| Geistliches

„Einfach mal stehen bleiben“

Eine Andacht zum vierten Advent von Pfarrer Thorsten Eißler

Einfach mal stehen bleiben, innehalten, wahrnehmen was passiert. "Gott selbst kommt zu uns. Mitten hinein in das ganz normale Leben", sagt Pfarrer Thorsten Eißler in seiner Andacht zum vierten Advent.

Pfarrer Thorsten EißlerEMH/priv.

„Du kannst doch nicht einfach stehen bleiben“. So hat auf dem Weihnachtsmarkt eine besorgte Mutter mit ihrer kleinen Tochter geschimpft. Die Kleine stand vor der lebendigen Krippe mit Schafen, Lämmern, zwei Eseln und – nicht ganz ein Ochse – einer Kuh. Da war das Mädchen einfach stehen geblieben. Das hat die Frau zuerst gar nicht bemerkt. Erst nach ein paar Metern hat sie sich umgedreht und ist zurückgekommen. Du kannst doch nicht einfach stehen bleiben … schimpft sie und dann bleibt sie auch stehen und schaut zur Krippe.

In dem Moment habe ich mir gedacht: Genau das ist richtig im Advent. Gerade in dieser Zeit einen Moment stehen zu bleiben. Vielleicht sogar ein paar Schritte zurücktreten, um dann die Augen zu öffnen für das, was um einen herum passiert.

Eben wie diese Frau und ihre Tochter auf dem Weihnachtsmarkt, den Alltag kurz zu unterbrechen und den Moment bewusst zu erleben. Ich glaube eigentlich, dass das jeder schaffen kann. Eine Tasse Tee und ein leckeres Plätzchen dazu. Eine Kerze in den dunklen Abendstunden. Einfach mal telefonieren. Mit jemandem, den ich eigentlich schon lange anrufen wollte, aber es bisher nie geschafft habe. Den Kindern eine Weihnachtsgeschichte vorlesen.

Mir ist völlig klar, dass der Advent auch wahnsinnig stressig ist. Zumal, wenn er wie dieses Jahr so kurz ist. In der Schule wurden noch viele Klassenarbeiten geschrieben. Man hatte bei der Arbeit 1000 Sachen zu tun, weil es eben noch vor Weihnachten fertig sein musste. Und dann war das Fest vorzubereiten und die Geschenke mussten besorgt werden.

Aber jetzt ist Sonntag. 4. Advent. Man kann nichts mehr einkaufen. Es ist schon ganz ruhig geworden. Deshalb habe ich mir vorgenommen, gerade heute diesen einen Moment am Tag festzuhalten. Innehalten und mich umzuschauen. Meine Augen öffnen für das, was um mich herum passiert.  Vielleicht für das was wirklich wichtig ist. Vielleicht noch heute Morgen, ehe es Heiligabend wird und der Tag wieder unruhig, weil Besuch kommt und die Kinder zappelig werden.

Gott selbst kommt zu uns. Mitten hinein in das ganz normale Leben. Darum geht es. Das erzählen auch die Weihnachtskrippen. Wie das Mädchen auf dem Weihnachtsmarkt möchte ich stehen bleiben, hinsehen und zuhören. Manchmal ist das wichtiger als alles andere. 

Ursprünglich ausgestrahlt auf SWR 4 „Abendgedanken“


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