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Solidarität mit den Tsunamiopfern

EMS-Mitgliedskirchen helfen im Katastrophengebiet in Sulawesi

Es gibt wieder Strom und sauberes Wasser und keiner muss mehr hungern. Doch Tsunami-Opfer im indonesischen Sulawesi haben keine stabile Unterkunft, die medizinische Versorgung ist weiterhin unzureichend. Hans Heinrich, Referent für Indonesien bei der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS) hat sich vor Ort ein Bild von der Lage gemacht. Er berichtet im Interview mit Ute Dilg über die Hilfen und die Solidarität der EMS Gemeinschaft. 

Wie sieht es derzeit aus im Katastrophengebiet?
Die Nothilfe hat gut gegriffen. Anfangs herrschte große Not. Die Menschen haben gehungert, es gab keinen Strom, kein sauberes Wasser. Das hat sich mittlerweile wieder normalisiert, die Versorgung mit dem Allernotwendigsten ist wieder gegeben. Hierbei war die Unterstützung durch Hilfstransporte, welche die indonesischen Mitgliedskirchen und die internationale Gemeinschaft auf den Weg gebracht haben, von zentraler Bedeutung.

Was brauchen die Menschen momentan am meisten?
Sie brauchen vor allem ein halbwegs stabiles Dach über dem Kopf. Denn die Regenzeit steht vor der Tür. Der Staat hat sich verpflichtet für semi-permanente Behausungen zu sorgen. Wir hoffen, dass er dieser Zusage nachkommt. Außerdem brauchen die Menschen dringend medizinische Versorgung und psychosoziale Betreuung. Viele sind traumatisiert. Sie haben alles verloren.

Woran erkennt man, dass die Betroffenen traumatisiert sind?
Es ist eine Mischung aus Apathie und unheimlich viel reden wollen. Viele leiden auch an Schlafstörungen, haben Albträume. Vor allem auch die Kinder. Sie ziehen sich zurück, haben kein Interesse an der Schule oder daran zu spielen.


Auf der indonesischen Insel Sulawesi hatte Ende September die Erde mit einer Stärke von 7,4 gebebt und einen Tsunami ausgelöst. Bislang wurden mehr als 2.100 Tote aus den Trümmern geborgen. Etwa 1700 Todesopfer sind allein in der Provinzhauptstadt Palu gefunden worden. Fast 225.000 Menschen verloren bei der Katastrophe ihre Unterkunft, gut 4.600 wurden nach Angaben der Behörden verletzt, zwischen 5.000 und 7.000 Menschen werden weiterhin vermisst. Sie sind vermutlich unter den Schlammmassen begraben.


Wie stark haben das Erdbeben und der Tsunami denn die EMS-Mitgliedskirche in der Region, die Donggala-Kirche, getroffen?
Von 80 Kirchengebäuden sind 50 nicht mehr nutzbar. Außerdem wurde das Ausbildungszentrum der Kirche zerstört. Das ist ein fast traumatischer Verlust, weil es ein Identifikationsraum für die Gemeinden war. Dort hat die Pfarrerschaft ihre Fortbildungen bekommen, die Frauen haben sich getroffen, die Jugendlichen haben Camps durchgeführt. Die Donggala-Kirche war einmal eine gut organisierte Kirche. In den vergangenen zwanzig Jahren wurde sehr viel Engagement in den Gemeindeaufbau gesteckt. Innerhalb einer halben Stunde war das alles wie weggewischt.

Welchen Beitrag leistet die EMS mit ihren Partnern, um den Menschen vor Ort und der Partnerkirche zu helfen?
Wir arbeiten eng mit dem Indonesischen Kirchenrat (CCI) zusammen. Der ist sehr erfahren, wenn es um Nothilfe bei Naturkatastrophen geht. Die Mitarbeitenden des CCI waren sehr schnell im Katastrophengebiet und haben die Hilfen der indonesischen Kirchen koordiniert. Die haben um die hundert LKW-Ladungen mit Reis, Zucker, Öl und Wasser organisiert. Das musste ja alles verteilt werden. Das Krankenhaus, das der CCI in der indonesischen Hauptstadt Jakarta betreibt, beordert derzeit wöchentlich wechselnd medizinische Teams ins Katastrophengebiet.


Die Evangelische Landeskirche in Württemberg hat der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS) 20.000 Euro für die Nothilfe in Sulawesi zur Verfügung gestellt. Die EMS ist Zusammenschluss von 23 Kirchen, darunter auch die Württembergische Landeskirche, und fünf Missionsgesellschaften in Asien, Afrika, dem Nahen Osten und Europa mit Sitz in Stuttgart.


Die Kirchen stehen also zusammen.
Ja, das ist sehr beeindruckend. Unsere indonesischen Mitgliedskirchen schicken nicht nur Nahrungsmittel und Wasser, sie entsenden auch Pfarrerinnen und Pfarrer, um die Kirche bei der Seelsorge zu unterstützen, sammeln Kollekten und Spenden für den Wiederaufbau. Außerdem wollen sie in den nächsten Monaten die Pfarrersgehälter übernehmen, weil die Gemeinden der Donggala-Kirche das momentan nicht leisten können. Auch von den Mitgliedskirchen aus Ghana, Südafrika und Indien kamen Hilfszusagen, nicht nur materieller Art, sondern auch die Unterstützung im Gebet. Die koreanischen Partner haben sogar Helfer ins Katastrophengebiet geschickt. Und von den deutschen Mitgliedskirchen gibt es bereits Zusagen für den Wiederaufbau. Die Solidarität ist wirklich überwältigend.


Spendenkonto

Evangelische Mission in Solidarität e.V.
Evangelische Bank
IBAN: DE85 5206 0410 0000 0001 24
Verwendungszweck „Nothilfe Sulawesi“
Online unter: www.ems-online.org