt werden. Die Kirchensteuerbeschlüsse werden von den Synoden gefasst und nach der staatlichen Genehmigung im Bundessteuerblatt veröffentlicht.

Kirchenlohnsteuer und Besonderes Kirchgeld

Das baden-württembergische Kirchensteuergesetz stellt den Kirchen in §5 Kirchensteuergesetz (KiStG) fünf verschiedene Arten von Kirchensteuer zur Erhebung zur Auswahl. Derzeit werden von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg die Kirchensteuer, als Zuschlag zur Einkommen-, Lohn- und Kapitalertragsteuer, und das besondere Kirchgeld in glaubensverschiedenen Ehen erhoben.

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Die Kirchenlohn- oder Kircheneinkommensteuer ist eine Zuschlagsteuer zur Lohn- bzw. Einkommensteuer. Die Höhe des Zuschlags mit derzeit acht Prozent wird jährlich im Steuerbeschluss von der Landessynode bestimmt. Kirchenlohn- oder Kircheneinkommensteuer fällt immer an, wenn Lohn- oder Einkommensteuer zu entrichten ist.

Bemessungsgrundlage ist die Einkommensteuer, die gemäß § 51 a Abs. 2 Einkommensteuergesetz (EStG) festzusetzen ist. Hierbei werden für die Kirchensteuer in allen Fällen die Kinderfreibeträge und die Freibeträge für den Kinderbetreuungsbedarf berücksichtigt. Sozial Schwache (z. B. Arbeitslose) und nicht steuerpflichtige Familienangehörige zahlen keine eigene Kirchensteuer.

Das besondere Kirchgeld in glaubensverschiedener Ehe kann vom Kirchenmitglied erhoben werden, wenn der andere Ehepartner keiner steuererhebenden Kirche angehört.

Um eine "glaubensverschiedene Ehe" im steuerrechtlichen Sinne handelt es sich, wenn nur ein Ehegatte einer steuererhebenden Kirche angehört. Hat dieser Ehegatte kein oder im Verhältnis zum Ehepartner nur ein geringes eigenes Einkommen, so berücksichtigt die Kirchensteuer als Zuschlag zur Einkommensteuer die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit gar nicht oder nur unzureichend. Diese Besserstellung von glaubensverschiedenen Ehen gegenüber konfessionsgleichen oder konfessionsverschiedenen Ehen soll durch die Erhebung des besonderen Kirchgelds ausgeglichen werden.

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Das besondere Kirchgeld knüpft an den Lebensführungsaufwand des kirchenangehörigen Ehegatten an. Als Hilfsmaßstab wird hierfür das gemeinsam zu versteuernde Einkommen der Ehegatten unter sinngemäßer Anwendung des § 51 a Abs. 2 Einkommensteuergesetz (EStG) ermittelt und darauf die nachstehende Kirchgeldtabelle angewandt.

Auf das Kirchgeld wird die vom kirchenangehörigen Ehegatten gezahlte Kirchensteuer in voller Höhe angerechnet. Ist die gezahlte Kirchensteuer gleich hoch oder höher als das Kirchgeld, so kommt es zu keiner Kirchgeldfestsetzung. Die Festsetzung erfolgt nur für das Kirchenmitglied.

Gesetzliche Grundlage für das besondere Kirchgeld ist in Baden-Württemberg § 5 Absatz 1 Nr. 5 Kirchensteuergesetz Baden-Württemberg in der Fassung vom 15. Juni 1978 (BStBl 1978 I S. 403), zuletzt geändert am 14.10.2008 (GBI Baden-Württemberg, S. 335).

Das besondere Kirchgeld in glaubensverschiedenen Ehen ist verfassungsrechtlich abgesichert und im Hinblick auf eine dem Grundsatz der Steuergerechtigkeit Rechnung tragende Erhebung von Kirchensteuer auch sachgerecht. Das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Urteil vom 14. Dezember 1965 (1 BvR 606/60, BStBl 1966 I S. 196) ausdrücklich den Lebensführungsaufwand des kirchenangehörigen Ehegatten in einer glaubensverschiedenen Ehe als geeignetes Besteuerungsmerkmal anerkannt, sofern bei der Bemessung des besonderen Kirchgelds ein angemessenes Verhältnis zu dem tatsächlichen Lebenszuschnitt des steuerpflichtigen Ehegatten gewahrt bleibt. Durch die Anwendung der Kirchgeldtabelle ist der Lebensführungsaufwand angemessen berücksichtigt. Das besondere Kirchgeld wurde durch vier Entscheidungen des Finanzgerichts Baden-Württemberg vom 26. 05. 2000 (AZ 9 K 131/00, 9 K 436/99, 9 K 318/99) und vom 15.12.2000 (AZ 9 K 258/00) und durch Beschluss des Bundesfinanzhofs vom 22.01.2002 (AZ I B 18/01) ausdrücklich bestätigt.

Das Kirchgeld ist als Kirchensteuer unbeschränkt als Sonderausgabe bei der Einkommensteuer abzugsfähig. Dadurch werden je nach persönlichen Grenzsteuersatz zwischen 15 und 45 Prozent des Kirchgelds auf die staatliche Einkommensteuer abgewälzt, so dass tatsächlich nur der verbleibende Betrag aus eigenen Mitteln aufzubringen ist. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist das besondere Kirchgeld nicht untragbar hoch.

Zugunsten der örtlichen Kirchengemeinde

Zur Finanzierung eigener Gemeindeaktivitäten können die Mitglieder der Kirchengemeinden um einen Freiwilligen Gemeindebeitrag gebeten werden. Der Gemeindebeitrag kommt in voller Höhe der örtlichen Kirchengemeinde zugute. 

Beim Freiwilligen Gemeindebeitrag handelt es sich um eine Spende, die selbstverständlich steuerlich absetzbar ist. Je nach Gemeinde trägt diese Spendenbitte auch die Bezeichnung „Gemeindegabe“ oder "Jahresspende" oder "Ortsname + Beitrag". Der Freiwillige Gemeindebeitrag ermöglicht, in den Kirchengemeinden Vorhaben zu verwirklichen, die mit dem regulären Budget nicht finanzierbar sind. Der Gemeindebeitrag wird üblicherweise einmal im Jahr mittels eines Prospekts oder Briefes erbeten.

Allen Menschen, die einen Gemeindebeitrag geben, wird sehr herzlich gedankt. Insbesondere denjenigen, die Kirchensteuer zahlen, ehrenamtlich Aufgaben in ihrer Gemeinde wahrnehmen und zusätzlich auch den Gemeindebeitrag zu ihrer Sache machen. Sie dürfen gewiss sein, dass diese Spende im wahrsten Sinne des Wortes gut ankommt.

Zu beantragen beim Oberkirchenrat

Jeder, dessen Kirchensteuer mehr als 2,75 Prozent seines zu versteuernden Einkommens beträgt, kann eine Kappung der Kirchensteuer beantragen.

Bei der Kappung wird die Kirchensteuer in der württembergischen Landeskirche auf Antrag auf 2,75 Prozent (bis einschließlich 2002: 3,5 Prozent; 2003 und 2004: 3,0 Prozent) des zu versteuernden Einkommens unter Berücksichtigung von § 51 a Abs. 2 Einkommensteuergesetz (EStG) begrenzt. Die Kirchensteuerkappung ist eine Billigkeitsmaßnahme, die nach dem Kirchensteuergesetz ermöglicht wird.

Sie ist jedoch keine Ermäßigung des Kirchensteuerhebesatzes von 8 Prozent auf 2,75 Prozent, sondern eine besondere Kirchensteuerberechnung auf der Grundlage des zu versteuernden Einkommens unter Berücksichtigung von § 51 a Abs. 2 EStG. Dadurch wird die für die Einkommensteuer geltende Progression nicht voll auf die Kirchensteuer übertragen.

Ein Antrag kann innerhalb eines Jahres nach Ergehen des Steuerbescheids formlos schriftlich beim Evangelischen Oberkirchenrat gestellt werden.

Bei Abfindungen wegen Arbeitsplatzverlust

In vielen Familien entstehen durch den Verlust des Arbeitsplatzes hohe Unsicherheiten und Ratlosigkeit. Wird dabei eine Abfindung gewährt, kommt dazu noch eine hohe Steuerbelastung.

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass es in diesen Fällen die Möglichkeit eines Teilerlasses der auf die Abfindung entfallenden Kirchensteuer gibt. Nähere Auskünfte erhalten Sie dazu von den Steuerexperten des Evangelischen Oberkirchenrats über das Kirchensteuer-Servicetelefon unter der kostenfreien Nummer 0800 7137137. Bitte nutzen Sie diese Möglichkeit der Beratung.

Keine neue Steuer, sondern neues Erhebungsverfahren

Steuerpflicht von Kapitalerträgen

Kapitalerträge unterlagen auch schon vor Einführung der Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge (Kapitalertragsteuer) der Einkommensteuer und der Kirchensteuer. Durch die Einführung der Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge hat sich an der Steuerpflicht nichts geändert. Es handelt sich nicht um eine neue oder zusätzliche Steuer, sondern nur um ein neues Erhebungsverfahren. Abgeltungsteuer und Kirchensteuer fallen nur an, soweit die Kapitalerträge den so genannten Sparer-Pauschbetrag in Höhe von 801 Euro (bei Alleinstehenden bzw. Einzelveranlagung) bzw. 1.602 Euro (bei Verheirateten und Zusammenveranlagung) überschreiten. Liegen die Kapitalerträge unter dem Sparer-Pauschbetrag, fällt wie bisher keine Kirchensteuer an. Auch wenn eine sogenannte NV-Bescheinigung (Nichtveranlagungs-Bescheinigung) des Finanzamts bei der Bank vorgelegt wird, fällt keine Abgeltungsteuer an.

Bisherige Regelung

Seit 2009 war es notwendig, dass Kirchenmitglieder einen Antrag auf Einbehaltung der Kirchensteuer auf Abgeltungsteuer bei ihrer Bank stellten. Nur dann konnte die Bank die Kirchensteuer einbehalten und abführen. Wenn kein Antrag auf Einbehaltung gestellt wurde, mussten die Kapitalerträge im Rahmen der Einkommensteuererklärung erklärt werden und die Abgeltungsteuer wurde vom Finanzamt nacherhoben.

Neues Verfahren seit Januar 2015 – Vereinfachung für alle Beteiligten

Ab 2015 wird dieses Verfahren nun wesentlich vereinfacht. Dann ist kein besonderer Antrag mehr bei der Bank erforderlich, damit die Kirchensteuer auf Abgeltungsteuer einbehalten werden kann. Der Kirchensteuerabzug erfolgt künftig in einem automatisierten Verfahren. Die Banken erhalten vom Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) das für die Erhebung notwendige Religionsmerkmal aus einer Datenbank. Das Religionsmerkmal wird der Bank verschlüsselt auf elektronischem Wege unter Beachtung der hohen Anforderungen des Datenschutzes nur als sechsstellige Kennziffer übermittelt. Für die Bankmitarbeiter ist die Religionszugehörigkeit nicht einsehbar. Auch in den Kundenstammdaten wird sie nicht ausgewiesen. Die Weiterverarbeitung dieser Ziffer erfolgt in einer gesicherten Umgebung.

Widerspruch gegen Datenübermittlung

Der Bankkunde kann der Weitergabe des Religionsmerkmals an die Bank ausdrücklich widersprechen und beim Bundeszentralamt für Steuern einen Sperrvermerk setzen lassen. Dafür stellt das BZSt ein amtliches Formular unter www.bzst.de zur Verfügung. Wenn ein Sperrvermerk gesetzt wurde, sind die Kapitalerträge im Rahmen der Steuererklärung gegenüber dem Finanzamt zu erklären. Das zuständige Finanzamt erhält daher vom BZSt eine Mitteilung über den Sperrvermerk.

Ansprechpartner

Martin  Kastrup

Dr. Martin Kastrup

Dezernat 7
Finanzmanagement und Informationstechnologie

Gänsheidestraße 4
70184 Stuttgart

Tel.
0711 / 2149-209
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    • Flyer der württembergischen Landeskirche: Kapitalerträge und Kirchensteuer
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    • Kirchensteuer in Frage und Antwort
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    • Erhebung der Kirchensteuer auf Kapitalerträge
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    • EKD-Flyer: Die Kirche und ihr Geld
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    • FAQ zur Kirchensteuer auf Kapitalertragssteuer
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    • Kirchensteuererhebung durch Banken - Beispieltext für Kirchengemeinden
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    • Anschreiben Abgeltungssteuer
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    • Hinweise zur Kirchensteuer auf Kapitalertragssteuer
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    • Interview über die Finanzen der Kirche
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