„Gott kommt in Armut zur Welt"

Weihnachtsbotschaft des Landesbischofs

„Ehre sei Gott in der Höhe“ haben die Engel an Weihnachten dem Herrscher des Himmels gesungen Aber die Weihnachtserzählung wendet sehr schnell den Blick auf die Erde. Denn Gott bleibt nicht im Himmel. Er kommt zur Welt. Gott kommt nicht zum Staatsbesuch. Kein roter Teppich wird für ihn ausgerollt, und die himmlischen Boten, die seine Ankunft angekündigt haben, ziehen sich schnell zurück. Der Herrscher des himmlischen Reichs wird ein von bitterer Kinderarmut betroffenes Flüchtlingskind.

Dazu ein Interview zur Thema Armut in Deutschland: „Ist steigende Armut nur eine Erfindung der Sozialexperten?“ fragt der Journalist. Der Befragte  verneint dies entschieden. Besonders bedrückend empfinde er die Situation der Kinder, die gemeinsam mit ihren Eltern von der Sozialhilfe abhängig seien. Der Sozialstaat sei alles andere als ein Auslaufmodell.
Das sagt nicht irgendwer zur aktuellen Lage. Das sagte der damalige Präsident des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche in Deutschland Jürgen Gohde im Oktober 1996.

Besondere Gesten sind nicht nur in der Politik ein Mittel der Verständigung. Der Besuch einer Gedenkstätte, ein Kniefall, ein gemeinsames Auftreten früherer Feinde können mehr sagen und bewirken als viele Reden.


Gott kommt in Armut zur Welt

Gott kommt in Armut zur Welt


Gott kommt in Armut zur Welt. „Dein König kommt in niedern Hüllen“ singen wir in der Adventszeit. Das ist mehr als ein Kniefall. Gott macht sich gleich mit den Menschen auf der Erde, die unter die Räder gekommen sind. Ihnen gilt Gottes Regierungserklärung. Der Weihnachtsengel hat sie der Welt verkündet. Sie soll und wird ihre Wirkung entfalten: Friede soll sein.

Aber es geht zunächst nicht um eine globale Friedenskonferenz. Der Weihnachtsfrieden ist ein persönlicher Frieden. Er gilt einzelnen Menschen. Dieser Frieden beginnt von unten von Einzelnen für Einzelne. Er beginnt in dem, was wir im Auftrag Gottes für andere tun und wie wir mit ihnen leben. Er beginnt da, wo Menschen dazu beitragen, dass Kinder und ihre Eltern zu essen haben, dass um sie herum Frieden ist.

Dieser Friede erwächst aus dem Segen des Christfestes. Dieser Friede will bei uns anfangen auszustrahlen, will zum sozialen Frieden in unserem Land und zum Frieden zwischen Ländern und Nationen werden. Aus diesem Frieden heraus ist es möglich, dass alle Menschen das tägliche Brot bekommen, um das wir im Vaterunser bitten.
Warum? Weil Gott am Christfest sein Dasein erneut unwiderruflich mit uns Menschen verbindet. Wir dürfen seine Herrlichkeit sehen. So ist Erlösung.


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