Ein Porträt

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl

Landesbischof Ernst-Wilhelm GohlBild: Thomas Rathay

Ernst-Wilhelm Gohl hat für sein neues Amt als Landesbischof einen guten Vorsatz gefasst: Auch als Landesbischof möchte der 59-jährige von seinem Selbstverständnis her Pfarrer mit einem guten Kontakt zur Basis bleiben – mit anderen Arbeitsschwerpunkten, aber eben doch Pfarrer. Denn Gohl liebt den persönlichen seelsorgerlichen Umgang mit den Menschen. Auch in seinen 16 Jahren als Ulmer Dekan (2006 bis 2022) hat er nie seine seelsorgerlichen Aufgaben abgegeben. Auch als Dekan und Münsterpfarrer wollte er den Menschen seiner Stadt nahe sein. Und so kennt man ihn in Ulm auch: immer unterwegs in der Stadt, immer auf dem Sprung von einer Aufgabe zu anderen, aber doch jederzeit für jeden Menschen ansprechbar.

Gottesdienst und Festakt zur Verabschiedung von Landesbischof Frank Otfried July und Amtseinführung von Ernst-Wilhelm Gohl.
Bild: Gottfried Stoppel

Gohls Zugewandtheit zeigt sich schon im Lebenslauf, denn nach dem Zivildienst machte Gohl – in Stuttgart 1963 als Pfarrerskind geboren und in Esslingen und Mössingen aufgewachsen – erst einmal eine Ausbildung zum Rettungsassistenten. Nach dem Studium in Tübingen, Bern und Rom führte ihn sein Weg zunächst zum Vikariat an die Böblinger Stadtkirche, wo er auch anschließend von 1994 bis 2001 blieb – zunächst im Unständigen Dienst und dann auf seiner ersten ständigen Pfarrstelle, bevor er an die Plochinger Stadtkirche wechselte (2001 bis 2006) und schließlich für 16 Jahre als Dekan in den Kirchenbezirk Ulm. Hier lernte Gohl, mit einer großen Bandbreite verschiedenster Gemeinden zu arbeiten, schließlich umfasst der Kirchenbezirk Ulm doch sowohl die Großstadt Ulm mit der selbstbewussten Gemeinde der Bürgerkirche Ulmer Münster als auch viele ländliche Gemeinden auf der schwäbischen Alb.

Bei seiner Verabschiedung aus dem Amt des Dekans in Ulm sagte die Prälatin von Ulm, Gabriele Wulz, Gohl habe die „unnachahmliche Stärke, ganz viel Raum zu lassen und gleichzeitig präsent zu sein, die meisten Aufgeregtheiten – vor allem am und im Münster – gelassen zu nehmen und zugleich mit tiefem Ernst Pfarrer und Seelsorger zu sein.“ Die Ulmer verlören „einen Menschen, der als freier Christenmensch profiliert Positionen vertreten hat – dabei auch Menschen geärgert hat, der aber auch zugehört und Positionen revidiert hat, wenn er durch Argumente belehrt oder beeindruckt wurde. Wir verlieren einen Menschen, einen Kollegen, einen Pfarrer, einen Dekan und nicht zuletzt einen Nachbarn, der um der Sache willen streitbar ist und um der Menschen willen alles möglich macht.“

Ernst-Wilhelm Gohl
Bild: Thomas Rathay

Gohl glaubt fest an die Zukunft der Kirche. Zentrale Pfeiler dieser Zukunft sind für ihn vor Allem Seelsorge und Diakonie und die Bereitschaft, neue Formen des Gottesdienstes auszuprobieren, ohne Angst vor einem Scheitern des Experiments haben zu müssen. Als zupackender und engagierter Pfarrer am Ulmer Münster stand Gohl stets auch im Rampenlicht der Stadtgesellschaft und ging dabei keiner Auseinandersetzung mit Andersdenkenden aus dem Weg. Er scheute sich nicht, zu gesellschaftlichen und politischen Fragen um der Menschen willen klare Haltung zu zeigen, kämpfte dabei aber immer auf uneitle, freundliche und zugewandte Art gegen Polarisierung und für Ausgleich und Toleranz. Gohl gilt als Brückenbauer und hat sich in Ulm intensiv auch in der Ökumene und im Dialog der Religionen engagiert. Als Brückenbauer und ausgleichende Kraft kennen ihn auch die Mitglieder der 14., 15. und 16. Landessynode. Rund 15 Jahre lang war er Mitglied des württembergischen Kirchenparlaments.

Ernst-Wilhelm Gohl ist verheiratet mit der Apothekerin Dr. Gabriela Gohl und hat zwei erwachsene Kinder. Ein weiterer Sohn ist im Alter von 3½ Jahren tödlich verunglückt – ein Thema, mit dem Gohl sehr offen umgeht. In seiner Freizeit ist es ihm wichtig, mit Familie und Freunden zusammen zu sein und regelmäßig Sport zu treiben. Dreimal in der Woche schnürt er seine Joggingschuhe zum Laufen. Nach den Flachstrecken in Ulm und an der Donau könnte die Stuttgarter Topographie eine kleine Herausforderung werden …

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      19.03.2022