"Der Friede darf uns nicht kalt lassen"
Weihnachtsbotschaft des Landesbischofs
"Jedes Weihnachtsfest mahnt uns: Der Frieden im Kleinen und im Großen darf uns nicht kalt lassen", sagt Landesbischof Frank Otfried July in seiner Weihnachtsbotschaft. Wer sich gegen den Frieden und gegen die Gerechtigkeit entscheide, verliere sein Gesicht und stehe vor Gott und vor aller Welt tief beschämt da.
In Schweden ist der Friedensnobelpreis an einen inhaftierten und von der Öffentlichkeit weggeschlossenen Mann verliehen worden, der für den Frieden in seinem Land kämpft. An den Reaktionen der Großmacht, die ihn inhaftiert hat, lässt sich ablesen, wie sehr diese Preisverleihung sie trifft und wie sehr sie dadurch ihr Gesicht verloren hat.
Das Weihnachtsfest ist in den Herzen der Menschen untrennbar mit dem Thema Frieden verbunden. Das ist schon in den biblischen Texten so, die dem Fest im Alten und im Neuen Testament zugrunde liegen. "Friede auf Erden" verspricht der Engel den Hirten, als er ihnen draußen auf dem Feld von einem Kind erzählt, das unter ärmlichsten Bedingungen in einem kleinen Dorf namens Bethlehem geboren sein soll. Wir feiern an Weihnachten die Geburt eines Kindes. So gestalten es die Weihnachtskrippen.
Kinder werden auf unserer Welt viele geboren, oftmals unter schwierigen und wenig Zukunft versprechenden Bedingungen. Aber dieses schutzlose, in die Armut hinein geborene Christkind soll der Herr der Welt sein. Der Schöpfer von Himmel und Erde wird ein verletzlicher, machtloser Mensch. Das hat unübersehbare Konsequenzen. Es bedeutet, dass Gott sich den Machtlosen und Schutzlosen dieser Welt an die Seite stellt. Er zeigt sein Gesicht in diesem Kind. Dadurch haben die Mächtigen der Welt, die ihre Macht missbrauchen, das Gesicht verloren.
An der Preisverleihung in Schweden kann man sehen, dass so ein Gesichtsverlust nicht ohne Folgen bleibt. Er zwingt alle, die davon Kenntnis haben, zu einer Reaktion. Keiner kann sich mehr heraushalten aus der Frage, wie er es hält mit dem Frieden und mit der Gerechtigkeit. Nicht nur, dass die Diplomaten der Welt entscheiden mussten, ob sie an dieser Preisverleihung teilnehmen und dadurch diplomatische Verwicklungen riskieren, oder ob sie zu Hause bleiben wollten. Auch wir selbst müssen entscheiden, wie wir uns zum Thema Frieden und Gerechtigkeit verhalten. Gott hat sein Gesicht gezeigt.
In einer solchen Frage steckt eine Wirklichkeit, die die Welt verändert. Jedes Weihnachtsfest mahnt uns: Gott verleiht auf Dauer und unmissverständlich den himmlischen Friedensnobelpreis denen, die für den Frieden eintreten und Friedenstiftendes tun, denen, die für Menschenwürde und Gerechtigkeit eintreten. Jedes Weihnachtsfest mahnt uns: Der Frieden im Kleinen und im Großen darf uns nicht kalt lassen. Jedes Weihnachtsfest mahnt uns: Wer sich gegen den Frieden und gegen die Gerechtigkeit entscheidet, verliert sein Gesicht und steht vor Gott und vor aller Welt tief beschämt da.
Das mag zunächst nicht auffallen, aber am Ende wird nicht das zählen, was selbstsüchtig und lieblos geschah, sondern das, was in Liebe getan wurde und dem Frieden diente. Und deshalb gilt: Das Weihnachtsfest macht allen Mut und gibt allen Kraft, die auf Erden unter die Räder kommen. Weil Gott mit allen Konsequenzen Mensch geworden ist.
Das Weihnachtsfest löst uns aus allen falschen Bindungen und stellt uns das Kind in der Krippe vor Augen. Größeres haben wir noch nie gesehen als dieses Kind. Es erlöst uns. Deshalb beten wir voller Hoffnung für Gerechtigkeit und Frieden. Deshalb können wir feiern und singen: "Da wollen wir all danken dir, unserm Erlöser, für und für; da wollen wir all loben dich zu aller Zeit und ewiglich" (Evangelisches Gesangbuch Nummer 7, Strophe 7).
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