„Wir finden uns mit Prostitution nicht ab“

Stuttgarter Prälatin Arnold besucht „HoffnungsHaus“ am Weltfrauentag

Stuttgart. Die Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold besucht am Weltfrauentag (Donnerstag, 8. März 2018) das „HoffnungsHaus“ des Evangelischen Gemeinschaftsverbandes „die Apis“ im Stuttgarter Leonhardsviertel. Dessen Mitarbeiterinnen engagieren sich in vielerlei Weise für Prostituierte. Gemeinsam mit Pfarrer Steffen Kern, dem Vorsitzenden der „Apis“, nennt sie Prostitution ein „Vergehen gegen die Menschenwürde“. Folgend die Erklärung im Wortlaut.

Mit freundlichen Grüßen

Oliver Hoesch
Sprecher der Landeskirche


Vergehen gegen die Menschenwürde: Viele Prostituierte sind Opfer

In Deutschland gehen Politik und Gesellschaft häufig davon aus, dass Prostitution freiwillig und ohne Zwang ausgeübt wird. Das halten wir für einen Trugschluss: Denn dabei wird übersehen, dass ein sehr hoher Anteil der in der Prostitution tätigen Personen aufgrund verschiedenster Zwänge, Notlagen und Krisensituationen zu ihrer Tätigkeit gezwungen sind. Viele sind Opfer: Opfer von Menschenhandel, Ausbeutung und Entwürdigung. In vielen Fällen agieren keineswegs „selbstbestimmte Sexarbeiterinnen“, wie es ein Klischee gelegentlich glauben machen will, vielmehr sind diese Frauen zumeist gezwungen, sich zu prostituieren und ihren Körper zu verkaufen.

Menschenhandel: 95% der Opfer sind Frauen

Zum Weltfrauentag am 8. März 2018 machen wir darauf aufmerksam, dass laut Bundeskriminalamt die überwiegende Zahl der Opfer von Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung Frauen und Mädchen sind: Im Jahr 2016 waren 95% der Opfer, die in den entsprechenden Ermittlungsverfahren gezählt wurden, weiblich. (Quelle: Bundeskriminalamt 2017, s.u.).

Ein Fünftel der Opfer (22%) wurde durch Täuschung zur Aufnahme der Prostitution gebracht – unter anderem auch durch die „Loverboy-Methode“, bei der die Täter den häufig jungen Mädchen und Frauen eine Liebesbeziehung vortäuschen und so emotional abhängig machen (vgl. ebd., S. 10 und S. 19). Das Internet – u.a. soziale Netzwerke, Dating-Seiten, aber auch Internet-Inserate als weitere Form der Anwerbung – nimmt dabei an Bedeutung zu (vgl. ebd., S. 10f.). Besonders schwerwiegend ist dabei die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen. Auch die Anbahnung mit Freiern läuft vermehrt über das Internet, so dass sich die Ausübung der Prostitution ändert: Prostitution auf dem Strich bzw. in Laufhäusern und Bordellen nimmt ab; Wohnungs- bzw. Hotelprostitution nimmt zu, was Kontrollen und die Unterscheidung zwischen freiwilliger Prostitution und Menschenhandel erschwert.

Zur Prostitution in Stuttgart

Die Landeshauptstadt geht unter Bezugnahme auf den Ermittlungsdienst Prostitution der Polizei von circa 4.000 Frauen und 300 Männern aus, die der Prostitution in Stuttgart nachgehen. Während man Frauen größtenteils in Bordellen und Appartements findet und etwa 500 auf dem Strich, handelt es sich bei den Männern vorrangig um Straßenprostituierte. Rund zwei Drittel der Prostituierten haben einen Migrationshintergrund; die Frauen kommen vor allem aus Osteuropa (Quelle: Landeshauptstadt Stuttgart, s.u.).

Sexuelle Ausbeutung widerspricht christlichem Menschenbild

Als evangelische Christinnen und Christen halten wir fest: Wir finden uns mit Prostitution nicht ab. Wenn Menschen, insbesondere Frauen zur Ware gemacht und sexuell missbraucht werden, so sind das Vergehen gegen die Menschenwürde. Das steht unserem christlichen Menschenbild diametral entgegen. Am Weltfrauentag 2018 rufen wir daher zu einem Bündnis gegen Prostitution und die Ausbeutung von Frauen auf, die täglich tausendfach in Deutschland geschieht.

Gabriele Arnold             
Prälatin von Stuttgart

Pfarrer Steffen KernVorsitzender des Ev. Gemeinschaftsverbandes Württemberg e.V.
„Die Apis“ Träger des HoffnungsHauses