Sommertagung 2014

4. bis 5. Juli im Hospitalhof in Stuttgart

Im Stuttgarter Hospitalhof ist am Samstag die Sommertagung der Landessynode zu Ende gegangen. Auf der Tagesordnung standen unter anderem eine aktuelle Stunde zum Thema "Bewaffnung der Bundeswehr mit Drohnen", das Reformationsjubiläum, die wissenschaftliche Auswertung der Kirchenwahl 2013, die kirchliche Mitgliedschaftsuntersuchung der EKD sowie die Mittelfristige Finanzplanung und der Nachtragshaushalt 2014.

Gottesdienst in der Hospitalkirche

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© Evangelisches Medienhaus Stuttgart

In seiner Predigt im Eröffnungsgottesdienst in der Hospitalkirche ermutigte Pfarrer Ralf Albrecht (Nagold) die Synodalen, überkommene Schuldverstrickungen zu überwinden. Denn, so der Predigttext aus Hesekiel 18: "Man wird nicht mehr sagen: Die Väter haben saure Trauben gegessen und den Kindern sind die Zähne stumpf geworden."

Eröffnung der Synode

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© Evangelisches Medienhaus Stuttgart

Zum Beginn der Tagung dankte Präsidentin Inge Schneider dem Hospitalhof-Team. Das Präsidium hat dem Hospitalhof ein von Werner Stepanek geschmiedetes Kreuz geschenkt. "Als Kreuz weist es hin auf Jesus Christus als Mitte unseres Glaubens", so Stepanek.

Grußwort

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Andreas Barner © Evangelisches Medienhaus Stuttgart

Zu Gast heute ist Kirchentagspräsident Andreas Barner. In seinem Grußwort an die Landessynode hat er über den bevorstehenden Kirchentag in Stuttgart 2015 gesprochen. Bereits zum vierten Mal ist Stuttgart Gastgeber des Kirchentags. Die Gastfreundlichkeit der Menschen in Stuttgart sei für die Umgebung charakteristisch. Daher fühle sich der Kirchentag hier gut aufgehoben. Der Kirchentag werde ein Fest des Glaubens. Dafür biete sich in Württemberg eine besondere Chance, da gerade in Württemberg der Glaube stärker verankert sei als in jeder anderen Region Deutschlands. Barner dankte allen Unterstützern des Kirchentags, der Synode der Landeskirche und allen anderen die sich in irgendeiner Weise mit großer Offenheit und Bereitschaft an der Umsetzung beteiligen.


TOP 1 - Aktuelle Stunde

In der aktuellen Stunde wird ein brisantes Thema behandelt: "Bewaffnung der Bundeswehr mit Drohnen". Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte sich diese Woche für die Anschaffung der umstrittenen Kampfdrohnen ausgesprochen.


TOP 2 - Reformationsjubiläum 2017

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Christiane Koher-Weiß © Evangelisches Medienhaus Stuttgart

Seit dem 1. Februar 2014 ist Kirchenrätin Dr. Christiane Kohler-Weiß Beauftragte der Landeskirche für das Reformationsjubiläum. Auf der Synode berichtete sie über geplante Projekte, wie z. B. einen Ideenwettbewerb, geplante Tagungen für kirchenleitende Gremien und ein Ideenheft mit Anregungen für die Gemeinden. Als Ziel habe sie sich gesetzt, dass „das Jubiläum wirklich in der ganzen Landeskirche ankommt.“


TOP 3 - Mittelfristige Finanzplanung 2014 - 2018

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Martin Kastrup © EMH/Gottfried Stoppel

Über alle Ertragsarten hinweg erscheine die Lage „mittelfristig stabil“, erklärte Kastrup. Auch die Kirchensteuer als zentrale Ertragsgröße werde in den kommenden zwei Jahren als „weitgehend stabil auf hohem Niveau“ prognostiziert. Die Schätzungen beliefen sich auf 645 Millionen Euro für 2015 sowie 675 Millionen Euro für 2016.

Die Rücklagensituation sehe – mit wenigen Ausnahmen – gut aus. So habe die Ausgleichsrücklage der Landeskirche im Vorjahr mit 258,8 Millionen Euro einen neuen Höchststand erreicht. 47,4 Millionen Euro seien 2014 bereits in andere Absicherungsrücklagen geflossen. Weitere 30 Millionen Euro seien 2015 zur Aufstockung der Pfarrbesoldungs- und Versorgungsrücklage vorgesehen. Gemessen an dem Ziel 70 Prozent der Versorgungsverpflichtungen kapitalgedeckt zu finanzieren, bestehe hier das größte Defizit der landeskirchlichen Rücklagen.  446 Millionen Euro an Beihilfeverpflichtungen für den Pfarrdienst im Ruhestand stünden derzeit maximal 66 Millionen Euro an Rücklagen und Stiftungsmitteln zur Verfügung.

Deutlich besser sehe es bei den restlichen Versorgungsrücklagen aus, betonte Kastrup. Die Versorgungsverpflichtungen für den Pfarrdienst im Ruhestand ohne Beihilfen seien zu 59 Prozent abgedeckt, die Versorgungs- und Beihilfeverpflichtungen für Kirchenbeamte im Ruhestand sowie die Zusatzversorgungsverpflichtungen für landeskirchliche Angestellte zu 90 Prozent mit Kapital hinterlegt. Schwer zu kalkulieren sei dagegen die Gewährsträgerschaft der Landeskirche für diakonische Einrichtungen bei der Zusatzversorgungskasse. Bei den Immobilienrücklagen sei aufgrund des Investitionsstaus gegebenenfalls eine zeitlich begrenzte Unterstützung nötig.

Mindestens 75 Prozent der Aufwendung seien Personalkosten. 57 Prozent des Haushalts entfielen auf den aktiven und den im Ruhestand befindlichen Pfarrdienst, 15 Prozent auf kirchliche Beamte und Angestellte, fünf Prozent seien als indirekte Personalkosten an landeskirchlichen Zuweisungen erhalten. Der Anteil der Versorgungslasten werde künftig steigen. Nennenswert seien auch die laufenden Kostensteigerungen bei den landeskirchlichen Immobilien.

Die diesjährige Maßnahmenplanung sei aufgrund vieler langlaufender Projekte als „absolute Ausnahme“ anzusehen. Kastrup nannte insbesondere die Gelder für das Reformationsjubiläum (10 Millionen Euro), das bis zum Jahr 2023 geplante Projekt „Zukunft Finanzwesen“ (10,7 Millionen für die nächsten fünf Jahre) sowie das Projekt für integrierte Pfarrplan-, Immobilien- und Strukturlösungen in Kirchengemeinden und –bezirken, auf das in der Mittelfristplanung zwölf Millionen Euro aus landeskirchlichen und 13 Millionen aus Mitteln der Kirchengemeinden entfielen.

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© EMH/Gottfried Stoppel

„An vielen Stellen drängt sich der Eindruck auf, dass wir erhebliche Mittel zur binnenkirchlichen Selbstvergewisserung und Selbstdarstellung nutzen und die kirchendistanzierte und kirchenkritische Öffentlichkeit weniger im Blick haben, mahnte der Vorsitzende des Finanzausschusses Michael Fritz. Aufgrund sinkender Mitgliedszahlen kämen auf die Kirche mittel- bis langfristig „gewaltige strukturelle Herausforderungen“ zu. „Wir müssen dem Thema Mitgliederbindung und –gewinnung eine deutlich höhere Bedeutung beimessen“, forderte Fritz. Es gelte, sich künftig auf wenige Projekte zu konzentrieren, den Aufbau der Rücklagen zur Altersversorgung, zur Beihilfe und für die „Diakonierisiken“ sinnvoll und entschlossen umzusetzen und in den Organisationsformen und Prozessen einfacher und flexibler zu werden.


TOP 4 - 1. Nachtragshaushalt 2014 (Beilage 5)

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Thorsten Jakob © Evangelisches Medienhaus Stuttgart

Kirchenoberverwaltungsrat Thorsten Jakob hat den Nachtragshaushalt mit einem Volumen rund 32 Millionen Euro eingebracht. Diese Summe dürfte „im Sinne der Haushaltsordnung durchaus als erheblich angesehen werden“, sagte er.

Davon sind allein 11,5 Millionen Euro Clearing-Zahlungen an die EKD. Außerdem enthält er 500.000 Euro für das erfolgreiche Diakonieprojekt Beschäftigungsgutscheine für Langzeitarbeitslose. Ein weiterer großer Posten sind mit rund 5,5 Millionen Euro Baumaßnahmen, etwa für die anteilige Finanzierung des Neubaus einer Gemeinschaftsschule auf dem Gelände der evangelischen Schule am Firstwald in Mössingen oder Sanierungsarbeiten an der evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Herbrechtingen. Zehn Millionen Euro werden für ein Projekt für einheitliche Pfarrplan-, Immobilien- und Strukturlösungen der Kirchengemeinden und Kirchenbezirke bereitgestellt, außerdem eine zusätzliche Pfarrstelle für Prädikanten-Ausbildung sowie verschiedene Maßnahmen zum Reformationsjubiläum. 

„Der Umfang ist zu groß. Wir nehmen unsere ausführliche Haushaltsplanung im Herbst nicht ernst, wenn wir inhaltlich und damit häufig auch finanziell schwergewichtige Inhalte über Nachtträge einsteuern“, betonte der Vorsitzende des Finanzausschusses Michael Fritz. Zudem sprach er sich für ein einheitliches Immobilienkonzept der Landeskirche aus.


TOP 5 - Zuwahl Jurist/Juristin auf Vorschlag Kfm

Auf Vorschlag des Gesprächskreises Kirche für Morgen soll der Synode ein Jurist/eine Juristin zugewählt werden. Das geht aus dem Antrag 10/14 hervor.Dem Antrag wurde mit drei Gegenstimmen und sieben Enthaltungen zugestimmt.Die Zuwahl erfolgt dann in der Herbsttagung.


TOP 6 - Sonderausschuss für Strukturfragen TOP 7 - Wahlen in den Sonderausschuss für Strukturfragen

Nun wurde ein Sonderausschuss für Strukturfragen mit dem Titel „Strukturausschuss“ gebildet, dem elf Mitglieder angehören. Er beschäftigt sich mit der „Entwicklung von zukunftsorientierten PfarrPlan-, Immobilien- und Strukturlösungen für Kirchengemeinden, Kirchenbezirke und Landeskirche.“ Die Arbeit des Strukturausschusses soll eng mit dem Projekt des Oberkirchenrats für einheitliche PfarrPlan-, Immobilien- und Strukturlösungen der Kirchengemeinden und Kirchenbezirke verzahnt werden, sodass eine gute Zusammenarbeit zwischen Oberkirchenrat und Landessynode sichergestellt ist.

Die Wahlvorschläge für die elf Mitglieder sind eingebracht worden. Die Wahlhandlung wird morgen in einem offenen Wahlgang stattfinden.


Grußwort von Volker Fritz, Vizepräsident der badischen Landessynode

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Volker Fritz © Evangelisches Medienhaus Stuttgart

In seinem Grußwort führte Pfarrer Volker Fritz, Vizepräsident der badischen Landessynode, das Thema Friedensethik aus. Die badische Landeskirche hatte im Herbst eine Friedensdenkschrift herausgebracht. Damit wolle die badische Landeskirche einladen, sich dem friedensethischen Prozess und der Diskussion anzuschließen. Da militärische Einsätze nicht mehr nur „Ultima Ratio“ seien, sieht Fritz Gespräche mit politischen Vertretern als dringendes Anliegen, um auf friedliche und zivile Wege der Friedensbewegung aufmerksam zu machen. Friede habe für ihn auch mit Gerechtigkeit zu tun, da wir immer noch auf Kosten anderer leben würden. So seien wir im Südwesten Deutschlands kaum von den Klimaveränderungen betroffen, während andere darunter zu leiden hätten. Fritz plädiert dafür unser Verhalten zu ändern, auch das gehöre zu Frieden. Für die Tagung der württembergischen Landessynode wünschte er Gottes Segen.


TOP 7 - Wahlen in den Sonderausschuss für Strukturfragen

Die Mitglieder des Sonderausschusses für Strukturfragen wurden mit einer Enthaltung gewählt.

Im Ausschuss sitzen als Vorsitzender Matthias Hanßmann. Sein Stellvertreter ist Dr. Martin Plümicke. Weitere Mitglieder sind: Michael Fritz, Philippus Maier, Andrea Bleher, Dr. Friedemann Kuttler, Dr. Karl Hardecker, Elke Dangelmaier-Vincon, Eva Glock, Ernst-Wilhelm Gohl und Martin Allmendinger.


TOP 8 - Selbstständige Anträge

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© Evangelisches Medienhaus Stuttgart

21/14 Dem Gustav-Adolf-Werk Württemberg sollen 250.000 € zur Unterstützung protestantischer Auslandsgemeinden zur Verfügung gestellt werden. Der Antrag wurde an den Finanzausschuss unter Beteiligung des Ausschusses für Mission, Ökumene und Entwicklung verwiesen.

22/14 Um staatliches Recht auch innerhalb der kirchlichen Rechtsordnung zu garantieren, müsse §2 des Kirchenverfassungsgesetzes angepasst werden. Der Antrag wurde an den Rechtsausschuss verwiesen.

23/14 Eine Darstellung der Kosten soll erarbeitet werden, die die erbrachten Leistungen im Haushaltsplan dort ansiedeln, wo sie entstehen. Der Antrag wurde an den Strukturausschuss unter Beteiligung des Finanzausschusses verwiesen.

24/14 Die Kriterien für den Pfarrplan 2024 weiterentwickelt werden, dabei sollen neue Berufsfelder und -formen bedacht werden. Der Antrag wurde an den Strukturausschuss verwiesen.

25/14 Modelle der Zusammenarbeit der Kirchenbezirke auf Landkreisebene sollen ebenfalls weiterentwickelt werden, um sicherzustellen, dass Aufgaben bestmöglich wahrgenommen werden können. Der Antrag wurde an den Strukturausschuss verwiesen.

26/14 Ein Newsletter für Kindergarteneltern, in dem auf Bildungsangebote der Landeskirche aufmerksam gemacht wird, soll Interessierte unterstützten. Der Antrag wurde an den Ausschuss für Bildung und Jugend verwiesen.

27/14 Eine landeskirchliche Einbindung von neuen Gemeindeformen und Aufbruchsinitiativen soll auf den Weg gebracht werden. Der Antrag wurde an den Strukturausschuss unter Beteiligung des Rechtsausschusses verwiesen.

28/14 Die Sinus-Kirchenstudie „Evangelisch in Baden und Württemberg“ soll der Synode sowie weiteren Interessierten bereitgestellt werden. Der Antrag wurde an den Ausschuss für Kirche, Gesellschaft und Öffentlichkeit verwiesen.

29/14 Die Erarbeitung Ehe unterstützender Maßnahmen soll helfen, Ehe und Familie als Kernzelle unsere Gesellschaft zu stärken. Der Antrag wurde an den Theologischen Ausschuss verwiesen.

30/14 Maßnahmen zur Persönlichkeitsentwicklung während des Studiums sollen auf die Herausforderungen des Pfarrberufes vorbereiten. Der Antrag wurde an den Theologischen Ausschuss verwiesen.

31/14 Der Ausschuss für Bildung und Jugend soll sich über die Ergebnisse der Studie zur Kinder- und Jugendarbeit in der Evang. Landeskirche beraten lassen. Der Antrag wurde an den Ausschuss für Bildung und Jugend verwiesen.

32/14 Strukturen, die innovatives missionarisches Handeln befördern und stärken, sollen erprobt und ermöglicht werden. Der Antrag wurde an den Strukturausschuss verwiesen.

33/14 Das Gemeindepfarramt soll von Verwaltungsaufgaben entlastet werden. Der Antrag wurde an den Finanzausschuss unter Beteiligung des Strukturausschusses verwiesen. 

34/14 Kirchenbezirke sollen mehr Freiräume erhalten, um neue Gemeindeformen zu unterstützen. Der Antrag wurde an den Strukturausschuss verwiesen.


TOP 9 - Förmliche Anfragen

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Ulrich Heckel © Evangelisches Medienhaus Stuttgart - Gottfried Stoppel

In einer förmlichen Anfrage hat sich Dr. Harald Kretschmer an den Oberkirchenrat gewandt: Welche Informationen, Beratung und Hilfen gibt die Landeskirche Gemeinden, die Flüchtlingen zu deren Schutz Kirchenasyl gewähren wollen?

Es gibt eine Broschüre der drei evangelischen Landeskirchen in Nordrhein-Westfalen und der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, eine Orientierungshilfe von Volker Kaufmann, ein gemeinsames Wort der Kirchen zu den Herausforderungen durch Migration und Flucht, „Gewissensentscheidung und Rechtsordnung“, eine Thesenreihe der Kammer für Öffentliche Verantwortung der EKD, „Beistand ist nötig, nicht Widerstand – Thesen zum „Kirchenasyl“, verabschiedet vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Weiterhin gibt es diverse Ansprechpartner innerhalb der Landeskirche.


TOP 10 - Projekt "Beschäftigungsgutscheine für Langzeitarbeitslose"

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Dieter Kaufmann © Diakonisches Werk Württemberg

Die in der Herbstsynode beschlossene Unterstützung für das erfolgreiche  Projekt „Beschäftigungsgutscheine für Langzeitarbeitslose“ wird weiter fortgesetzt. Im Nachtragshaushalt 2014 hat die Landessynode weitere 500.000 Euro beschlossen und für 2015 weitere Förderung in Aussicht gestellt.

„Die Nachfrage war so groß, dass mit Jahresbeginn schon nach wenigen Monaten die Mittel gebunden waren“, berichtete der Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg, Oberkirchenrat Dieter Kaufmann vom unerwartet großen Erfolg der Initiative. Er betonte, der Evangelischen Kirche sei es ein Anliegen, dass Menschen nicht abgeschrieben werden. „Deshalb kämpfen wir für öffentlich geförderte Beschäftigung“.

Mit den Gutscheinen wird Langzeitarbeitslosen stundenweise Beschäftigung ermöglicht. Kirchengemeinden unterstützen mit dem Projekt Menschen, die der Arbeitsmarkt nicht aufnimmt. Zudem werden die Gemeinden für die Probleme von Langzeitarbeitslosen sensibilisiert. Kaufmann berichtete aus verschiedenen Gemeinden. So konnten Menschen für Hausmeistertätigkeiten oder in kirchengemeindlichen Cafes und Tafelläden angestellt werden.

Die Landessynode ermöglicht den Kirchengemeinden damit, weiterhin ein Zeichen der Verbundenheit mit langzeitarbeitslosen Menschen zu setzen und diese konkret zu unterstützen. „Damit unterstreichen Kirche und ihre Diakonie die politische Botschaft: Wir brauchen öffentlich geförderte Beschäftigung für langzeitarbeitslose Menschen in unserem Land.“, so Dieter Kaufmann.


TOP 11 - Bericht zur wissenschaftlichen Auswertung der KGR- und Synodalwahl 2013

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Herbert Lindner © Evangelisches Medienhaus Stuttgart

Die Wahlbeteiligung bei der Kirchenwahl 2013 sei ein Zeichen für Stabilität, sagte Theologieprofessor Herbert Lindner aus Neuendettelsau. Er hatte die Wahlergebnisse wissenschaftlich untersucht und stellte die Ergebnisse der Landessynode vor.

Neben Gemeindegliedern mit einer sehr engen Kirchenbindung gebe es auch solche, deren Kirchenbindung im Wesentlichen durch frohe oder traurige Anlässe in ihrem Lebenslauf bestimmt werde oder die die Feste des Jahreskreises mit ihrer Kirche feierten. Für diese Gruppe sei die Ortsgemeinde als Begleiterin in den Übergängen des Lebens oder bei der Gestaltung der Feste wichtig. Deren innere Organisation sei jedoch wenig interessant, erklärte Lindner.

Inwieweit interne Faktoren wie ein reges Gemeindeleben, eine packende Verkündigung oder eine intensive Besuchskultur einen positiven Einfluss auf die Wahlbeteiligung hätten, lasse sich schwer nachweisen, sagte der Theologe. Diese würden vielmehr überdeckt durch äußere Faktoren: Je kleiner eine Kirchengemeinde sei, je kleiner die Kommune sei und je mehr Evangelische in der Kommune lebten, desto höher sei die Wahlbeteiligung. Reichere und höher gebildete Menschen begriffen sich zudem eher als Teil des Gemeinwesens und beteiligten sich deshalb auch eher an Wahlen. Die Bilder von Kirchenlandkarten und Soziallandkarten glichen sich überraschend, so Lindner.

Gemeinden, die 2013 erstmals die allgemeine Versendung der Briefwahlunterlagen beschlossen hatten, konnten einen Zuwachs der Wahlbeteiligung um zwei Prozentpunkte verzeichnen, während Gemeinden, die dies nicht anboten, Einbußen verzeichnen mussten, führte der Theologe weiter aus.

Vermehrte Kommunikationsanstrengungen hätten Einbußen bei der Wahlbeteiligung auffangen könnten, berichtete Lindner. Dies sei ein Hinweis darauf, dass auch Gemeindeglieder mit enger Kirchenbindung der Pflege und der Aktivierung durch Kommunikation bedürfe.

Bei der Untersuchung der Gesprächskreisergebnisse der Synodalwahl fand Lindner heraus: Die Lebendige Gemeinde findet mehr Zustimmung in rein evangelischen und kleinräumigeren Gebieten, die Offene Kirche dazu komplementär mehr in der Diaspora von Ballungsräumen.

Die Wahlbeteiligung sei zudem Lebensalter-spezifisch, so Lindner: Es gebe eine hohe Beteiligung der Jugend zwischen 14 und 17 Jahren, zwischen 21 und 35 sei sie am geringsten, dann stiegen die Werte stetig bis zum Spitzenwert der über 65-Jährigen: Nach einer intensiven Phase in der Jugend folge eine Zeit größerer Distanz, die ab 35 durch eine Wiederaufnahme von Kontakten abgelöst werde. Diese Rückkehrbewegungen gelinge jedoch nicht bei allen, es gebe auch Rückkehrverluste.

Gegenüber der letzten Kirchenwahl 2007 habe sich die Zahl der Gemeinden verringert, in denen die Wahl zum Kirchengemeinderat eine echte Auswahl ermöglicht und nicht nur eine Beauftragung der Kandidierenden darstellt, deren Anzahl der der zu besetzenden Ämter entspricht. Umso erstaunlicher sei die hohe intrinsische Motivation vieler Gemeindeglieder, sagte Lindner: „Die Stimmabgabe beeinflusst letztlich die Zusammensetzung des Kirchengemeinderats nicht und dennoch wählen so viele!“

Lindner ermutigte abschließend dazu, die innerkirchlichen Daten für eine umweltoffene und mitgliederorientierte Kirchenleitung auf allen Ebenen zu nutzen: „Denn es sind ja die Menschen, die in den Zahlen die Spuren ihrer Hoffnungen und Enttäuschungen, auch ihres Glaubens und ihres Zweifels hinterlassen“, so Lindner: „Eine Kirche, die ihrem Auftrag gehorsam sein will, wird sich bemühen, auch diese Spuren zu verstehen.“

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Hans-Peter Duncker © Evangelisches Medienhaus Stuttgart - Gottfried Stoppel

Mit Blick auf die positiven Aspekte der allgemeinen Versendung der Briefwahlunterlagen erklärte er: „Es liegt nahe, für die anstehende Kirchenwahl 2019 die allgemeine Zusendung der Briefwahlunterlagen verpflichtend zu machen.“ Duncker empfahl zudem, die Werbung für die Teilnahme an der Wahl wieder zu verstärken, nachdem sie zuletzt reduziert worden sei zugunsten der gemeinsamen Erstellung und Verteilung der Wahlunterlagen für die Synodalkandidaten. Diese sei aber von Kirchengemeinden und Kandidaten sehr geschätzt worden und solle deshalb auch 2019 wieder angeboten werden. Die Technik und die Sicherheit einer Onlinewahl sei aus heutiger Sicht des Oberkirchenrats noch nicht ausreichend, sagte Duncker. Unabhängig davon sei eine weitere Verbesserung des durch EDV und Internet gestützten Angebots unabdingbar sowohl für die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer als auch für die Wählerinnen und Wähler, so Duncker: „Wir werden darauf achten, dass von den Ehrenamtlichen wie den Hauptamtlichen nicht mehr abgefordert wird als nötig.“


TOP 12 - Engagement und Indifferenz. Kirchenmitgliedschaft als soziale Praxis V. EKD-Erhebung über Kirchenmitgliedschaft

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Gerhard Wegner © Evangelisches Medienhaus Stuttgart

Professor Dr. Gerhard Wegner, Leiter des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD, stellte die aktuelle kirchliche Mitgliedschaftsuntersuchung der Evangelischen Kirche in Deutschland: „Engagement und Indifferenz. Kirchenmitgliedschaft als soziale Praxis“ vor. 


TOP 13 - Überarbeitung der Agenden

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Karl Hardecker © EMH/Gottfried Stoppel

Als „dringend notwendig“ hat der Theologische Ausschuss die Überarbeitung der Trau- und Taufagenden eingestuft. Es bestehe Einigkeit darüber, „die Taufagende, nicht zuletzt aufgrund ihrer theologisch fundamentalen Bedeutung, zuerst in Angriff zu nehmen“, erklärte der Vorsitzende des Ausschusses, Dr. Karl Hardecker, vor der Synode. Dabei sollen nach Möglichkeit Synergieeffekte mit der Taufangende, die derzeit von der VELKD erarbeitet wird, zum Tragen kommen. Der Theologische Ausschuss will die Arbeit der Liturgischen Kommission begleiten sowie grundsätzlichen Fragen nach der Bedeutung der Kasualien in unserer Gesellschaft nachgehen. Hardecker kündigte zudem an, dass ab Januar 2017 mit der Überarbeitung der Trauagende begonnen werden solle. 


TOP 14 - Kirchentag 2015 in Stuttgart

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Das Kirchentagsteam gibt Informationen über den Kirchentag © Evangelisches Medienhaus Stuttgart

Knapp ein Jahr vor dem Kirchentag 2015 in Stuttgart stellte das Kirchentagsteam der Landeskirche der Synode die geplanten Aktivitäten das Großereignis vor. Insgesamt werde es etwa 2.000 Veranstaltungen geben, erklärte Pfarrer Wolfgang Kruse, Beauftragter der Landeskirche. Ein wichtiges Thema sei „Schuld und Versöhnung“ anknüpfend an das Stuttgarter Schuldbekenntnis, das sich 2015 zum 70ten Mal jährt. Des weiteren „Migration und Menschenrechte“, der „Nahostkonflikt“ sowie ein Podium mit dem Titel „Streit um die Familie“. „Die Visitenkarte der Landeskirche ist der Abend der Begegnung am 3. Juni 2015, dem Eröffnungsabend“, betonte Kruse weiter . Er hoffe, dass sich viele Gemeinden an diesem Straßenfest in der Stuttgarter Innenstadt beteiligen. Es würden bis zu 300.000 Besucher erwartet.

Die württembergische Landeskirche wird als Gastgeber drei eigene Themenschwerpunkte einbringen und in Zentren verankern. Es handelt sich um die Themen „Jugend“, „Stuttgarts Reichtum: Kulturelle und religiöse Vielfalt in der Region“ und „Evangelisch (nicht nur) in Württemberg“. Der Lenkungsausschuss der Landeskirche wählte diese drei Themen unter zehn Vorschlägen aus. In die inhaltliche Planung der Zentren sind verschiedene Gruppen und Einrichtungen, etwa das evangelische Jugendwerk, Gemeinden anderer Sprache und Herkunft, diakonische Einrichtungen oder der Christustag mit eingebunden. Auch die Kultur werde beim Kirchentag 2015 nicht zu kurz kommen, so das Kirchentagsteam. Bereits im März 2013 wurde ein Regionaler Kulturberat gegründet, der zusammen mit Kunst- und Kulturschaffenden in Württemberg acht Sonderprojekte entwickelt hat.

Im Januar 2015 beginnt eine großangelegte Privatquartierkampagne. Gesucht werden etwa 10.000 Privatquartiere in Stuttgart und Umgebung. Die Kampgange werde dann enden, wenn genügend Betten für Gäste vorhanden seien, so das Kirchentagsteam. 


TOP 15 - Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen in Busan

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Harald Kretschmer © Evangelisches Medienhaus Stuttgart

Die 10. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Busan (Republik Korea), ist am 8. November zu Ende gegangen und hat beschlossen, die Kirchen zu ermutigen, ihr Engagement für Gerechtigkeit und Frieden zu erneuern. In verschiedenen Treffen und Dialogen unter den Mitgliedern der Kirchengemeinschaft hat die Vollversammlung konkrete Beschlüsse gefasst und Empfehlungen ausgesprochen, die die Prioritäten und die Ausrichtung der zukünftigen Arbeit des ÖRK bestimmen.

In seinem Bericht an die Synode bekräftigt Harald Kretschmer, dass die Württembergische Evangelische Landeskirche diesen Pilgerweg engagiert mitgehen will und soll. Es sei ein wichtiger Schritt, dass die Landessynode in der Reformationsdekade 2016 einen Schwerpunkttag zum Thema „Gerechter Frieden und Eine Welt“ abhalten wird. Dabei wird es um Themen wie Armut, Flucht, Asyl, Waffenrüstung und Klimagerechtigkeit gehen.

Die internationalen kirchlichen Bünde seien –  trotz ihrer Vielfalt –  in ihrer prophetischen Deutlichkeit den regionalen Kirchen oft Jahre oder Jahrzehnte voraus. „Prophetisch heißt ja nicht, die Zukunft vorauszusagen, prophetisch bezeichnet ein lebendiges und kraftvolles Reden und Handeln, schärfer als jedes zweischneidige Schwert, „sagt Kretschmer.

Württemberg sei in dieser Bewegung der weltweiten Kirche recht stark vertreten, auch durch die Vize-Präsidentschaft von Landesbischof Frank Otfried July im derzeit von dem palästinensischen Christen Munib Younan geleiteten Lutherischen Weltbund.

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© EMH/Gottfried Stoppel

Rund 5000 Menschen haben sich in Busan (Südkorea) zur Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen zusammengefunden. "Die geistliche Dimension spielte eine große Rolle in der südkoreanischen Millionen-Metropole", sagte Kirchenrat Klaus Rieth in seinem Bericht an die Synode. So habe man immer wieder etwas gespürt von dem gemeinsamen Willen, zusammen zu beten, zu feiern und zu arbeiten. 

Wichtig für die gastgebenden koreanischen Kirchen sei das Thema „Wiedervereinigung“ gewesen. Gerade bei Begegnungen mit den deutschen Teilnehmern habe das eine große Rolle gespielt und immer wieder sei die deutsche Delegation hier um Rat gefragt worden. Gerade die Kirchen scheinen in Korea weit in ihrem Bemühen, hier starre Fronten aufzubrechen und vermehrt Begegnungsmöglichkeiten zwischen Nord und Süd zu schaffen, voran zu schreiten.

Es sei rundweg positiv zur Kenntnis genommen worden, dass die Württembergische Kirche durch die Entsendung einer Besuchergruppe so hohes Interesse an der Arbeit des ÖRK zeigt. "Die Württembergische Evangelische Landeskirche braucht den Ökumenischen Rat der Kirchen", sagt Rieth bilanzierend. Trotz zahlreicher Mängel in der Organisation, erschwerter Zusammenarbeit der Kirchen untereinander und erheblicher theologischer Differenzen sei eine Alternative nicht in Sicht. Deshalb solle auch in Zukunft die Mitwirkungsmöglichkeiten im ÖRK verstärkt genutzt werden.

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